Dem würde ich die Eier abschneiden …

»… Der Rechtsruck manifestiert sich nicht nur am Rassismus und an Wahlerfolgen konservativer Parteien. Rechtsruck ist mitnichten nur, dass man ausländerfeindlicher wird und Diskriminierung akzeptiert. Man erkennt ihn vorallem daran, wie feindlich man den Ideen der Aufklärung und der Unveräußerlichkeit von existenziellen Garantien gegenübersteht. Ob man Verbrechen verstehen will, um daraus zu lernen oder ob man sie auf den Scheiterhaufen stellen will. Man ist nicht nur als Ausländerhasser ein Rechter. Auch als jemand, der Leute auf die Streckbank legen will und in den Kerker werfen möchte, reitet man sich ins rechte Spektrum hinein. Kein Zweifel, die Reaktion wirkt. Wir sind dabei, unsere gesellschaftliche Mitte rechts zu finden. … | … Irgendwie landeten sie dann bei Sexualstraftätern. … | … Ich hörte nur noch Wüten, die Diskussion emotionalisierte sich. Und einer sagte dann, er würde einem solchen Schwein, das Kinder missbraucht, die Eier abschneiden. »Genau!«, pflichtete ihm jemand energisch zu. Er hatte offenbar das richtige Gefühl gefunden. Eine Handvoll abgeschnittener Eier waren das Gebot der Stunde. Sie nannten es nur »Gerechtigkeit«. … | … Keiner kommt als Hodenhenker zur Welt. … | … Für manche Menschen besteht zwischen […] Gerechtigkeit und Verstümmelung [kein Unterschied] […] … | … »Glaubt ihr, dass es für einen selbst als Elternteil und für das eigene Kind förderlich ist, wenn man Hass kultiviert und brachiale Strafen möchte? Glaubst du, dass das irgendjemanden hilft? […]« … | … Wahrscheinlich dachten sie, ich sei ein schlechter Vater, weil ich nicht dazu bereit bin, Menschen zu verstümmeln. … | … Aber die Leute erliegen dem rechten Populismus, der sagt, dass Vergewaltiger und Pädophile eine Lobby hätten, während man Opfer zu Tätern mache. Zur Todesstrafe ist es dann bloß noch ein kleiner Schritt. Und die scheint als Option derzeit wieder recht beliebt zu sein, was man so liest. Die Agitation der Menschenfischer von der rechten Seite wirkt. … | … dass sie Stellung bezieht. Für die Menschenrechte, die jedem Menschen zukommen. Jemand mag eine Strafe büssen, aber gewisse Rechte sind unveräußerlich. … | … Alle Menschen sind gleich. Schwarze und Weiße. Juden und Christen. Das hört man heute oft. Aber man interpretiert Abstufungen hinein, die es gar nicht geben dürfte. Der Kriminelle ist zum Beispiel nicht ganz so gleich. Und der Sexualstraftäter verwirkt alles. Nicht umsonst sagen viele, dass das kein Mensch mehr sei. … | … Man kann heute als Mensch gegen Menschenrechte sein und alle finden etwas Sinnvolles daran. Ich finde allerdings, dass man am Umgang mit solchen Menschen erkennt, wie eine Gesellschaft denkt und fühlt. Ist sie noch bereit, an den Werten einer Welt festzuhalten, in der auch die, die sich disqualifiziert haben, ein Mindestmaß an menschlichen Respekt erhalten. Das heißt ja nicht, dass sie straffrei ausgehen. Aber an ihrem Menschsein darf kein Zweifel herrschen. Tut es das aber, dann stimmt da etwas nicht mehr, dann orientiert sich die Gesellschaft um, gleitet ab und wickelt ab, was als Errungenschaft schon mal gültig war.«

12.12.2014 | von Roberto De Lapuente

alles lesen => http://ad-sinistram.blogspot.de/2014/12/dem-wurde-ich-die-eier-abschneiden.html

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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2 Antworten zu Dem würde ich die Eier abschneiden …

  1. nandalya schreibt:

    Was sie vergessen, diese Populisten: Irgendwann sind sie selbst dran.

    Gefällt 1 Person

  2. Christiane schreibt:

    „Ich finde allerdings, dass man am Umgang mit solchen Menschen erkennt, wie eine Gesellschaft denkt und fühlt. Ist sie noch bereit, an den Werten einer Welt festzuhalten, in der auch die, die sich disqualifiziert haben, ein Mindestmaß an menschlichen Respekt erhalten.“
    Das ist der Punkt. Und da gebe ich dem Verfasser recht. Diese Luft wird dünner.

    Gefällt 2 Personen

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