Die Verhältnismäßigkeit der Aufmerksamkeit.

»„Für alle, die in der Nähe von Tierreservaten leben, ist es eine Frage von Leben und Tod, wenn sie einem Raubtier begegnen“, sagt Busi Ndlovu, „sie empfinden sicherlich keine Liebe.“
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Die Aufmerksamkeit, die einem weithin unbekannten Tier zuteil wurde, haben die Simbabwer weithin als töricht aufgefasst. Die Medien hätten all die Kraft, die sie in dieses Thema investiert haben, auch in die Darstellung der Zusammenhänge stecken können, die für das Leid der Bevölkerung verantwortlich sind.
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während in Simbabwe jeden Tag Menschen sterben, weil die medizinische Versorgung nicht funktioniert. Während politische Aktivisten spurlos verschwinden. Während das Land von China kolonialisiert wird und die „Zanurisierung“ unaufhörlich voranschreitet: Der Begriff beschreibt, wie dem ganzen Land der Glaube aufgezwungen wird, dass Mugabes Partei Zanu der einzige Ausweg aus ihrem Leid ist.
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Jetzt wissen wir, dass diese Leute, die mehr als genug besitzen, Mitleid eher für ein Tier empfinden, das gezüchtet wurde, um irgendwann getötet zu werden, als für ein hungerndes Kind in irgendeiner abgelegenen Region dieser Welt.
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Wenn Cecil essbar gewesen wäre, hatte man ihn längst zur allgemeinen Freude der Simbabwer serviert. Die ständig steigenden Fleischpreise hätten uns keine Wahl gelassen.
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Sie hatten schlichtweg über Wichtigeres zu schreiben, zum Beispiel über die Straßenhändler, die kürzlich aus dem wichtigsten Geschäftsviertel der Hauptstadt Harare vertrieben worden sind. Oder die Angestellten, die gerade vom Supreme Court bitter enttäuscht wurden: Die Richter haben es den Unternehmen erlaubt, Arbeitsverträge mit einer nur dreimonatigen Frist zu kündigen. Seitdem häufen sich die Berichte über Entlassungswellen.
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dass ein Wort wie „Held“, das die internationalen Medien jetzt schnell zur Hand hatten, in Bezug auf einen Menschen in Simbabwe noch nie benutzt wurde. Dabei hätten wir es wirklich gern vor vier Monaten gelesen, als der Menschenrechtsaktivist Itai Dzamara mutmaßlich von der Regierung entführt wurde.

Für Menschen wie Dzamara hatten die Medien keine großen Worte übrig, obwohl er tatsächlich ein Held war: Er ist gegen Mugabe aufgestanden und wurde dafür möglicherweise ermordet. Seit Monaten haben wir nichts von ihm gehört.
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Mit der Frage, wie mit dem Löwen umgegangen wurde, habe sich die Welt stärker auseinander gesetzt, als mit der Frage, wie die Menschen hier behandelt werden.«

07.08.2015 | von Joseph Maramba

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