Ein Horrorfilm – „Die Auserwählten“ – Eine Kritik

„So sieht es aus, das deutsche Fernsehspiel. Öffentlich-rechtliche Klischeevorgaben: bornierte Lehrerkollegen, karikaturenhafte Eltern, ein schleimiger Finstermann als Bösewicht. Alles aus der Erwachsenenperspektive erzählt. … | … so ist der ganze Film ein Stück ÜBER Kinder. Ihr Leiden wird nur kurz mit Szenen dargestellt, die man zur Sendezeit um 20:15 Uhr bequem im Sessel mit Chips und Bier aushalten kann  … | … Das wirkliche Grauen, das die Missbrauchten ein Leben lang mit sich herumtragen, heißt es leider so oft, sei nicht darstellbar… Was für eine billige Entschuldigung.  … | …  Hier wurde der „Fall Odenwaldschule“ auf dem Niveau der ominösen Kinderschutz-Organisationen verhandelt, die in Sachen Sexualerziehung für das Elternrecht plädieren. Das ist doch keine Frage, dass in Sachen Odenwaldschule die Organisationen versagt haben, denen ihr Selbstbild wichtiger ist als das Leben der Kinder, die ihnen anvertraut werden. Ich sage: das Leben – denn Missbrauch, Missachtung, Qual, Autoritätsterror prägen das ganze Leben. … | … Und auch in diesem Film spielten die Opfer nur Nebenrollen. … | … Vierzig Jahre lang hat Alice Miller in ihren Büchern über den psychischen und physischen Missbrauch wie er nahezu allen Kindern auch heute noch widerfährt (zumeist von den Eltern, die damit selbst erfahrenen Missbrauch weitergeben) gnadenlos berichtet und ihn genau beschrieben. Man hat ihr nicht geglaubt, ihr Überdramatisierung vorgeworfen. Miller schrieb keine Fiktion, sie beschrieb „nur“ das Leben. … | … In „Und wir sind nicht die einzigen…“ kommen sie zu Wort, die einstigen Kinder, denen man das Leben zerstörte. Nur Gesichter wie Bühnen oder Leinwände, auf denen sich Grauen, Schmerz, Resignation und Verzweifelung spiegeln, ohne Klischees und den Fernsehspiel-Protagonistenwahn. Ein Ensemble der Erschütterung. Dieser Film wurde aber im deutschen Fernsehen nur zu mitternächtlicher Stunde gezeigt – nur für reife Erwachsene! … | … Wann endlich wird eine so notwendig zu erzählende Geschichte vom Zerstören der Kindheit aus der gnadenlos subjektiven Perspektive des Kindes erzählt? Wann wagen Kameraleute und Regisseure endlich Bilder drehen, die so verstörend sind, wie das Erleben der Kinder, wenn sie missbraucht, missachtet, verprügelt, belogen werden, wenn sie sich niemandem anvertrauen können, wenn sie der Lüge bezichtigt werden und man sich über ihren Schmerz und ihre Schmerzen lustig macht? … | … Es gäbe keine bekannten Schauspieler, die sich eitel in ihre Rollen schwitzen, sondern vor Angst schwitzende Kinder zu sehen, denen heiß und kalt wird, die aus toten Augen starren; Kinder, die dressiert sind bis zur Gefühllosigkeit oder gewalttätig werden weil sie ihr Innerstes nach außen kehren oder resignierte Abziehbilder sind ihrer Eltern, Lehrer oder Pfarrer. Nicht-Mehr-Kinder also…“

02.10.2014 | von Wolfgang Brosche

alles lesen => http://www.theeuropean.de/wolfgang-brosche/9067-eine-kritik-zu-christoph-roehls-die-auserwaehlten

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2 Antworten zu Ein Horrorfilm – „Die Auserwählten“ – Eine Kritik

  1. melcoupar schreibt:

    Ich drücke jetzt doch den „Like-Button“ … und danke fürs Teilen. Alles andere, was ich dazu sagen würde, ist zu persönlich. Lieben Gruss. Melanie

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