Flaschenpost

Ist es  Zufall 

dass ich gerade heute,  einen Schatz längst vergangener Tage fand, er mir sozusagen direkt vor meine Füße rollte? Kann es wirklich Zufall sein, dass gerade heute, genau jetzt, diese Flasche dessen Inhalt ich längst vergessen hatte, vor mir liegt? Ich bückte mich, griff vorsichtig nach ihr. Als meine Hand sie berührte,

öffnete sich IN MIR eine Tür 

eine Tür mitten in das Land  MEINER Träume,  MEINER Sehnsüchte, direkt  in MEIN Herz. Selbstsicher drang ein zarter Windhauch ein, blies den Staub der Vergangenheit weg, band eine Schlinge um einen Sonnenstrahl und legte ihn in mein Herz. Ich staunte als ich plötzlich einen Schreibtisch sah, waren es zuerst nur seine Umrisse, gestaltete sich das Bild immer  deutlicher und klarer.

Erneut fegte der Windhauch zart durch mein Herz, wirbelte ein Blatt Papier empor, trug es sanft, vorsichtig vor meine Füße, ließ es in Serpentinen rund um mich höher steigen, bis es direkt vor meinen Augen  war, genau im rechten Winkel, genau in der richtigen Entfernung um jedes Wort perfekt lesen zu können. Leicht vergilbt, dennoch deutlich standen die Zeilen vor mir, warteten geduldig, still so unheimlich lange darauf, endlich wieder gelesen zu werden.

An mein großes ICH 

wenn ich diese Zeilen lese, bin ich kein Kind mehr, ich weiß nicht wie alt ich jetzt bin. Wie gerne wüsste ich, ob ich noch immer so träumen kann, wie ich es heute kann. Wie gerne wüsste ich, ob ich noch immer so viele Geschichten schreibe, so wie ich es jetzt tue, Tag um Tag. Bin ich jetzt genau so grau, farblos, wie so viele Erwachsene? Sind meine Augen jetzt auch so still und trüb geworden? Oder strahlen sie? Erzählen tausende Geschichten und Märchen, verführen in mich ein zu treten, mehr und mehr von mir zu erfahren? Ich hoffe so sehr, so sehr, dass dem so ist, noch Leben, Phantasie in MIR ist. Habe ich noch immer die Gabe, alles rund um mich lebendig werden zu lassen?  Oder habe ich sie gar verloren? Ich hoffe ich habe die Elfen und Feen nicht vergessen. Die Trolle, Gnome, Zwerge und sonstigen Gestalten. Höre ich diese innere Stimme noch, die mir all diese Geschichten zu flüstert?

Liebes großes ich, bitte, bitte sag mir, dass ich mich NICHT verloren habe 

Ob ich mich noch an diesen einen Traum erinnern werde? Dieser eine, ganz besondere, den ich fast jede Nacht träume. Erinnere ich mich noch daran? Dieser eine Traum, den ich so liebe, der von dieser Begegnung mit diesem  außergewöhnlichen Menschen, der in mein Leben tritt. Der an meiner Seite bleibt, bis uns der letzte Atemzug entzweit um gemeinsam im Unbekannten auf ewig verbunden zu bleiben. Erinnere ich mich noch daran? Ob dieser Schmerz noch in mir ist, der Schmerz darüber, dass mich alle deshalb auslachen? Meinen ich sein ein kleines Kind, dass noch nichts vom Leben versteht, in dessen Kopf nur Märchen und Geschichten herumschwirren, ich die Realität nicht kenne. Erinnere ich mich noch, wie viel Angst diese Worten in mir erschufen? Angst davor erwachsen zu werden, der Realität ausgeliefert zu sein?

Komm wir schließen die Augen und träumen den Traum 

Komm wir schließen die Augen und lassen sie lachen, lassen sie in ihrer grauen, kalten Welt zurück 

Ich sitze am Steuer eines riesigen Raumschiffes, betrachte das Weltall, dessen Größe, dessen unfassbare Unendlichkeit. Bis mir rechter Hand ein Planet ins Auge sticht, mich die Neugier übermannt, ich direkt darauf zusteuere, vorsichtig lande, den unbekannten Planeten betrete, und ihn das erste mal erblicke. Diesen Fremden, der mich so freundlich, liebevoll empfängt. So ganz anders ist seine Sprache und ich gestehe, nicht ein einziges Wort zu verstehen. Also nehmen wir unsere Hände, gebrauchen unser Lächeln, sprechen mit unseren Augen, unserer Mimik, malen Zeichnungen vor uns auf den Boden lernen so zu kommunizieren, beginnen ganz sacht uns kennen zu lernen. Liegen vor Lachen am Boden, strahlen, kichern, sind lebendige Freude. Bis er nach meiner Hand greift, mir deutet, dass alles rund um ihn herum, der ganze Planet er selbst ist. Jeder Mensch für sich ein riesiger Planet im Sonnensystem des Lebens ist. Behutsam führt er mich zu jeder Landschaft, zeigt mir jedes Schild welches darauf steht. Das Schild des Menschen, der Situation, welche genau diesen Ort erschaffen hat. Erneut greift er nach meiner Hand, legt mir Seil und Steigeisen zu Füßen und gemeinsam besteigen wir den höchsten Berg seiner Welt, betrachten vom Gipfel aus sein SEIN,  diese endlose Weite, welche mich sofort verzaubert, diese unfassbare Vielfalt welche mich berührt, blicke ihn von der Seite an, sehe sein wunderschönes Gesicht, fühle in mir, ganz laut und deutlich, ein kräftiges

JA 

Lange verweilen wir in diesem Augenblick, lernen Wort um Wort von einander, bis  sich unsere Sprache angleicht, eine Brücke des Verständnisses über unsere Worte erschaffen ist, welche wir auf sicheren Pfeilern erbauen. Nichts verbirgt er vor mir, selbst die tiefsten Schluchten seiner Ängste und Schatten zeigt er mir, als sei es das natürlichste der Welt, legt mir so die Tiefe seines unendlichen Vertrauens vor meine Füße, berührt mich damit, berührt mich damit bis tief in meine Seele.

Noch einmal atme ich das Gefühl dieses Moments in mich ein, greife liebevoll nach seiner Hand, zärtlich, sacht, sanft, voller Gefühl. Führe ihn zu meinem Raumschiff, hebe ab um auf meinem Planeten zu landen, zeige auch ihm  jede meiner Landschaften, verberge auch vor ihm nichts. Führe ihn durch meine tiefsten Schluchten, fühle seine Hand, welche mich bestimmt hält, mir damit sagt, hab keine Angst, ich bin bei dir. Lege ihm mein Vertrauen vor seine Füße und fühle mich so frei wie ich mich davor noch nie fühlte. So lernen wir uns kennen verbergen nichts, mutig, offen, wissend, dass das der einzige Weg ist, sich wirklich näher zu kommen.

Erneut greift er nach meiner Hand, schmunzelt wie ein Lausbub, als er die Verwunderung in meinem Gesicht erkennt. Besteigt mit mir das Raumschiff, hebt ab, schiebt meinen Planeten dicht an seinen, lässt mit vollem Schub  meinen  gegen seinen prallen. Flüstert mir dabei zu, dass Leben Veränderung ist, jede Minute, jede Sekunde, alles in Bewegung ist. Das nur so NEUES entstehen kann. Jede Begegnung eine Art Kollision ist, in welcher zwei Welten auf einander prallen. Erzählt mir von der Reibung die dadurch ensteht, Reibung die wiederum Wärme erzeugt. Vom Alten das aufgebrochen wird, ja aufgebrochen werden muss, um neues enstehen zu lassen. Nimmt mich darauf fest in den Arm, führt seine Lippen nahe an mein Ohr und flüstert mir zu:

Beziehung  braucht viel Mut, den Mut sich selbst als auch das DU genau zu betrachten. Den Mut altes gehen zu lassen, um es dem Neuen überhaupt erst möglich zu machen zu entstehen. Die Kraft sich Konflikten, der Reibung zu stellen, um genau dadurch aneinander zu wachsen, sich zu verbinden.

Kuss, ich umarme MICH, mein großes ICH 

P.S.: ICH HAB MICH LIEB 

 

 

16.06.2013 | unbekannte Verfasser_in

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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2 Antworten zu Flaschenpost

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    schööööön :-)

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  2. sugar4all schreibt:

    sehr schön !

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