Die Opfer von Wirtschaft & Politik suchen auch noch nach einem positiven Verhältnis zu ihren Peinigern.

»Sie streiken für uns alle! Denn auf lange Sicht geht es um die Arbeitsrechte aller Lohnsklaven. Werden die Gewerkschaften in ihrer Macht beschnitten, dann schneiden sich die Lohnarbeiter selbst ins Fleisch
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Streiks sind der minimal notwendige Protest gegen die maximalen Zumutungen der Lohnarbeit. Die Gewerkschaften sind lediglich der kleine Rest der früheren Proteste gegen Lohnausbeutung jeder Art. Ohne Gewerkschaften hätten wir heute vielleicht keine 40-Stunden-, sondern eine 72-Stunden-Woche wie im Jahr 1871.
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Wir verdingen uns Woche für Woche, um den Profit von Unternehmen zu mehren. Bahnchef Rüdiger Grube verdiente 2012 rund 221.000 Euro monatlich; dafür muss ein Lokführer sechs Jahre lang schuften.
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„Für jeden Dollar, den der Boss hat, ohne dafür zu arbeiten, hat einer von uns gearbeitet, ohne einen Dollar dafür zu erhalten“
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Wirtschaft und Politik trichtern uns ständig die Mär von Wachstum, Wettbewerb und Standortsicherheit ein. Nur enger geschnallte Gürtel ermöglichten sichere Arbeitsplätze. All das sei: „alternativlos“. Mehr und mehr glauben die Lohnarbeiter diesen Mumpitz. Das ähnelt dem Stockholm-Syndrom, bei dem die Opfer von Geiselnahmen nach und nach ein positives Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen.
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Wir sollten froh sein, dass die Lohnarbeiter heutzutage überhaupt noch hier und da die Macht haben, ein paar Rädchen zum Stillstand zu bringen. Die Wut sollte sich nicht an der GDL entladen, sondern am Management der Deutschen Bahn und an der Bundesregierung.
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GDL, Post, Erziehungswesen – bei all diesen Arbeitskämpfen streiken Lohnsklaven für ihre Rechte!
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All das zeigt, weshalb Spartengewerkschaften wie die GDL so wichtig sind. Sie geben Contra, wo alle anderen Ja und Amen sagen. Die Bundesregierung und die BILD-Zeitung sind sich jedoch nicht zu schade, als Sprachrohr für diese Interessen des Kapitals zu agitieren.
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Auch eine andere Suppe will die Bahn nicht auslöffeln, die sie selbst, in Zusammenarbeit mit der EVG, zusammengebraut hat: Die Berufsgruppe der Lokrangierführer, die im Gleisvorfeld agieren, wurde eigens per Tarifvertrag geschaffen und somit von den Lokführern entkoppelt, um ihnen schlechtere Löhne zahlen zu können. Sprich, die Bahn hat die Tarifeinheit selbst zerschlagen. Die GDL möchte die rund 3.100 Lokrangierführer in den Tarifvertrag der rund 20.000 Lokführer mit aufnehmen, ebenso die etwa 8.800 Zugbegleiter und 2.500 Beschäftigten in den Speisewagen. Deshalb ist auch der Vorwurf unhaltbar, dass die Spartengewerkschaft wie die GDL rein egoistisch nur für eine einzige Berufsgruppe eintreten würde.
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Denn die Deutsche Bahn hatte keinerlei Skrupel, neue Lokführer für 7,50 Euro Stundenlohn einzustellen. Das war 2007. Verantwortlich für die Lokführer, die als „Mitarbeiter mit eisenbahnspezifischer Ausrichtung“ um ihren Lohn geprellt werden sollten, war die Gewerkschaft Transnet, aus der 2010 die EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) hervorging. Transnet und EVG vertraten schon oft die Interessen des DB-Konzerns, zum Beispiel beim geplanten Ausbau der Leiharbeit. Während viele Transnet-Betriebsräte Löhne erhielten, die bis zu 80 Prozent über dem Tarifniveau lagen, setzte sich Transnet vehement für die Privatisierung der Bahn ein.
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Insofern verwundert es nicht, dass die Deutsche Bahn (und nicht die GDL) die Streiks eskalieren lässt. Andernfalls hätte der DB-Konzern nicht schon 200 Millionen Euro während der Streiks verbraten, mit denen man die Forderungen der GDL locker auf Jahre hinweg hätte finanzieren können. Die Bahn will Stimmung machen für das Tarifeinheitsgesetz, um künftig ihre Lohnarbeiter in Schach halten und besser ausquetschen zu können.
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Ziel des Tarifeinheitsgesetzes ist es […] kleine Gewerkschaften – meist die kämpferischsten – mundtot zu machen und damit die Tarifautonomie auszuhöhlen.
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Streiks sind der minimal notwendige Protest gegen die maximalen Zumutungen der Lohnarbeit
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Die GDL streikt für uns alle!«

05.05.2015 | von Patrick Spät

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Über Red Skies Over Paradise

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