Wer eine Frau ist – Der Kampf der Suffragetten um Wahlrecht und Selbstbestimmung.

»Frauen wurden von Staatsapparaten, politischen Parteien und Gruppen immer nur als eine lenkbare Masse angesehen, die nicht das Recht habe, eigene Bedürfnisse zu formulieren, sondern die – je nach aktueller Anforderung – Mehrwert oder eine gewisse Anzahl an Kindern produzieren müsse. Sexualität und Liebe wurden traditionell immer mit Frauen in Verbindung gebracht, ganz so, als gingen sie Männer nichts an, Kinder und Kinderziehung ebenfalls, ganz so, als wären Männer nicht auch Väter. … | … Zu Beginn der zwanziger Jahre räumten die Bolschewiki den Menschen das Recht auf freie Sexualität und den Frauen das Recht auf Abtreibung ein, erwarteten aber […] Liebe zu den politischen Führern. … | … Die kommunistischen Parteien, ebenso wie die anarchistische Bewegung, hatten nicht nur immer schon wenig Verständnis für die Forderung von Frauen aufgebracht, ihren eigenen Körper kontrollieren zu können, sie sahen auch die Berechtigung anderer Forderungen wie der nach der juristischen Gleichstellung der Geschlechter nicht ein und taten die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen als »bürgerlich« ab. … | … So durften Frauen in Berlin erst seit Winter 1895/96 als Gasthörerinnen eine Universität betreten, sofern sie die Genehmigung eines Professors vorweisen konnten; ein Studium absolvieren durften sie nicht. Und eine verheiratete Frau unterstand im Gegensatz zur ledigen, volljährigen Frau in allen Fragen ihres Lebens – Wohnort, Beruf, Einkommen, Kinder – den Anweisungen ihres Mannes. Er konnte ihr Vermögen ausgeben, ohne sie zu fragen, und eine Frau, die nachts alleine unterwegs war, musste mit ihrer Verhaftung rechnen. … | … »Ich hatte noch nie ein Stimmrecht für irgendetwas, und ich habe in diesem Land die Hölle in Bewegung gesetzt. Man braucht kein Wahlrecht, um die Hölle in Bewegung zu setzen! Was ihr braucht, sind die richtige Überzeugung und eine Stimme zu Schreien!« … | … dass die Vorenthaltung von Bürgerrechten für Frauen mit der Vorenthaltung von Bürgerrechten für die schwarze Bevölkerung einherging. … | … »Verheiratete Frauen durften keine Verträge unterschreiben, hatten keinen Anspruch auf eigenes Einkommen und Vermögen, nicht einmal, wenn es als Erbschaft oder Mitgift ihnen gehörte, und sie hatten im Fall einer gesetzlichen Trennung keinen Anspruch auf die Kinder.« … | … ›Seht meinen Arm an! Ich habe gepflügt und gepflanzt und geerntet und kein Mann hat mir etwas vormachen können – und bin ich keine Frau? Ich konnte arbeiten und essen wie ein Mann – wenn ich soviel bekam – und gleichermaßen die Peitsche ertragen! Und bin ich keine Frau? Ich habe dreizehn Kinder geboren und zusehen müssen, wie sie die meisten als Sklaven verkauft haben, und wenn ich meinen mütterlichen Schmerz hinausschrie, hörte mich niemand als Jesus – und bin ich keine Frau?‹ … | … Als Rosa Parks sich 1955 weigerte, aufzustehen, weil sie im Bus auf einem für Weiße reservierten Sitzplatz saß, löste sie damit eine Welle der Empörung und eine Emanzipationsbewegung aus, die die US-amerikanische Gesellschaft durchgreifend verändert hat. … | … »Seit den vierziger Jahren (des 19. Jahrhundert, B. S.) […] befassten sich die Reformerinnen mit der Alkoholfrage – nicht bloß aus einem abstrakten Ideal, sondern weil das Gesetz verheiratete Frauen so sehr der Willkür ihrer Ehemänner auslieferte.« … | … In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien wurde die Kriegsproduktion der maßgebliche Faktor, der die Frauen in die Arbeitswelt integrierte und ihnen dabei half, ein Stück ökonomische Unabhängigkeit zu erreichen. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden die Frauen zu Müttern. Bis 1949 hatten sie kein passives Wahlrecht mehr.«

27.11.2014 | von Birgit Schmidt

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Eine Antwort zu Wer eine Frau ist – Der Kampf der Suffragetten um Wahlrecht und Selbstbestimmung.

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    Erschreckend, dass es noch gar nicht so lange her ist. Erfreulich, daß sich seitdem viel geändert hat. Es gibt noch viel zu tun…

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