Einfach nur ein Tier?

»Haustiere – Zu Tode gestreichelt
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Haustiere werden von ihren Besitzern geradezu mit Zuneigung überschüttet. Für viele wird das zur Qual.
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Er frisst kein billiges Fertigfutter, sondern sorgfältig komponierte Frischfleischgerichte. Seine Lieblingsspeise: Rind mit Möhren-, Kohlrabi- und Rote-Bete-Gemüse, garniert mit Kräutern und kalt gepresstem Distelöl.
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Allein zwischen 1999 und 2011 stieg der Umsatz mit Haustierfutter und -zubehör von 2,8 auf 3,8 Milliarden Euro.
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Für manches Haustier wird die Liebe zur Qual.
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Mit Beginn der Industrialisierung begann sich das Verhältnis zu ändern. Das wachsende Bürgertum machte es dem Adel nach und hielt sich Haustiere als Statussymbol.
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„In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die Beziehung zu den Haustieren stärker verändert als in den 200 Jahren davor, sie ist viel emotionaler geworden“
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Inzwischen seien Hund und Katze zu vollwertigen Familienmitgliedern geworden, oft dienten sie als Stütze für die Psyche.
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„Ich sehe oft, dass der Hund für den Menschen einen großen Zuwachs an Halt und Lebensfreude bedeutet.“
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8,2 Millionen Katzen und 5,4 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten, zudem 5,1 Millionen Kleinsäuger.
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„Ein Leben mit wenig Nähe zu Menschen ist für Hunde schwer erträglich“
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Sie wollen diese Person möglichst immer um sich haben – und leiden schnell unter Trennungsangst.
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Am schlimmsten ergeht es immer noch den Kleinsäugern. Hamster, Meerschweinchen oder Zwergkaninchen gelten als Kuscheltiere, als bessere Plüschtiere für Kinder. Doch dazu sind sie völlig ungeeignet. Wenn sie immer wieder gepackt und hochgehoben werden wie von einem Greifvogel, bewirkt das bei ihnen nichts als Angst und Stress.
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Lieber ein Tier, das unter unseren Sympathiebekundungen leidet, als eines, das nicht dem Schönheitsideal entspricht. Lieber ein Zwergkaninchen, das nur wegen eines schweren Gendefekts so niedlich ist, als eine Ratte. Unsere Verliebtheit in runde Kindchengesichter hat auch bei Hunden und Katzen zu problematischen Züchtungen geführt. „Tulpen in jeder Form und Farbe zu züchten ist ja okay. Aber deformierte Säugetiere zu züchten überschreitet die Grenzen der Ethik“
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„Die Leute wehren sich vehement gegen genveränderten Mais, aber bei den Tieren haben sie kein Problem damit, Gott zu spielen.“
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„Atemnot ist noch schwerer zu ertragen als Schmerzen“, sagt der Tierarzt. „Wer keine Luft kriegt, bekommt Todesangst.“ Wenn das Erbgut so verändert wird, dass die Tiere leiden, nennt man das Qualzucht.
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Tiere zu züchten, die aufgrund ihrer Konstitution leiden, widerspreche dem Tierschutzgesetz und müsse verboten werden
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Edelkatzen als Prestigeobjekt, Rassehunde als modisches Beiwerk – sobald es den Menschen wirtschaftlich besser geht, wächst das Bedürfnis nach solchen Accessoires. Gleichzeitig weckt der steigende Wohlstand die Liebe zum Tier: Wenn es mit im Haus lebt und zum Kuscheln dient, entsteht eine Beziehung.
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Hundehalter, die ihre Lieblinge in die verschiedensten Kurse schicken, tun damit nicht unbedingt Gutes. „Wenn der Hund zu dumm dafür ist und nicht die gewünschte Leistung bringt, kommt oft Stress auf“, hat Tierschutz-Experte Hackbarth festgestellt. „Die häufigste Form der Tierquälerei ist heute, dass wir unsere Tiere zu Tode lieben.“ Wir misshandeln sie nicht mehr, indem wir sie bewusst quälen. Stattdessen leiden sie unter unserer Zuneigung und egoistischen Liebe. Für manches Haustier wäre es das Beste, es könnte bleiben, was es ist: einfach nur ein Tier.«

09.01.2015 | von Ulrike Meyer-Timpe

alles lesen => http://www.zeit.de/2015/01/haustiere-hund-katze-zuneigung/komplettansicht

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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2 Antworten zu Einfach nur ein Tier?

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    Yepp! Danke

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  2. Christiane schreibt:

    Prima Artikel. Danke.

    Gefällt 2 Personen

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