Vom sinnvollen Gebrauch dieser (Netz-)Welt.

»Das Netz ist die Hölle der neuen Welt
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ist das Lesen dem Internetzeitalter nicht mehr gemäß?
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Die großen naturwissenschaftlichen Zeitschriften stellen fest, dass tatsächlich niemand mehr ihre Artikel liest.
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Das Wesen von Wissenschaft besteht nicht im Lösen von Problemen, sondern im Problematisieren selbst, jede gefundene Antwort wirft wieder neue Fragen auf.
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Viele Wissenschaftler stellen ihre Arbeiten deshalb gar nicht ins Netz, denn man wird nur ausgeschlachtet, ohne dass einem der andere hilft, ein Problem als prinzipiell unlösbares auszuhalten.
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das Manko des Internets: Ohne personale Bindung, ohne Konfrontation und en-face-Kommunikation lässt sich nicht beurteilen, auf welche Weise der andere einem gegenübertritt. Im Netz hat man es meistens nur mit einer Vernichtungskonkurrenz zu tun, doch unter diesen Bedingungen muss man sich das Veröffentlichen im Netz verkneifen.
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Heute gibt es keine Professoren mehr, die für etwas einstehen.
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Die Universität ist in eine Wissenschaftswirtschaft überführt worden und die Professoren werden zu Funktionären der Wissensindustrie.
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Damit fällt die Basis des wissenschaftlichen Forschens im alteuropäischen humanistischen Sinne weg, nämlich: die persönliche Haftung gegenüber den Kollegen, für die Bereitschaft mit ihnen gemeinsam am jeweiligen Problem, ohne Ausbeutung des anderen, zu arbeiten.
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Können Sie sich so eine Akademie online vorstellen oder schließt sich das aus? Das geht nur, wenn sich die Leute vorher kennen und sich regelmäßig treffen. Dann ist das Onlinegehen nur eine perspektivische Verkürzung der räumlichen Distanz, in der sie leben und der zeitlichen Distanz, in der sie arbeiten. Das ist in Ordnung, aber man braucht die personale Konfrontation, man muss sich wechselseitig ein Versprechen abgeben können.
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Empathie stellt einen evolutionären Standardmechanismus der Wirksamkeit von Beziehungen dar. Ohne dass der andere anwesend ist, lässt sich gar keine Empathie entwickeln. Es bleibt also bei dem evolutionären Grundprinzip, dass man in der Lage sein muss, abzuschätzen, in welcher Form sich der andere einem gegenüber verhält, in wie weit man ihm vertrauen kann. Und das ist niemals übers Netz möglich.
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Wir […] haben gesagt, dass das, was die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes waren, jetzt, als Weltlager, das Netz geworden ist.
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Und es ist extrem gefährlich geworden, dort überhaupt in die Akten zu kommen, auffindbar zu sein.
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Wir wissen, wie delikat der Datenmissbrauch ist, wie hoch die Erpressungsmöglichkeiten liegen, nicht nur von Kriminellen, sondern auch von den eigenen Regierungen und den eigenen Institutionen.
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Ein Netz ohne personale Beziehungen, ohne Verantwortung, ohne Verantwortungsbereitschaft, ohne Kontrolle der jeweiligen Geistesgegenwart kann man nicht sinnvoll nutzen.
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Warum setzen wir uns so gerne in die Kneipe, um mit anderen zu sprechen, oder auf Kongresse etc.? Weil das die Möglichkeit bietet, tatsächlich den Genuss des eigenen Lebens durch die Versicherung des Beistands aller anderen zu erhöhen. Und das fällt beim Netz weg, weswegen es wirklich ein Totenreich ist, ein Todesreich.
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Das weltweite Netz […] ist die von der Theologie verstoßene alte Konstruktion des Limbo.
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Und so ist es im ganzen Netz – es ist die Unterwelt der neuen Welt, es ist ihre Hölle.
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Das Niederfahren zur Hölle, das ist unsere Verpflichtung ins Netz einzusteigen, aber dann müssen wir wieder auffahren wie Christus, wie Dante, wie alle großen Geister, damit wir einen sinnvollen Gebrauch von dieser Welt machen können.«

02.05.2010 | von Bazon Brock, Kathleen Hildebrand

alles lesen => http://www.bazonbrock.de/werke/detail/?id=2952

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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