»Kollateralferkel«

»Arbeiter gingen durch die Stallabteile, entnahmen Ferkel und schlugen sie gegen die Wand, manchmal mehrmals, bis nichts mehr zappelte. Die Aufnahmen stammten aus verschiedenen Bundesländern und Betrieben, das Ferkel-Erschlagen war (und ist) offenbar eine verbreitete Praxis.
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Manche hochgezüchteten Sauen bekommen sogar mehr Ferkel, als sie Zitzen haben, dabei braucht bei Schweinen jedes Jungtier seine eigene Zitze. So kommt es also, dass die schwächsten leer ausgehen.
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Die etwa 10 Prozent Ferkel, die in den ersten Lebenswochen sterben oder gegen die Wand geschlagen, hoppla, euthanasiert werden, sind nur kleine Nummern im Geschäftsbuch. Verschleißteile sozusagen, Kollateralferkel.
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CO2 wirke nicht sedierend, schreibt er, so dass die Ferkel „zunächst Atemnot und Erstickungsanfälle erleiden. Diese sogenannten aversiven Reaktionen (Lautäußerungen, Drängen nach oben, Fluchtversuche) dauern tierindividuell unterschiedlich lange zwischen 10 und 90 Sekunden“.
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Ungefähr die Hälfte der Schweine im Schlachthof wird ebenfalls mit CO2 betäubt. Vor dem eigentlichen Schlachtvorgang werden die Schweine in einen Schacht mit Kohlendioxid hinuntergelassen; dabei schreien viele Schweine und springen wie verrückt gegen die Wände des Behältnisses.
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Betäubung, das klingt so sanft und schonend. Aber das ist kein sorgloses Wegdösen, kein in-den-Tod-gestreichelt-Werden, sondern – ob per CO2-Methode, Bolzenschuss, Elektrobad oder Elektrozange – eben nur eine andere Form von den-Kopf-zerschmettert-Kriegen, Elektroschock oder Erstickungskampf. Sollte man statt „betäubt“ also nicht ehrlicher sagen, die Tiere werden schon mal „vorgeschlachtet“ oder „angetötet“?
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Steht am Ende also doch wieder die „Methode“ Stallwand? Sie ist schnell und kostengünstig.
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Ein früher Schlag ins Genick ist fast noch das Beste, was einem zur Mast verdammten Tier passieren kann.
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Wieder hatte sein Team in einer Ferkelzucht gefilmt, und dieses Mal hatten sie mitansehen müssen, wie ein kleines Ferkel in dem Spaltenboden feststeckte. Die Sau war rundherum so von Metallstäben fixiert, dass sie sich nicht einmal um die eigene Achse drehen konnte. Es blieb ihr also nicht anderes übrig, als sich auf dieses Ferkel zu legen und es zu zerquetschen, um die anderen säugen zu können. Mein Freund hatte den beiden nicht helfen können, ihn verfolgten Schuldgefühle und Mit-Leid.
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Was die Massentierhaltung dem sogenannten Nutzvieh antut, ist unerträglich und beschämend. Aber wir verdrängen das lieber.
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Freies Fleisch für freie Bürger!
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Echte Männer grillen echte Tote.«

14.09.2015 | von Hilal Sezgin

alles lesen => http://www.zeit.de/kultur/2015-09/massentierhaltung-tierschutz-10nach8/komplettansicht

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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