Sensibel, respektvoll, erfolglos — Softies kommen bei Frauen nicht an

  • »Wahrscheinlich hätte ich sie nur zu küssen brauchen. Aber das traute ich mich dann doch nicht. Warum nicht?

  • Weil ich ein Waschlappen bin. Ein Warmduscher. Ein Pantoffelheld. Kein Silberrücken, kein Alpha-Männchen, sondern ein «(jüngerer) Mann von sanftem, zärtlichem, empfindungsfähigem Wesen», wie es der Duden definiert: ein Softie.

  • das starke Geschlecht sei «zu lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt». Mehr noch: «Verkopft, gehemmt, unsicher, nervös und ängstlich ist er, melancholisch und ratlos.» Touché, ich gebs ja zu, so bin ich. Weder Pascha noch Chauvi, weder Sexist noch Egoist, nein, ein gemässigter Mann. Ein Un-Mann

  • Gewissermassen bin ich ja der emanzipatisierte Mann; […] Ich wuchs im Glauben auf, dass Frauen sich nach nachdenklichen, einfühlsamen und emotionalen Männern sehnen, die ihre Partnerinnen ernst nehmen, respektieren und ihnen zuhören. Wir Knaben, so hiess es, dürfen, ja sollen unsere sensible und verletzliche Seite zeigen. Statt mich zu prügeln, übte ich Gitarre, statt das Töffli zu frisieren, machte ich Hausaufgaben, und statt mit Kameraden um die Wette zu trinken, spielte ich mit meinen Eltern «Trivial Pursuit».
  • Fehlalarm, Frauen wollen keine nachdenklichen Männer. Diesen Bereich decken sie selbst ab. Viel eher sehnen sie sich, so scheint es, nach männlichen Urtypen zurück, unkompliziert, erdhaft, aber nicht plump. Männer, die handeln statt zögern, die tun statt fragen. Er soll möglichst galant sein, ihr den Hof machen, sie auf Händen tragen, aber bloss nicht meinen, sie sei darauf angewiesen. Er hat sich grosszügig zu zeigen, aber wehe, er glaubt, sie sei käuflich!
  • Da sass ich also, der Anti-Archetyp, mit meiner Tiefgründigkeit, dem musischen Talent und all den Emotionen. Und weit und breit war niemand, der sich ihrer annehmen wollte. Klar gab es da die eine oder andere Beziehung, aber alle endeten gleich: Selbstwertgefühl am Boden, Stolz verloren, Virilität weg.
  • Am Ende habe ich keine von ihnen geküsst, war mit keiner im Bett, nada. Wahrscheinlich bin ich schlicht zu wenig risikofreudig. Statt «Zu mir oder zu dir?» frage ich «Zum Italiener oder zum Chinesen?». Drogen? Viel zu viel Respekt vor dem Kontrollverlust. Ein One Night Stand? Zu viel Angst vor dem Gesichtsverlust. Doch ein Mann, der nichts aufs Spiel setzt, immer zuerst rekognosziert und abwägt, wirkt zu wenig zielstrebig, um bei einer Frau zu landen. Zögerlich ist gleich unsexy. Auch bin ich zu leicht verunsichert, will immer allen alles recht machen. Ich küsse zum Beispiel erst, wenn ich sicher bin, dass der Kuss auch empfangen werden will.
  • Ständig stelle ich mich infrage: Ist das gut so? Mache ich etwas falsch? Dabei müsste meine Devise sein: Falsch oder nicht, Hauptsache mit Überzeugung. Dazu kommt noch: Ich protze nicht. Das heisst, was ich zu bieten habe, muss eine Frau erst entdecken.
  • Nein, ich kann Frauen nicht im Sturm erobern. Eher stupse ich sie, bis sie sagen: Von mir aus. Weitere Anomalien: Ich ekle mich vor Insekten, im Dunkeln fühle ich mich unwohl, in der Disco ist es mir zu laut, und um 2 Uhr morgens wäre ich eh am liebsten im Bett. Wie kann ich die starke Schulter sein? Ich sehne mich ja selber oft nach einer.
  • Meine Softieness äussert sich selbst im Geschäftlichen. Die Ellbogen auszufahren und mich nach oben zu drängeln, liegt mir nicht, nein, ich halte Empathie, Respekt und Rücksicht hoch. Einem Streit gehe ich, wenn immer möglich, aus dem Weg. Ärgere ich mich, mache ich die Faust im Sack. Wenn mich jemand kritisiert, steigt nicht das Adrenalin, sondern die Tränenflüssigkeit. Ich bin quasi die Verkörperung des kategorischen Imperativs: Ich möchte nichts tun, was anderen missfallen könnte. Ganz schön nett, ganz schön «nein danke».
  • Natürlich wäre ich manchmal gern einer, der weiss, wie man einen Fisch ausnimmt. Der beim ersten Anlauf ein Feuer hinkriegt. Der eine Frau mit einem Blick erobert. Der jemandem, der ihm blöd kommt, die Meinung geigt oder ihm gar aufs Maul gibt. Ich wünschte, ich hätte diese Nonchalance, alles so zu machen, wie es mir passt, und davon auszugehen, dass sich dann schon jemand damit arrangiert. Doch stattdessen respektiere ich die Frauen. Die Konsequenz: Ich werde ebenfalls respektiert. Aber eben: nicht begehrt. Ganz schön paradox, wenn man es sich überlegt: Frauen kämpften für die Gleichberechtigung und haben sich den Männern angepasst – sie sind Staatsoberhäupter, suchen schnellen Sex, spielen Fussball. Nur mit der Ausgeburt der Emanzipation können und wollen sie nun nicht leben. Das macht es ziemlich hart, ein Softie zu sein.«

25.09.2012 | von Reto Hunziker

 

alles lesen => http://www.annabelle.ch/print/liebe/partnerschaft/sensibel-respektvoll-erfolglos-%E2%80%94-softies-kommen-bei-frauen-nicht-25546

zu erst gelesen bei http://emmadenkt.com | http://emmadenkt.com/2015/02/02/sensibel-respektvoll-erfolglos/

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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9 Antworten zu Sensibel, respektvoll, erfolglos — Softies kommen bei Frauen nicht an

  1. lebenswanderin schreibt:

    Nunja….. wie nennt man Frauen eigentlich, die die oben genannten Charakterzüge haben?

    Bei Männern ist das nicht sexy, bei Frauen aber genauso wenig.

    Der Mensch neigt dazu, von einem Extrem ins andere zu fallen (Männlein wie Weiblein). Entweder sind wir Softies oder unemanzipiert oder Vollpfosten und Kampf-Emanzen. Dabei wäre der Mittelweg so vielversprechend: Seinen Mann oder Frau stehen, wenn es erforderlich ist. Und Gefühle und Sensibilität zeigen, wenn es angebracht ist. Und dem Mitmenschen, der es verdient hat, mit Respekt zu begegnen.

    Wenn ein Mann diesen Mittelweg lebt, dann ist er unglaublich sexy für mich. Dann sage ich: Er ist ein sensibler Mann mit dem Herz eines Löwen.

    Ein Softie ist für mich ein Mann, der das Leben als Jammertal sieht. Alle anderen sind schuld, nur er nicht usw.

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    • Im Englischen ist der „softie/softy“ ein Trottel. | Der Softie, den der Autor beschreibt, ist kein Jammerlappen, sondern ein in allen Belangen zurückhaltender Mensch. Kein Anwalt und kein Kämpfer in eigener Sache (in Angelegenheiten Dritter schon). Oder anders Etikettiert: ein Entschleuniger. Jemand, der die Dinge langsam angeht. Bestimmt auch zielstrebig. Aber nie brachial. Der Entschleuniger wird von den Beschleunigern gerne verlacht. | In diesem Zusammenhang sind auch die Erkenntnisse des amerikanischen Beziehungscoachs Scot McKay interessant: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39657/1.html

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      • Lebenswanderin schreibt:

        Unsere kleine Unterhaltung zeigt auf, wie unterschiedlich Begrifflichkeiten definiert werden, obwohl es eine offizielle einheitliche Definition gibt :-)

        Für mich ist ein Softie ein Jammerer. Ein Entschleuniger ist für mich aber kein Softie. Sondern jemand, der die Stärke hat, die Dinge in dem von ihm gewollten Tempo zu tun, auf die von ihm gewollte Art und Weise. Also eigentlich ein selbstbewusster Mensch mit großer Empathie und großem Respekt für seine Mitmenschen. Aus meinem Bekanntenkreis (und aus meinen früheren Begegnungen) waren die Entschleuniger aber immer die, auf die wir Mädels abgefahren sind.

        Aber im Grunde ist es doch so: Ein Mehr kann nur entstehen, wenn Signale gesendet oder empfangen werden. Und jetzt kommt der Knackpunkt: Beidseitig :-) An einer fehlenden Kompabilität von Sender und Empfänger kann allerdings auch ein Macho scheitern…

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        • In einer Zeit der Reizüberflutung, in einer Zeit, in der oftmals mit Gefühlen nur „gespielt“ wird, Gefühle gespielt werden, haben es die wahrhaftigen Signale schwer durchzudringen.

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          • Lebenswanderin schreibt:

            Aber ist nicht genau das die Einstellung eines „Jammerers“, zu sagen, dieses oder jenes ist Schuld daran? Die Reizüberflutung ist sicherlich vorhanden, aber nicht die Erklärung des Problems. Oder anders gesagt: Will man Signale an jemanden senden oder von jemandem empfangen, der nur spielt? Man möchte doch den richtigen Empfänger finden. Wobei hier insbesondere gilt: Der Weg ist das Ziel – man muss viele Frösche küssen – viele Wege führen nach Rom – Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.

            Der Entschleuniger versucht einen Weg zu finden, wie seine Signale in der Reizüberflutung herausragen. Er zeigt, was ihn von der Masse abhebt, ohne dabei zum Proll zu werden.

            Aber egal, in welchen Zeiten wir leben: Ohne Mut, sich zu offenbaren, geht es nicht.

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            • Jeder Mensch hat seine ureigenen Erfahrungen gemacht, Signale zu senden, Signale empfangen und interpretieren, sich zu offenbaren. Je nachdem, was er für Erfahrungen gemacht hat, küsst er gerne weiter Frösche oder er hat die Schnauze voll davon.

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  2. nandalya schreibt:

    Das Like gibt’s für den Lacher, den mir der Text bescherte. Der Autor hat Probleme mit selbstbewussten Frauen. Mehr ist das nicht.

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  3. memyselfandi2014 schreibt:

    Ich bin davon überzeugt, zu jedem Topf gibt es einen passenden Deckel…auch für sensible Männer.

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