»Wir werden bedroht«

»Die Anfeindungen gegen sie haben jedes Maß verloren, bei nicht wenigen gehen sogar regelmäßig Morddrohungen ein – von Wutbürgern und Neonazis, von Windkraft-Feinden und Asyl-Gegnern.
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Neonazis haben dazu aufgerufen, vor meinem Wohnhaus zu demonstrieren. Sie haben auch meinen Sohn attackiert, was das Schlimmste ist für einen Vater
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Neuerdings machen sich die Absender von Hassmails an mich nicht einmal mehr die Mühe, ihre Identität zu verschleiern
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Wenn der Tag der Abrechnung kommt, werde ich dabei sein, wenn du menschlicher Abfall verbrannt wirst, lebendig im Feuer
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Ich achte zum Beispiel darauf, dass nirgends mehr meine Privatadresse auftaucht.
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So wie Kampfdrohnen beim Töten enthemmen, enthemmt das Internet die Kommunikation.
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Wenn ich am Abend in die Stadt will, muss ich von Freunden abgeholt und später wieder nach Hause gebracht werden. Auch meine Familie und meine Mitarbeitenden wurden eingeschüchtert. Die Bedrohung dominiert unseren Alltag. Sie nagt an mir, sie nagt an uns.
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Nehmen Sie Drohungen ernst, bringen Sie sie zur Anzeige, aber lassen Sie sich niemals von Ihrer Arbeit abbringen!
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Ein rechtes Blog veröffentlichte einen hetzerischen Artikel über mich, inklusive meiner Mailadresse. Ich wurde quasi zum Abschuss freigegeben. Kurz danach gingen Hunderte zum Teil widerliche Mails bei mir ein, mit islamfeindlichen und rassistischen Texten, auch mit üblen sexuellen Anspielungen. Ein Absender setzte mich auf seine ‚Todesliste‘.
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Du stehst mit Foto und Adresse auf unserer Liste – du bekommst Besuch.
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Du bekommst die Schnauze poliert! Wir kriegen dich, du linke Ratte!
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‚Vater, du kannst dir das nicht vorstellen.‘ Unser Wohnhaus war über Nacht beschmiert worden, mit verunglimpfenden Worten, ‚Faschist‘ zum Beispiel, und Symbolen: Hammer und Sichel, eine stilisierte Faust.
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Und das Schlimme daran ist, dass eine Verrohung der Sprache auch eine Verrohung der Taten zur Folge hat.
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„Kurz vor Weihnachten erhielt ich einen Drohbrief, der eine Entführungs- und Tötungsdrohung gegen meine beiden kleinen Töchter enthielt: Militante Windkraftgegner forderten, ich sollte den Windkraftausbau unterlassen.
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Mir wurde angedroht, mich bald so zuzurichten wie die Opfer des Bombenangriffs auf Nürnberg.
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Man wolle mich aufhängen, mich wegsprengen, so etwas steht in den Mails. Immer wieder gibt es Anschläge auf meine Büros, Scheiben werden eingeschlagen, Türen beschmiert.
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Früher konnte man noch bei allen massiven Beleidigungen Strafanzeige stellen. Das schafft man gar nicht mehr, dafür sind es zu viele geworden. Man kommt mit dem Löschen und Sperren kaum nach.
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Ein Baum, ein Strick, Trümper
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Da stürmten eines Tages drei Personen das Büro. Es gab ein Handgemenge in der Tür. Mein Mitarbeiter schaffte es irgendwie, die Leute wieder rauszudrängen, die Tür zu schließen. Die Angreifer traten die Tür ein, zeigten den Hitler-Gruß. Ich begann, Fotos zu machen, das vertrieb die Angreifer. Aber die Angst blieb. Und das war nur eine von 17 Attacken seit 2011.
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Ich wurde auf eine Art und Weise verunglimpft und bedroht, die ich mir niemals hätte ausmalen können. Ich bekam ungefähr 30 schlimmste Beleidigungen und Morddrohungen, viele im NS-Jargon. In Legida-Foren wurde meine private Adresse veröffentlicht und zu einer Demo vor meinem Haus aufgerufen.
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Legida und Pegida haben die Leute enthemmt, nun werden Dinge ausgesprochen, die man sich früher nicht mal am Stammtisch getraut hätte auszusprechen. Dieser Hass ist organisiert, er folgt einer Strategie: Die Rechtsextremen versuchen ganz gezielt, Angst zu säen.
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Es wird höchste Zeit, dass wir dir dein krankes Gehirn aus dem Kopf ballern! Wir kriegen dich noch! Und deine Antifa-Bande wird in der eigenen Pisse ersäuft!«

28.05.2015 & 11.06.2015 | von Anne Hähnig, Julius Lukas, Martin Machowecz, Stefan Schirmer und Patrik Schwarz

alles lesen => http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-05/bedrohte-politiker/komplettansicht & http://www.zeit.de/2015/22/hass-politiker-bedrohung/komplettansicht

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Eine Antwort zu »Wir werden bedroht«

  1. Christiane schreibt:

    Da kann ich nicht „Gefällt mir“ klicken.

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