Gegen steigende Sexualdelikte helfen weder V-Leute noch Handgranaten

» […] Aus Behördensicht ist Deutschland so sicher wie schon seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.
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Sogar Bundesinnenminister Horst Seehofer sagt, dass Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerungszahl nie weniger Kriminalität aufwies. Dennoch drängen er und viele Landespolitiker auf eine immer weitere Ausweitung der Polizeibefugnisse.
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Die Zahl der Diebstähle und Wohnungseinbrüche ist stark gesunken. Auch die Zahl der angezeigten Gewaltverbrechen ist rückläufig. Deutlich sanken 2017 im Vergleich zum Jahr davor auch die Zahl der Verstöße gegen das Ausländerrecht, die nicht in der PKS [polizeiliche Kriminalstatistik] enthalten sind.
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Künftig darf die Exekutive dort [neue Polizeigesetze einiger Bundesländer] ohne konkreten Verdacht ermitteln und dann auch – wie schon bisher möglich – V-Leute einsetzen, was sonst meist nur Geheimdiensten möglich ist. Auch dürfen die Beamten in Ausnahmefällen Explosivmittel einsetzen und die umstrittene und häufig irreführende Methode der „erweiterten DNA-Analyse“ zur Ausforschung von Verdächtigen einsetzen.
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Von rund 330.000 im Vorjahr angezeigten „Rauschgiftdelikten“ sind 200.000 Anzeigen wegen Cannabis-Konsum, Anbau und Handel. Wäre die weiche Droge in ganz Deutschland dekriminalisiert, würde das nicht nur die Statistik an sich senken: Arbeitszeit und Ressourcen der Polizei würden für wichtigere Dinge frei.
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Nach einer Schätzung des Landeskriminalamts Niedersachsen in deren Sicherheitsbericht werden nur sechs Prozent der sexuellen Übergriffe überhaupt der Polizei gemeldet. Bei sexuellem Missbrauch sind es sogar nur zwei Prozent. Rechnet man die 11.000 angezeigten Delikte im Jahr auf Basis der sechs Prozent hoch, kommt man auf mehr 180.000 Sexualdelikte im Jahr. Dagegen helfen weder V-Leute noch Handgranaten.
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Doch die Angst vor Einbrüchen, Raubüberfällen und Gewalttaten wird durch eine Boulevardpresse geschürt und von rechten Kräften befeuert, die pauschal den Tatverdacht auf Migranten und Minderheiten lenken.
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Eine zweifelhafte Rolle spielt dabei auch die Polizei selbst, wenn sie in sozialen Medien bereitwillig bei Straftaten die Herkunft ausländischer Täters nennt, ob das für die Tat selbst eine Rolle spielt oder nicht.
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Die hohe Zahl der angezeigten Drogendelikte und die niedrige Zahl der angezeigten Sexualdelikte sollten uns zu denken geben.
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Die #metoo-Debatte hat auch gezeigt, dass wir bei Gewalt gegen Frauen immer noch viel zu oft wegsehen. […] «

Alexander Fanta, Marie Bröckling | netzpolitik.org | 08.05.2018 | Die niedrigste Kriminalitätsrate seit 25 Jahren – und trotzdem überall schärfere Polizeigesetze | https://netzpolitik.org/2018/die-niedrigste-kriminalitaetsrate-seit-25-jahren-und-trotzdem-ueberall-schaerfere-polizeigesetze/

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„Was bedeutet mein blasses Leben? Was ist der Sinn eines Lebens in einem Leben, in dem dich niemand liebt?“

» In the morning, you left
Everything shines, the keys still light up the night
You left to go far away
Everything glistens, the moon glows so hard
You are made to fly
Since you’re a child
You dream about going beyond
You are made to fly

You’re poorer than d’Artagnan
Live and get without money
A traveller like Magellan
„Ourdant“ his his agile bird’s flight plan
You are made to fly
Your mother already knew everything
To you, we don’t refuse
You are made to fly

Mountain answers to the echo
Words of my own pain
The countryside sounds out
Songs of my songs
An unfulfilled desire
What means my pale life?
What means life without life
If nobody loves you?
I would like to escape the bunch
To a bunch of humans
I would avoid my fate
Too common
A trouble, another trouble
A daily penalty
A market, a flea market
And sky lag behind
Lag behind

You’re gone like Peter Pan
Everything shines, the drops on the gutters are amazed
You are made to fly
Your age, passing war
Foreigner mage travel
You are made to fly «

Calogero
Tu es fait pour voler


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Vom Regenwald in den Asphalt-Dschungel

SWR | 23.08.18 | 23:45 – 01:15 | Dokumentarfilm | Song from the Forest | http://majade.de/films/song-from-the-forest/

» Als junger Mann hörte der Amerikaner Louis Sarno im Radio einen Gesang, der ihn nicht mehr losließ. Er folgte den geheimnisvollen Klängen bis in den zentralafrikanischen Regenwald, fand seine Musik bei den Bayaka-Pygmäen – und kam nicht mehr zurück.

Heute, 25 Jahre später, ist Louis ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft aus Jägern und Sammlern. Mit einer Bayaka-Frau hat Louis einen Sohn, den 13-jährigen Pygmäenjungen Samedi. Als Baby war Samedi schwer krank und lag im Sterben. Louis versprach ihm: „Wenn du überlebst, zeige ich dir eines Tages die Welt, aus der ich gekommen bin.“

Nun ist die Zeit gekommen, sein Versprechen einzulösen, und er reist mit seinem Sohn aus dem afrikanischen Regenwald in jenen anderen Dschungel aus Beton, Glas und Asphalt – nach New York City. Hier treffen sie auf Familienangehörige und alte Weggefährten wie Louis‘ Studienfreund Jim Jarmusch, in dessen Filmen DEAD MAN (1995) und GHOST DOG (1999) sich Anklänge an Sarnos Lebensgeschichte finden.

Schon bald nach ihrer Ankunft die Überraschung: Samedi, der den Regenwald bis dahin nie verlassen hat und kein Wort Englisch spricht, findet sich in Amerika sehr viel besser zurecht als Louis. Die Annäherung an eine Welt, die der Vater vergessen wollte und die der Sohn nun erobern will, verläuft langsam, leise und mit Rückschlägen. Getragen vom Kontrast zwischen dem Regenwald und dem urbanen Amerika, wächst das ungleiche Paar von Vater und Sohn unterwegs immer schicksalhafter zusammen. «

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„Fanatismus ist sicherlich tausendfach verhängnisvoller, denn Atheismus entfacht keine blutige Leidenschaft, wo Fanatismus es tut. Atheismus stellt sich dem Verbrechen zwar nicht entgegen, aber Fanatismus führt zu Verbrechen.“ [1]

Voltaire

» Wenn ich ein Gott wär von irgendeiner traditionsreichen populären Weltreligion
– von welcher Religion, ist dabei völlig egal –
Dann hätt‘ ich was zu sagen, das geht euch alle an, denn
Ihr habt da etwas Wesentliches missverstanden
Und das bereits zum wiederholten Mal

All der Hass und all das Leid
Für das ihr weltweit verantwortlich seid
Flucht und Vertreibung und all die menschlichen Dramen
Unterdrückung, Krieg, Völkermord
Wovon ihr behauptet, es wär‘ Gottes Wort
All das geschieht nicht in meinem Namen!

Wenn ihr ein Land besiedelt, das euch nicht gehört
Die Bevölkerung vertreibt und ihre Dörfer zerstört
Und alle Friedensbemühungen immer wieder erlahmen
Weil ihr nicht miteinander sondern allein dort leben wollt
Weil ihr glaubt, ihr wärt das auserwählte Volk
Dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Wenn ihr tausend Jahre alte Kulturen vernichtet
Und auf den Trümmern eure protzigen Paläste errichtet
Und behauptet, ihr machtet euch stark für die Schwachen und Armen
Wenn von selbsternannten Dienern Gottes auf Erden
Kinder mißbraucht und mißhandelt werden
Dann geschieht das ganz gewiß nicht in meinem Namen!

Wenn ihr bigott, rigide und weltentrückt
Eure Frauen verachtet und unterdrückt
Aufgrund eurer „Werte“, eurer ach so tugendsamen
Nach denen man als Frau nicht widersprechen darf
Sondern eingesperrt wird und versklavt
Dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Und wenn eure Tochter zum Beispiel das dann nicht mehr still
Ertragen sondern selbstbestimmt leben will
Statt die mütterliche Knechtschaft nachzuahmen
Und sie von euch dann erniedrigt, geschlagen, entführt
Verstoßen oder sogar ermordet wird
Dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Wenn ihr Homosexuelle zusammenschlagt
Sie beschimpft und durch die Straßen jagt
Weil sie wagten einander öffentlich zu umarmen
Wenn ihr Frauen wie Freiwild behandelt, das man
Nach Belieben begrapschen und vergewaltigen kann
Dann handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Wenn ihr Andersgläubige massakriert
Und Regimekritiker exekutiert
Ohne jegliches Mitleid und ohne Erbarmen
Wenn ihr euch daran ergötzt und weidet
Wie ihr öffentlich Menschen die Köpfe abschneidet
Handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Und wenn ihr wieder mal hemmungslos Blut vergießt
Indem ihr wahllos unschuldige Menschen erschießt
Die vor euch nicht rechtzeitig entkamen
Und wenn ihr euch, mit Sprengstoff behängt
Inmitten einer Menschenmenge in die Luft sprengt
Handelt ihr damit nicht in meinem Namen!

Ihr seid weder Märtyrer noch ehrbare Rächer
Ihr seid einfach nur gottlose Schwerverbrecher
Und glaubt mir, ihr gehört zu den ganz infamen!
Wenn ihr zerstört, was ich erschuf
Dann will ich nicht, dass ihr euch auf mich beruft
Denn ihr handelt nicht in meinem Namen!

Im Gegenteil
Ihr verwandelt diesen Planeten in einen finst‘ren unduldsamen
Und verschandelt das Ansehen all derer, die in Frieden kamen
Es wird Zeit, dass euch einer standhält, eurem Wahn, diesem grausamen
Denn ihr handelt nicht in meinem Namen!
Denn ihr handelt nicht in meinem Namen!
Shalom, Inschallah, Amen «

Bodo Wartke
Nicht in meinem Namen


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»Die Erfindungen für Menschen werden unterdrückt, die Erfindungen gegen sie gefördert.« [1]

» Eine Uhr die sich im Trödeltempo dreht, wenn man trödelt kann man einstell’n das die Zeit langsamer geht.

Ein Kleid aus Graß klingt sehr verrückt, doch wenn man wächst, dann wächst das Kleid aus Graß, mit einem einfach mit.
Ein Fußballschuh, auch nicht normal, mit meinem Fußballschuh aus Federn läuft man schneller als der Ball.
Einen Hut mit dem man durch die Wand geh’n kann.
Einen Ritterhelm mit Reißverschluss für den modernen Mann.
Einen unsichtbaren Flüssteraperat der mir in meiner Schule jede Aufgabe ansagt.

Ich denk an dies, ich denk an das
und manchmal denke ich so viel und dann erfinde ich etwas.
Ein schlaues Buch das selber spricht,
es liest Geschichten vor und ich hör zu, nur lesen muss ich nicht.
So ein Buch das ganz von selber lesen kann,
wenn man müde ist dann schaltet sich die Automatik an,
ja, dann liest das Buch ‚Tausend und eine Nacht‘
und wenn ich schlafen möchte sagt mein Buch sogar „gut Nacht“.

In meinem Kopf hör ich Musik
und diese Töne schreib ich auf und dann ensteht daraus ein Lied.
Zuerst in Dur und dann in Moll
und plötzlich ist mein Blatt mit Fünfundzwanzigtausend Noten voll.
Dann erfinde ich ein neues Joellied,
mit einer hübschen Melodie, die es noch nirgends gibt
Und das Joellied läuft auf der ganzen Welt,
vielleicht sogar in China, wenn’s Chinesen gut gefällt.

Manchmal fällt mir auch gar nichts ein,
dann denke ich an Zauberei oder an den Albert Einstein.
Und hilft das nicht, ist’s auch egal,
dann erfind‘ ich meine schönste Erfindung einfach noch einmal. «

Joely und Oliver
Ich erfinde was (Das Joelied)

[1]: Bertolt Brecht


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Mathilde Weinberg

» Mathilde Weinberg wurde am 14. August 1902 als Tochter von Max Eschelbacher und dessen Frau Selma, geborene Cahn, in Neuwied geboren. Ihr Vater war der Besitzer des gleichnamigen Kaufhauses in der Mittelstraße 43 (damals Nr. 60), das auch unter dem Namen ERWEGE zu den führenden Kaufhäusern Neuwieds zählte.

Mathilde Weinberg 1902 - 1944

Mathilde Weinberg 1902 – 1944

Sie war verheiratet mit Dr. jur. Moritz Weinberg und wohnte in Neuwied in der Engerser Landstraße 61 und in Köln (Hardefusstraße 8). Das Ehepaar hatte zwei Kinder. Die Tochter Maria Luise wurde am 13. September 1929 in Köln geboren. Sie emigrierte am 7. Januar 1939 in die Niederlande. Ihr älterer Bruder Rolf wurde am 25. Mai 1925 geboren.

Am 18. Juni 1943 wurde Dr. Moritz Weinberg zusammmen mit seiner Frau und den Kindern von Köln aus in das KZ Theresienstadt deportiert.

Am 20. Oktober 1944 wurden Moritz, Hilde und Maria Luise Weinberg in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Auch die Schwester von Mathilde Weinberg, Alice May wurde zusammen mit ihrem Ehemann Jacob May Opfer der Shoa

Einzig der Sohn Rolf überlebte den Holocaust. Seine abenteuerliche Lebensgeschichte führte ihn von England aus nach Afrika, Papua-Neuguinea, die Solomon-Inseln bis nach Australien, wo er heute (März 2017) in Canberra mit seiner Frau Jane bei noch guter Gesundheit als Ralph Wingfield lebt.

Prof. Robert Weinberg, Cambridge, MA (USA), ein Verwandter von Ralph Wingfield, hat dieses bewegte Leben in einem Bericht zusammengefasst. «

»[…] Schuld die auch wir hätten begehen können […]«

Quelle & weitere Informationen => http://www.stolpersteine-neuwied.de/index.php/8-personenbeitraege/256-weinberg-mathilde-2 [abgerufen am 13.08.2018]

Vergessen ist der Ausgangspunkt von Wiederholung.

Unless the world learns the lesson these cruel fates teach, night will fall.

Zeugnisse jüdischen Lebens und Leidens in Neuwied | Rolf Wüst, verantwortlich für das Projekt „Stolpersteine“ im Deutsch-Israelischen Freundeskreis Neuwied, hielt im voll besetzten „Café Auszeit“ der Marktkirchengemeinde einen Vortrag über „Zeugnisse jüdischen Lebens und Leidens in Neuwied“. In einer ausführlichen Einleitung untersuchte er das Verhältnis der Gesellschaft zum Judentum früher wie heute, das oftmals zwischen den Extremen Ablehnung und Hass einerseits und Idealisierung und übersteigerten Erwartungen andererseits oszilliert.
http://www.nr-kurier.de/artikel/66565-zeugnisse-juedischen-lebens-und-leidens-in-neuwied

Holocaust | Mehr als ein Trostpflaster | Über die Stolpersteine ging man irgendwann hinweg. Dann kam ein privates Forscherteam mit einem aufrüttelnden Buch.
http://www.zeit.de/2017/05/stolpersteine-forschung-nationalsozialismus-opfer-oswald-pander/komplettansicht


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„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ [1]

» […] Bei jeder Demonstraton von Besorgtbürgern schallt der Ruf nach Widerstand. Merkel muss weg, ist die Parole. Aber wie ist das eigentlich mit dem Recht auf Widerstand? Wann ist das gegeben?
… | …
[1]: Art. 20 Absatz 4 GG lautet:
*
Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
… | …
Das Widerstandsrecht ist am 24.6.1968 im Zusammenhang mit der sogenannten Notstandsverfassung ins Grundgesetz aufgenommen worden. Es ist allerdings nicht dazu gedacht, sich je nach Interessenlage eben mal bei Bedarf mit Waffengewalt über die bestehenden Gesetze hinwegzusetzen, sondern es ist im Gegenteil dazu da, den Rechtsstaat zu retten, wenn dieser als solcher in ernsthafter Gefahr ist.
… | …
Erst wenn offenkundig staatliches Unrecht systematisch ausgeübt würde und alle von der Rechtsordnung vorgesehenen rechtlichen Mittel so wenig Aussicht auf wirksame Abhilfe bieten, dass Widerstand das letzte verbleibende Mittel ist, um einer verfassungsfeindlichen Aktion wirksam zu begegnen, erst dann könnte man sich auf das Widerstandsrecht des Grundgesetzes berufen.
… | …
Wenn der Staat in einem Maße von staats- und rechtsfeindlichen Figuren beherrscht würde, dass er selbst zum Terrorstaat mutieren und seine Instrumente nicht mehr im Sinne des Rechts greifen würden – ja, dann wäre Widerstand erlaubt.
… | …
die Bedingungen für das Recht zum Widerstand sind eben nicht erfüllt, solange man sich mit Hilfe der Gerichte, Wahlen, Demonstrationen, Petitionen, Presse usw. legal gegen Missstände wehren kann. Solange man ungestraft sein Maul aufreißen kann, ist alles im grünen Bereich.
… | …
Natürlich ist es richtig und wichtig, wenn Bürger gegen Extremisten jeglichen „Widerstand“ leisten, auf die Straße gehen und ihren Unmut über deren rechtsfeindliche Gesinnung äußern. Dazu gibt es Demonstrationen oder auch andere dauerhafte Bürgerinitiativen. Das hat aber nichts mit dem Widerstandsrecht zu tun. Das ist normales, reifes Demokratieverständnis im Rahmen der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit.
… | …
Für die Verfolgung von Straftaten sind die Polizei und die Justiz zuständig, weder die Bürgerwehr noch der Lynchmob.
… | …
Einzelnes Fehlverhalten von Staatsbediensteten schafft noch keinen Unrechtsstaat und zielt auch regelmäßig nicht auf die Abschaffung der verfassungsmäßigen Ordnung.
… | …
dass d[…]er verfasste Widerstand eben nicht der Abschaffung, sondern im Gegenteil der Unterstützung der Staatsgewalt dient, wenn diese nicht mehr in der Lage ist, die verfassungsmäßige Ordnung selbst aufrechtzuerhalten.
*
Diejenigen, die von Widerstand fantasieren, legen es häufig selbst auf eine Zerstörung der verfassungsmäßigen Ordnung an, ganz gleich, ob sie die Todesstrafe einführen oder den Sozialstaat, die Religionsfreiheit, das Demonstrations-, das Asylrecht oder andere Grundrechte abschaffen wollen.
… | …
Wenn Sie ein vom GG gedeckter „Widerständler“ sein wollten, müssten folgende Kriterien erfüllt sein:
*
Zunächst mal bräuchte es ein verbrecherisches Regime, das fundamentale Grund- und Menschenrechte völlig ungeschützt lässt oder selbst verletzt.
… | …
Alle legalen Mittel müssten ausgeschöpft und die Widerstandshandlung muss verhältnismäßig sein.
… | …
Den verfassungswidrigen Gesetzen unserer Regierung konnte bisher problemlos mit Hilfe des Bundesverfassungsgerichts begegnet werden.
… | …
Der Widerstand darf nur um des Rechts willen und nicht zur Befriedigung persönlicher Interessen geleistet werden. […] «

Heinrich Schmitz | DieKolumnisten | 07.04.2018 | Widerstand, Widerstand, Widerstand | https://diekolumnisten.de/2018/04/07/widerstand-widerstand-widerstand/

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