Die gefährliche Gleichsetzung von Rechts und Links | Hinter Den Schlagzeilen

Konstantin Wecker ruft nach dem Anschlag von Hanau dazu auf, die faschistische Gefahr endlich klar zu benennen und den Boden, auf dem sie wachsen kann, auszutrocknen. Zu viele vermeintlich brave Bürger und Politiker sind den Parolen der fremdenfeindlichen Kräfte viel zu weit entgegengekommen. Gerade Union und FDP haben sich nicht erst seit der versuchten Regierungsbildung von Erfurt an die AfD angeschmiegt – dass sie es teilweise nicht aus Überzeugung, sondern aus Opportunismus taten, macht es nicht besser. Das „Manifest“ des Täters von Hanau mit seinen expliziten, rassistisch motivierten Vernichtungsfantasien macht deutlich, dass politische Motive für die Tat nicht mehr ernsthaft geleugnet werden können. Diese sind aber nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs, der auch von großen Teilen der politischen „Mitte“ gebildet wird. Statt sich dem Morden konsequent entgegen zu stellen, versuchen viele immer noch verzweifelt, sich gegen Links genauso konsequent abzugrenzen. Konstantin Wecker ruft zum Widerstand aus der Perspektive radikaler Menschlichkeit auf.  Konstantin Wecker

Liebe Freundinnen und Freunde,

während die Medien erregt darüber diskutieren, welcher nordrhein-westfälische Mann Deutschland künftig regieren soll, und während die Linken-Phobie der Thüringischen CDU noch immer eine Regierungsbildung verhindert, hat ein aufgehetzter Rassist in Hanau zugeschlagen. Neun Menschen fielen dem furchtbaren Anschlag zum Opfer.

Es versteht sich von selbst, dass die AfD mit der Tat nun nichts zu tun haben will und kräftig abwiegelt. „Das ist weder rechter noch linker Terror, das ist die wahnhafte Tat eines Irren“, sagte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen, der bisher nicht durch psychologische Expertisen aufgefallen war. Und Alexander Gauland ergänzte: „Bei einem völlig geistig Verwirrten sehe ich kein politisches Ziel, insofern bin ich vorsichtig bei dem Begriff Terror. Und von Links und Rechts wollen wir hier gar nicht reden. Das ist ein Verbrechen.“

Doch, Herr Gauland, wir müssen von Links und Rechts reden. Nur die letztgenannte politische Richtung kanzelte über Jahre so massiv Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe ab und betonte, dass diese nichts in unserem Land zu suchen hätten. Wenn labile Menschen so häufig von vermeintlich honorigen Herren hören, ihre syrischen oder nigerianischen Nachbarn wären gefährlich und sollten eigentlich gar nicht hier sein, dann kann es passieren, dass diese sich berechtigt, ja verpflichtet fühlen, das „Recht“ in ihre eigenen Hand zu nehmen.

Tobias Rathjen, der Attentäter von Hanau, war Bankkaufmann und Sportschütze – ohnehin eine seltsame Mischung. Während seiner Banklehre war Rathjen Betroffener eines Banküberfalls. Auf der Polizeistation musste er dutzende von Karteikarten mit Bildern von Kriminellen durchsehen. Ihm fiel auf, dass dies hauptsächlich Ausländer waren. Seine Schlussfolgerung daraus beschreibt er in seinem Bekennerschreiben: „Zunächst stellte sich mir die grundsätzliche Frage, wie es sein kann, dass solche Volksgruppen überhaupt in meinem Land sind? Diese Menschen sind äußerlich instinktiv abzulehnen und haben sich zudem in ihrer Historie nicht als leistungsfähig erwiesen. Umgekehrt lernte ich mein eigenes Volk kennen, als ein Land, aus dem das Beste und Schönste entsteht und herauswächst, was diese Welt zu bieten hat.“

Dass Rathjen seine These vom „besten und schönsten“ Volk – selbst wenn Deutschland jemals so großartig gewesen wäre – durch seine eigene Tat auf das Furchtbarste Lügen straft, kommt ihm offenbar nicht in den Sinn. Er fährt fort, bestimmte Personen hätten „dazu beigetragen, dass wir nun Volksgruppen, Rassen oder Kulturen in unserer Mitte haben, die in jeglicher Hinsicht destruktiv sind. (…) Da aber diese Völker besonders zahlreich auf diesem Planeten vertreten sind und offensichtlich nicht bereit sind auf eine weitere Vermehrung freiwillig zu verzichten bzw. im Gegenteil sich erstaunlicherweise sogar besonders toll finden, obwohl sie es nicht sind, muss also ein Problem gelöst werden.“ Er hält auch nicht damit hinter dem Berg, wie er sich diese Lösung vorstellt und nennt ein paar dutzend Völker, die nach seiner Ansicht „komplett vernichtet werden müssen“. Man müsse nach der Eliminierung dieser „schlimmsten“ Völker noch die Feinarbeit erledigen und auch in Deutschland aufräumen, weil „nicht jeder der heute einen deutschen Pass besitzt reinrassig und wertvoll ist“.

Dabei wirkt Rathjens in seinem Tonfall nicht „irre“, vielmehr zeugt sein Schreiben von geordnetem Denken, das jedoch mit äußerster emotionaler Kälte und Menschenverachtung vorgetragen wird. Er schaut auf Teile der Menschheit herab wie ein unreifer, sadistischer Bub, der sich entschließt, einen Ameisenhaufen abzufackeln, weil ihn die Tierchen nerven. Nun erzähle mir doch keiner mehr, diese Thesen seien nicht rechts! Wenn überhaupt etwas rechtes Denken in seiner Reinform verkörpert, dann ist es diese These vom unwerten Leben, das bedauerlicherweise auch noch auf seiner Vermehrung besteht anstatt verschämt und sozialverträglich auszusterben. Viele sind mitschuldig geworden und dürfen hier die Tat ihres geistigen Ziehsohns bestaunen: von Thilo Sarrazin der die These von einer vererbbaren Dummheit der Muslime salonfähig gemacht hat, über Pegida-Gründer Bachmann, der die Bewohner eines Flüchtlingsheims als „Dreckspack“ und „Viehzeug“ beschimpfte, bis hin zu Gauland und Meuthen selbst, die hier die verfolgte Unschuld geben.

Die Morde von Hanau kamen nicht aus dem luftleeren Raum. Da tickte ein gekränkter Spießbürger aus, weil ihm interessierte Kreise aus wahltaktischen Gründen sein Deutschsein als Selbstwert-Prothese aufgeschwatzt hatten. Und Politiker der Altparteien, die sich trotz massiven Bürgerrechts- und Sozialabbaus gern als Demokratie-Bewahrer inszenieren, bliesen zu oft, zu lange ins gleiche Horn. Gerade 2018, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsdebatte, gab es ja fast keinen mehr, der – wenn er nicht von Natur aus rechts war – nicht wenigstens versucht hat aus wahltaktischen Gründen ein partielles Rechtssein zu simulieren.

Auf dem Rücken von Migranten und Flüchtlingen hetzten vor allem Politiker aus Union und FDP im Sinne ihrer Vorbeter wie Gauland und Höcke. Der Händedruck von Erfurt zwischen Kemmerich und Höcke hat das national-neoliberale Bündnis nicht erst aus der Taufe gehoben, er hat dieses lediglich symbolisch sichtbar gemacht. Politiker vieler Parteien wollten Rechte da abholen, wo sie standen. Sie sind ihnen dabei so weit entgegengekommen, dass es zu einer verhängnisvollen Toleranz und Verbrüderung kam. Jetzt, da Abgrenzungserklärungen strategisch geboten scheinen, fehlt insbesondere Unions- und FDP-Politikern die notwendige Glaubwürdigkeit als antifaschistische Kämpfer.

Nachgerade absurd scheint vor diesem Hintergrund, dass sich Politiker der so genannten Mitte noch immer damit quälen, eilfertig die Äquidistanz zum rechten wie linken Rand einzuhalten. So als sei Bodo Ramelow ein Geistesbruder von Anders Breivik, der lediglich auf der anderen Seite des politischen Spektrums stünde. Noch immer, in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu dem Anschlag, bestehen „Etablierte“ auf der verhängnisvollen Gleichsetzung von rechter Menschenfeindlichkeit und einer vermeintlichen linken Gefahr. Die neue Zukunftshoffnung der CDU, Norbert Röttgen, sagte bei der Präsentation seiner Kandidatur: „Wenn es nach einer Seite keine Grenzen mehr gibt, dann wären wir nicht mehr die Partei der Mitte. Also ziehen wir Grenzen zur AfD und ihrem Denken und ihrer Sprache; aber wir ziehen – nebenbei aus ganz anderen Gründen – eine klare Grenze auch zur Linkspartei.“

Unverständlicherweise positionierte sich sogar ein ehemaliger SPD-Vorsitzender unmittelbar nach den Morden von Hanau in dieser Art: „Der Feind der Demokratie steht rechts“, leitete Sigmar Gabriel einen Tweet ein, fuhr aber dann sogleich fort: „Es lässt sich nicht abstreiten, dass linke Chaoten auf Polizisten eindreschen, Autos und Mülltonnen in Brand setzen und immer wieder hohe Sachschäden verursachen. Alles schlimm genug und nicht zu verharmlosen.“ Erst dann kehrt der Ex-Außenminister zur rechten Gefahr zurück. Nun, Sigmar Gabriel will in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank und bewegt sich zielsicher in die Richtung, aus der Friedrich Merz gerade kommt: hin zum großen Kapital. Die SPD kann froh sein, dass sie ihn los ist.

Unsere „Mitte“-Politiker müssen endlich Schluss machen mit dieser verhängnisvollen Gleichsetzung. Sie müssen vor allem jetzt den Boden austrocknen, auf dem solche rassistische Taten wachsen können. Ein Boden, den – ich muss es leider so deutlich sagen – etliche unter ihnen zu bereiten halfen. Wer es ernst damit meint, dass Anschläge wie in Halle und Hanau nie wieder passieren dürfen, muss jetzt seine ganze Kraft dafür einsetzen, dass die dunkle Epoche des neudeutschen Faschismus-Revivals rasch zu Ende geht. Er muss der rassistischen Erzählung der Zehner-Jahre, die es vermocht hat, humanere Kräfte argumentativ in die Defensive zu drängen, etwas anderes entgegensetzen: eine Philosophie radikaler Menschlichkeit und allumfassenden Mitgefühls, der Gleichheit und Gleichwertigkeit allen menschlichen Lebens, der Unverletzlichkeit der Würde.

Die durch Hass deformierte Seele sät den Tod; liebevolle Menschen halten sich an das Leben. Das Leben grenzt nicht aus, es umarmt und schließt ein. Und es ist vor allem eines: bunt.

Quelle: https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-gefaehrliche-gleichsetzung-von-rechts-und-links


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„Durch rechten Terror starben heute Nacht 11 Menschen. …“ | ruthe.de@facebook 20.02.2020 14:27

Quelle: https://www.facebook.com/ruthe.de/posts/10157935532714417


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Finger weg von Online-DNA-Tests!

» Firmen mit Angeboten zur Ahnenforschung drängen auf den Massenmarkt. Doch den Datenschutz ihrer Kunden nehmen solche Dienstleister nicht wirklich ernst, wie ein Blick in die AGB zeigt. […] Sie [die Anbieter] nehmen sich nach Gutsherrenart das Recht heraus, die eingesandten Proben beliebig lang aufzubewahren und nach Gutdünken erneut zu untersuchen. Die umfassende Genomsequenzierung ist dabei ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Solche Analyseergebnisse verkaufen die Dienstleister aber nicht Ihnen, sondern gut zahlenden Großkunden. […] Aber stellen Sie sich nur mal vor, Ihre Krankenversicherung bekommt Wind davon, dass in Ihren Ergebnissen auch Hinweise auf Erbkrankheiten stecken. «

Dušan Živadinović, Online-DNA-Tests: Datenhandel mit Folgen, c’t 5/2020, Seite 3, https://www.heise.de/ct/artikel/Online-DNA-Tests-Datenhandel-mit-Folgen-4656803.html

Siehe auch im selben Heft:
Jagd auf intimsten Datenpool – Datensammler entdecken die DNA ihrer Kunden als Kapital
Die DNA-Sauger – Wie Ancestry und MyHeritage die DSGVO und andere Gesetzte missachten


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» Introvertierte sind sehr kenntnisreich. …

Vor allem in der Tiefe sind sie gut informiert. Wenn sie sich für ein Thema interessieren, saugen sie das verfügbare Wissen förmlich auf. «

introvertiert.org


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Was sind die besten Jahre eines Lebens?

» Die besten Jahre eines Lebens
Die, ohne die wir gelebt haben
Diejenigen, die uns Lust gemacht haben
Gerade lang genug, um erdgebunden zu sein

Die besten Jahre eines Lebens
Die, die wir nicht gesehen haben, gingen vorbei
Wir haben so viele Kerzen ausgeblasen
Jetzt komm schon, lass uns tanzen.

La, la, eine Frau
Aufwind.
Der Zufall.
La, la, eine Frau
Aufwind.
Der Zufall.

Die besten Jahre eines Lebens
Es ist die Zukunft, die sie uns geben…
Jede Jahreszeit als Herausforderung
Sommer, Winter, Frühling, Herbst

Die besten Jahre eines Lebens
Als wir vor nichts Angst hatten
Viel Sonnenschein im Regen
Bis die Zeit vorüber ist. «

Calogero & Nicole Croisille
Les Plus Belles Années D’une Vie


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„Freude und Empathie sind den Linken eigen, weil sie zutiefst menschlich, verbindend und stärkend sind.“

» […] Es ist sehr einfach, keinerlei Hoffnung zu haben. Oder sich vor der Dummheit und Bösartigkeit des Spätkapitalismus misanthropisch in die eigene Innenwelt zurückzuziehen. Alles deutet fast überall scheinbar auf den Untergang hin.
… | …
Doch dann, wenn ich mich von der überwältigenden Finsternis abwende, durchdringt ein Gegenimpuls meine Gedanken, und ich denke an Goethe und Nietzsche: Lebensbejahung ist trotz allem eine tiefere Wahrheit als Pessimismus und Verzweiflung.
… | …
Letzteres ist genau das, was man – wenn es nach den Chefbürokraten, den Beherrschern der Welt, geht – fühlen soll, damit man nichts unternimmt und sie reicher werden lässt. Kaum eine andere Stimmung ist weniger revolutionär als der Zusammenbruch des Willens, Apathie oder absolute Hoffnungslosigkeit. Es ist anspruchsvoller, produktiver, und in gewisser Weise auch schöner, ja gar moralischer, zu bejahen und nicht nur zu verneinen.

Und so finde ich es wichtig, beim trostlosen Lesen Pausen einzulegen und mich an kleine Freuden und an Hoffnung zu erinnern. Es ist notwendig, seine Willenskraft regelmäßig zu erneuern – ein Imperativ, dem ich persönlich nur dadurch gerecht werde, dass ich meinen Kopf von allem befreie, was auch nur entfernt bürokratisch, institutionell und autoritär erscheint.
… | …
Das ist der Geist, der die Linken animieren sollte und dies auch tut – dieser freiheitsliebende, anarchistische Geist purer kreativer Individualität. Der natürlich mit einem kreativen und demokratischen Kollektiv einhergeht, denn in einer wirklich demokratischen Gesellschaft ist „die freie Entwicklung des einzelnen die Voraussetzung für die freie Entwicklung aller“.

Alles, was Hoffnung und Lebensfreude zerstört, sollten wir den Rechten überlassen, denn schließlich definiert sich die Rechte durch ihr Bekenntnis zum Menschenverachtenden:

Hierarchie, Kapitalakkumulation, Vorrang von Profit vor Menschenliebe, Privatisierung und extreme Vereinzelung, Umweltzerstörung, Hass auf andere, engstirniger Nationalismus, imperialistische Gräuel et cetera. Apathie und Hoffnungslosigkeit sind angemessene rechte Emotionen; Bürokratie und institutionelles Denken sind rechte Phänomene […]. Freude und Empathie sind den Linken eigen, weil sie zutiefst menschlich, verbindend und stärkend sind.

Bei der Aufgabe, sich rechter Charakteristika zu entledigen und einen positiven Blick auf die Zukunft aufrechtzuerhalten, ist es auch wichtig, Unvoreingenommenheit zu pflegen. Von den Rechten erwartet man Voreingenommenheit, nicht nur wegen der grundsätzlichen Abschottung einer „autoritären Persönlichkeit”, sondern auch wegen der Quintessenz reaktionärer Ideologien, die (explizit oder implizit) dem Gedanken der Hierarchie und Autorität verpflichtet sind.

Die linke Wertschätzung von Vernunft, Dialog, Demokratie, Empathie dagegen sollte auch die Bereitschaft mit sich bringen, das Positive an entgegengesetzten Sichtweisen zu berücksichtigen, anstatt sie reflexartig anzugreifen. Es ist daher eine traurige Ironie, dass innerhalb der Linken so viel Borniertheit und Sektierertum vorherrschen.

Ob nun Marxisten, Anarchisten, Leninisten, Feministen, Linksliberale oder eine andere der unzähligen Gedankenschulen – Feindseligkeit gegenüber potentiell konkurrierenden Ideen ist bedauerlicherweise weit verbreitet.
… | …
Mehr Offenheit gegenüber anderen nicht-reaktionären Strömungen und mehr Willen zur Zusammenarbeit mit ihnen bedeuten mehr politische Effizienz, mehr Solidarität und somit mehr „Ermächtigung“ sowie einen weniger verengten, kleinkarierten, bitteren, misanthropischen individuellen Charakter und eine weitläufigere, großzügigere Sicht auf die Menschheit und das Leben selbst. Übrigens ist eine solche Haltung ohnehin ganz grundsätzlich die Verwirklichung einer linken Moral.

Eine andere Möglichkeit, Verbitterung und Verzweiflung zu überwinden, liegt darin zu würdigen, in welchem Ausmaß linke Ideale bereits Einzug in den Alltag gefunden haben. Denn die menschliche Natur hat eine feste anarchistische und kommunistische Komponente (vergleiche Kropotkins Klassiker „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“).
… | …
Der einzige Grund, warum eine Gesellschaft überhaupt funktioniert, besteht darin, dass sie von einem engen antikapitalistischen Netz aus Teilen, Helfen und Kooperieren zusammengehalten wird, in dem jeder einem Bedürftigen im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas gibt, und sei es nur ein Rat, Mitgefühl, Hilfe bei einer Aufgabe, oder ein wenig Geld. Ein Linker zu sein bedeutet letztendlich, diesen „Basiskommunismus” zu einem bestimmenden Prinzip sozialer Organisation erheben zu wollen – nicht um seiner selbst willen, sondern weil das Ziel von Freiheit und Macht für das Volk damit näher rücken würde.
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wir [können] in Dankbarkeit spontanen Kommunismus und mitfühlende Freude würdigen, die fortwährend der Tiefe der menschlichen Psyche entspringen.
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in der Ära von Donald Trump ist ein neuer Faktor hinzugekommen – echte Hoffnung, dass eine breite Gegenreaktion auf den Neoliberalismus aufkommt. Endlich! Nach 40 Jahren wird es aber auch Zeit. Und da der Neoliberalismus einfach nur gedopter Kapitalismus ist, wird der Kapitalismus selbst für mehr und mehr Menschen zum Angriffsziel – zum Entsetzen „moderater Demokraten“.

Die einst lebhafte Mitte zerfällt, während semi-faschistische Rechte und semi-sozialistische Linke aus der Asche steigen.
… | …
Geschichte lehrt uns ja auch, dass sich schneller Fortschritt eher in Krisenzeiten vollzieht, wenn Menschen radikalen Ideen gegenüber offen sind.
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Der nächste, unvermeidliche wirtschaftliche Zusammenbruch wird soziale Bewegungen auf die gleiche Weise wachrütteln und den „Widerstand“ stärken und radikalisieren, der gegenwärtig in den Kinderschuhen steckt.
… | …
die Grundidee einer kolossalen finalen Konfrontation zwischen dem Kapital und der Mehrheit der Menschheit war korrekt. Nur wird diese „finale“ Konfrontation über Generationen andauern. Und sie begann nicht vor hundert Jahren, sondern setzt erst jetzt ein. Und auf dem Spiel steht so viel, dass diese Epoche als die Klimax der Menschheitsgeschichte gelten kann.
… | …
wir [müssen] der Hoffnungslosigkeit die Stirn bieten, indem wir uns vergegenwärtigen, dass düstere Zeiten nichts Neues sind, dass Fortschritt selbst in schlimmeren Zeiten als heute erreicht wurde, dass das Leben voller Freuden und Genüsse ist, die wir zu sehr als selbstverständlich ansehen, dass es notwendig ist, sich mit allen Genossen zu vereinen, auch wenn wir in Einzelheiten unterschiedlicher Meinung sind, und dass auch Leute, die nicht oder noch nicht links sind, auf der Grundlage ihrer gemeinsamen Bedürfnisse und Sympathien angesprochen werden können. […] «

Chris Wright | RUB|KON | 23.08.2018 | Jenseits der Verzweiflung | https://www.rubikon.news/artikel/jenseits-der-verzweiflung

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Ankunft. Mitten in Deutschland. Faschismus. Wehret den Anfängen? Es war nie beendet.

» Fremdenfeindliche Proteste in Freital finden seit Januar 2015 statt. Bundesweit bekannt wurden die Demonstrationen ab dem 22. Juni 2015, als Freitaler und zugereiste rechtsextreme Sympathisanten gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in einem ehemaligen Hotel protestierten. Es demonstrierten und belagerten teilweise über 1500 teils rechtsextreme Demonstranten den Gebäudekomplex.

Aus dieser Bewegung heraus rekrutierte sich die Bürgerwehr Freital (auch Bürgerwehr FTL/360 oder Gruppe Freital). In Freital und Dresden kam es nach den Protesten wiederholt zu Sprengstoffanschlägen auf Asylunterkünfte und linke Politiker. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Anschläge von der Gruppe verübt wurden, und ermittelt gegen Mitglieder wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Insgesamt 8 Mitglieder wurden wegen verschiedener Anschläge festgenommen und im November 2016 angeklagt. … « [1]


» Mit einem Ruck kommt der Bus zum Stehen
Alle aussteigen, die Fahrt ist hier zu Ende
Zischend öffnen sich die Türen
Ein Junge tobt nach draußen in die Fremde

Er kommt verstört zurück, verkriecht sich hinter einem Sitz
Irgendwo auf der Strasse geht ein Licht an
Sie wischt die Scheibe sauber, um etwas zu erkennen
Und sieht in kläffende Gesichter

Die hier wutschäumend im Regen stehen
Es scheint, als wären sie hier schon eine Ewigkeit
Gefangen und ignoriert in ihren falschen Leben
Und ihrer verhassten Vergangenheit

Ebenso verhasst wie die Ankunft von fremden Elend,
von moralischem Verfall, von Terror und von Barbarei
Giftige Mythen, die den Brandsatz neu entzünden,
der die Volksgemeinschaft erst zusammenschweißt

Polizisten schleusen sie jetzt durch die Menge hin zum Haus
Wer nicht mitkommen will, den zerren sie nach draußen
Einer greift den Jungen von eben, schmeißt ihn die Stufen runter
Und erntet dafür tosenden Applaus

Drinnen angekommen irren sie wie Geister durch die Räume,
Während der besorgte Bürger draußen an die Fenster schlägt
Sie schließt die Augen, alles verschwindet in den Flammen
Was bleibt ist nur der Schrecken, den sie schon so lange mit sich trägt «

Goetz Steeger
Ankunft

Pt. 1


[1]: https://de.wikipedia.org/wiki/Fremdenfeindliche_Proteste_in_Freital


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