Eine verantwortungslose Gesellschaft.

»Sechs friedliche Jahrzehnte haben dafür gesorgt, daß die Bürger die Grundrechte nicht mehr als schützenswertes Allgemeingut, sondern als eine Sammlung von Privatansprüchen auf persönliche Bedürfnisbefriedigung mißverstehen. Jeder, der sich vom Leben ungerecht behandelt fühlt, besinnt sich auf seine „Grundrechte“ wie auf einen Forderungskatalog, den Millionen nörgelnder Einzelkinder ihrem „Vater Staat“ entgegenhalten.

In Wahrheit sind die Grundrechte ihrer Konzeption nach keineswegs  Gutscheine auf persönliche Fürsorge, sondern ein Abwehrschirm gegen staatliche Eingriffe. Die individuelle Freiheit wird nicht geschützt, um dem Bürger X oder Y einen Gefallen zu tun.

Die Grundrechte sind Ordnungsprinzipien, die eine Gesellschaft so organisieren, daß sich sich in demokratischen Verfahren durch ihre Repräsentanten selbst regieren kann.

Es ist ein Irrtum, wenn der Einzelne glaubt, mit den Entscheidungen in Brüssel, Washington, London oder Berlin habe er nichts zu tun, solange immer nur von „Terroristen“ die Rede ist.

Wer sich nur dann an seine Grundrechte erinnert, wenn er sich persönlich geschädigt fühlt, hat entweder nicht verstanden, worum es geht, oder zeigt sich schlicht verantwortungslos.«

17.08.2009 | von Juli Zeh, Ilja Trojanow: Angriff auf die Freiheit, Zweites Kapitel: Der lange Weg zum Grundrecht

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