Vermauerte

»Dem deutschen Volke  
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Wer oder was ist das Volk?  
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Wer nun aber jetzt dieses ominöse deutsche Volk ist, darüber lässt das Grundgesetz sich gar nicht weiter aus. Definition Fehlanzeige.  
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Das Bundesverfassungsgericht sagt klipp und klar, das Volk ist nichts anderes als das Staatsvolk und umgekehrt.  
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Das „deutsche Volk“ besteht aus der Gemeinschaft der deutschen Staatsangehörigen, also „den deutschen Staatsangehörigen und den ihnen nach Art. 116 Abs. 1 gleichgestellten Personen“.  
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Die deutschen Staatsangehörigen haben die unterschiedlichsten Wurzeln.  
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Basierend auf der Erkenntnis, dass das deutsche Volk aus der Gesamtheit der deutschen Staatsangehörigen besteht, ergeben sich ein paar zwangsläufige Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben. „Die Staatsangehörigkeit ist die rechtliche Voraussetzung für den gleichen staatsbürgerlichen Status, der einerseits gleiche Pflichten, zum anderen und insbesondere aber auch die Rechte begründet, durch deren Ausübung die Staatsgewalt in der Demokratie ihre Legitimation erfährt“, sagt das Bundesverfassungsgericht.  
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Wer meint, aufgrund seines Generationen bestehenden „Ariertums“ deutscher zu sein als andere Deutsche und daraus herleitet, er könne auf andere herabsehen oder für sich mehr Rechte in Anspruch nehmen, der irrt. Auch wer meint, dieses heterogene Volk könne ein gemeinsames „Volksempfinden“ – womöglich noch ein gesundes – oder einen einheitlichen „Volkswillen“ haben, der muss ein ziemlich großes Rad ab haben.  
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Um zum deutschen Volk zu gehören, muss man weder bestimmte Gene noch eine bestimmte Religion noch eine bestimmte Gesinnung oder eine bestimmte Hautfarbe haben. Deutscher wird man auf verschiedenen Wegen. Die einen durch Geburt oder Adoption, andere durch Einbürgerung.  
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Voraussetzungen für eine Einbürgerung von Nichtdeutschen sind:  
1.) Ein unbefristetes Aufenthaltsrecht zum Zeitpunkt der Einbürgerung,  
2.) ein bestandener Einbürgerungstest, also Kenntnisse über die Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie die Lebensverhältnisse in Deutschland,  
3.) ein seit acht Jahren bestehender gewöhnlicher und rechtmäßiger Aufenthalt in Deutschland (diese Frist kann nach erfolgreichem Besuch eines Integrationskurses auf sieben Jahre verkürzt werden, bei besonderen Integrationsleistungen sogar auf sechs Jahre),  
4.) eine eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts – auch für unterhaltsberechtigte Familienangehörige – ohne Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II,  
5.) ausreichende Deutschkenntnisse,  
6.) keine Verurteilung wegen einer Straftat,  
7.) ein Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland  
8.) und grundsätzlich der Verlust beziehungsweise die Aufgabe der alten Staatsangehörigkeit (hier gibt es allerdings Ausnahmen je nach Herkunftsland)  
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Da diese neuen Mitglieder des „deutschen Volkes“ – im Gegensatz zu hier geborenen übrigens – einer Integrationsverpflichtung unterliegen und sich darüber hinaus zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bekennen müssen, kann selbst beim schlechtesten Willen nicht von einer „Abschaffung“ Deutschlands die Rede sein. Eher im Gegenteil.  
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Wer trotzdem Mauern im Kopf hat, neue Mauern in Deutschland errichten und sich gegen alles „Fremde“ abschotten will, dem sei ein Zitat von Thukydides mitgegeben:  
Menschen sind es, die das Gemeinwesen ausmachen, nicht Mauern!  
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Aber wer von den Vermauerten hört schon auf einen alten Griechen?«  

03.01.2015 | von Heinrich Schmitz

alles lesen => http://www.theeuropean.de/heinrich-schmitz/9416-nationale-identitaet-und-deutschsein#

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»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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3 Antworten zu Vermauerte

  1. nandalya schreibt:

    Wir sind das Volk. Wir alle.

    Gefällt 2 Personen

    • »Mein Volk

      Warum soll man die Leute denn mögen?
      Was ist so toll an denen?
      Wenn man die so auf der Straße sieht,
      muss man sich fast für sie schämen.
      Die Klamotten total geschmacklos,
      die Laune genauso bescheiden.
      Und jeden, der anders aussieht,
      können sie erstmal nicht leiden.
      Und sie lesen die dümmste Zeitung
      und die schauen die dämlichsten Sender.
      Und viele saufen sich tot dabei
      oder wiegen über zwei Zentner.

      Und sowas soll mein Volk sein?
      Die sind mir einfach zu blöd.
      Bevor die merken, was los ist,
      ist es meistens leider zu spät.

      Warum soll man die Leute mögen?
      Aus Menschenfreundlichkeit?
      Ja, wenn sie wenigstens freundlich wären,
      doch dazu sind nicht viele bereit.

      Warum soll man die Leute mögen?
      Weil sie so fleißig Autofahren.
      Weil sie all die Jahre so begeistert
      von Kohl und Diebken waren.
      Ja, höchstens, wenn’s um Fußball geht,
      wird schon mal protestiert.
      Doch der Atommüll hat die einfachen Leute
      noch nie interessiert.

      Und wenn sich mal was ändern soll,
      so ein für alle mal.
      Dann brauchen sie den starken Mann,
      das finden sie normal.

      Und sowas soll mein Volk sein?
      Die sind mir einfach zu blöd.
      Bevor die merken, was los ist,
      ist es meistens leider zu spät.

      Ich kann die Wahrheit sagen,
      ich steh‘ ja nicht zur Wahl.
      Ich kann die Wahrheit sagen
      und sie ist fundamental.
      Und sie ist wieder einmal unangenehm
      und sie ist wieder einmal hart.
      Als Gott den kleinen Mann erschuf,
      hat er Gehirn gespart.
      Und das war ganz schön clever
      und nachhaltig und überhaupt
      denn dadurch wird von den kleinen Leuten
      immer noch so viel geglaubt.

      Und sowas soll mein Volk sein?
      Dieses Volk lehne ich ab.
      Und ich werde nicht eher zufrieden sein,
      bis ich ein besseres hab.
      Dieses Volk soll ein Erfolg sein?
      Es wird bestimmt verschwinden,
      deshalb habe ich schon mal angefangen,
      ein anderes zu gründen.«

      – Funny van Dannen, „Mein Volk“, aus der CD „Nebelmaschine“, 2005, TRIKONT US-0336

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