IV

»D« wie Dudelfunk

Ich gestehe, …

… dass ich den sogenannten Dudelfunk unerträglich finde.

Meine erste Begegnung mit Radio war in der Grundschulzeit mit einem alten Röhrenradio der Marke Loewe [1]. Es gab die Frequenzbänder UKW, KW, MW und LW [2]. Ich fand es faszinierend auf KW, MW und LW die Sprachen der Welt hören zu können. Nachts vielfältiger als tags. Der klare Klang der UKW bestach mich. Zu jeder vollen Stunde gab es Nachrichten. Nachrichten, die noch Inhalt hatten und journalistisch aufbereitet waren. Nachrichten, die ein Sprecher, der den Namen noch verdiente, getragen vorlas. Nicht zwei, nicht fünf, sondern zehn lange Minuten lang. Anschließend das Wetter in Hektopascal und Millibar. Danach noch die Wasserstandsmeldungen des Rheins in über normal und unter normal. Es gab thematisch gegliederte Sendungen mit ausgewählter Musik, ja, auch mit zeitgemäßer Schlager-, Pop- und Rockmusik. Ich werde nie vergessen, wie ich immer auf den „Großen Schäck“ gewartet habe [3]. Und immer fünf Minuten vor der halben und vollen Stunde der Werbeblock. Zeit genug für eine Pinkelpause.

Heute finde ich diese angenehme, informative und unterhaltsame Art des Rundfunks nur noch bei den Sendern des Deutschlandfunks [4].

Ja, mir gefiel in den 1970er und 1980er Jahren SWF3/SWR3 gut, zeitgemäß. Frank Plasbergs große Zeit als journalistischer Morgenradiomoderator, der unseren Volksvertretern unangenehme Fragen stellte. Was liebte ich seine Interviews. Aber es waren auch bereits die Anfänge des Dudelfunks. Und irgendwannn verschwand dann das Qualitätsradio hinter dem sprachlichen wie musikalischen Gedudel.

Die DIE ZEIT schrieb am 03. Juli 2006 zum 10. Geburtstag des ersten landesweiten Privatrundfunks Deutschlands: »… Ich kann auch keinen Anstoß an dem nehmen, was du uns sagst. Denn es ist nichts, was du uns mitzuteilen hast. Das übernehmen deine Werbepartner. Seien wir mal ehrlich: Was hat uns die Einführung des Privatfunks gebracht? Heutzutage empfängt jedes Radiogerät fast nur noch Frequenzen, die uns Einfalt als Vielfalt verkaufen wollen und unsere Ohren mit verbalen Blutgrätschen wie »Hit-Hits« attackieren. Die einen spielen mehr Rock, die anderen mehr Pop, und am Ende gleichen sie sich wie Bananen aus dem Genlabor. Es gibt kein Entkommen, die Dödelwellen schwappen aus allen Rohren. Arbeitsplätze und Boutiquen kommen kaum noch ohne Klangtapeten aus. Und statt sich auf seine Stärken zu besinnen, beteiligt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur allzu oft am Dudelfunk-Konzert. … Jetzt sagst du mir gewiss, dass Du ein Unternehmen bist, dich am Gewinn orientieren musst. Aber dann sage ich dir auch, dass du kein erfolgreiches Radio bist, sondern allenfalls ein gutes Geschäft. …«

2007 rief die DIE ZEIT noch dazu auf, das Radio zu retten [5]. Es brachte nichts.

Ich gestehe, dass ich den privaten und öffentlich-rechtlichen Dudelfunk hasse. An mein Ohr kommt nur Deutschlandradio [4] und selten SWR1 [6], gestreamt und nicht mehr geröhrt.

Links:

[1] https://lh6.ggpht.com/-xn4_asCZesM/TtEMTKwAfEI/AAAAAAAAHbE/HheOE9dCgbA/Rheink%2525C3%2525B6nig-2.jpg
[2] UKW = Ultrakurzwelle, KW = Kurzwelle, MW = Mittelwelle und LW = Langwelle
[3] https://vimeo.com/71237315
[4] http://www.deutschlandfunk.de/
[5] http://www.zeit.de/2005/09/RettetdasRadio/komplettansicht
[6] http://www.swr.de/swr1/rp/programm/-/id=446640/nid=446640/did=9691144/tde7j4/index.html und http://www.swr.de/swr1/rp/musik/hitparade/-/id=446760/7jvkcu/index.html

… to be continued

inspired by Christiane

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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4 Antworten zu IV

  1. willnstark schreibt:

    Hallo RSOP, das hast Du treffend geschrieben. Ich habe auch immer mit Faszination das Röhrenradio – das davon abgesehen, einen sehr guten Klang hatte (und immer noch hat) – geliebt. Das „magische Auge“ hat mich als Kind genauso angezogen wie die fremdklingenden Sendernamen auf der Skala. Heute sind tatsächlich nur noch die Deutschlandradiosender hörbar. Alles andere ist gleichförmiger, in der Dynamik hochgeduldelter Einheitsbrei. Das könnte man ohne Gefahr auch auf die Fernsehsender übertragen. Die Privaten kann man sich fast nicht antun.

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  2. Christiane schreibt:

    Ich bin auch im SWF3-Land aufgewachsen. Als sie zu SWR3 wurden, war ich schon längst weg, von daher konnte ich mir das „indiskutabel“ schenken. Aber abends habe ich am Radio geklebt und auf „Abendrot: der Popshop droht“ mit Frank Laufenberg gewartet. Und weil du Plasberg erwähnst: Der hat beim deutschen Radiopreis 2013 den Preis für das Lebenswerk an seinen ehemaligen Chef, Hans Peter Stockinger, verliehen und eine saugute Rede gehalten (die ich online leider nicht mehr finde). Aber hier ist nochmal was über ihn: http://swrmediathek.de/player.htm?show=2d01d120-4097-11e3-ab3c-0026b975f2e6

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