Der Tag, der uns gehört

„Frische Milch und die richtige Sorte Toast: Konsum am Sonntag ist verführerisch. Doch inzwischen spüren viele von uns die wahren Kosten. … | … Ein Gewinn an Freiheit? Womöglich. Für manche. Zweifelsohne hat er seinen Preis. … | … der Samstag [ist] »der einzig wahrhaft souveräne Tag der Woche«, der es vielen Menschen ermöglicht, »den Alltag mit den Mitteln des Feiertags zu nutzen« … | … Untersuchungen zur Unbeliebtheit von Wochenendarbeit […]: Zwei Drittel derjenigen, die zu diesen »atypischen« Zeiten tätig sein müssen, würden trotz der gezahlten Zuschläge die Arbeit am Sonntag lieber reduzieren oder ganz aufgeben. … | … Sonntagsarbeit [erhöht] den Krankenstand und senkt sowohl die Arbeitsmotivation wie auch die Verweildauer im Betrieb erheblich … | … Auch wir können heutzutage […] am siebenten Tage ausschlafen. Kein sozialer Zwang treibt uns in den Gottesdienst, das Mittagessen gehört als Wochenendinstitution einer vergangenen Epoche an, stattdessen gehen wir auswärts brunchen, danach steht uns eine fast unüberschaubare Zahl von Sport- und Freizeitangeboten zur Verfügung. … | … Da sind zum einen die Arbeitgeber, die, […] »an anderer Leute Arbeit Geld verdienen und logischerweise Interesse daran haben, aus aller Zeit Arbeitszeit und aus jedem Tag einen Arbeitstag zu machen«. Zum anderen schwindet die gesellschaftliche Fähigkeit, einfach nichts zu tun, nichts zu kaufen, nichts Teures und Aufwendiges zu unternehmen. … | … Nur die kollektive, nicht aber die radikal individualisierte Wochenendkultur könne Arbeitnehmer vor den Verfügbarkeitswünschen ihrer Arbeitgeber schützen. Nur das kollektive Wochenende entlaste vom »Fortsetzungsverhalten«, also vom Weiterputzen, Weitertelefonieren, Weiter-Stress-Empfinden: »Die Erfahrung, dass auch im sozialen Umfeld die Arbeit ruht, rechtfertigt das eigene soziale Verhalten, den primären Sozialbezug am Wochenende.« Sprich: Wenn alle es so machen, ist es in Ordnung, auszugehen und sich mit Freunden zu treffen, statt zu schaffen. Deshalb ist umgekehrt auch der Freizeitausgleich in der Woche so wenig wert. … | … Wie es scheint, stehen Einsamkeit, Kontemplation, Ruhe, Entschleunigung, Hinwendung zur Natur aber nicht auf dem Stundenplan unserer Gesellschaft: Wir sollen wählen zwischen Arbeit, immer und überall, und Freizeit, abgepackt und eingepreist.“

16.11.2007 | von Susanne Gaschke

alles lesen => http://www.zeit.de/2007/47/Ladenschluss

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»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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3 Antworten zu Der Tag, der uns gehört

  1. Christiane schreibt:

    Ein Artikel von 2007 … da frage ich mich dann doch, was sich in der Zwischenzeit verändert hat.

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