Trüb, ja trüb war die Stimmung, auch die Imagination und trüb war sie, die Sicht.

<< | < | Minden, Samstag, der 20.12.2025, 14:23 Uhr. | Seit 9 Tagen war er nun bereits schon unterwegs und gerade an der Porta Westfalica angekommen. Durchbruchstal. Welch ein hoffnungsvolles Wort für seinen noch langen Weg. Unterwegs zu Fuß Richtung Norden, Deutschland verlassen wollend.

Er schaffte es lediglich 6 Stunden täglich vorwärts zu gehen. Die restliche Zeit verbrachte er damit, Essen und einen Schlafplatz zu suchen und seinen Körper von der ungewohnten Anstrengung auszuruhen.

Er kam sich vor wie ein Eichhörnchen: mühsam ernährt es sich. Die ersten zwei, drei Tage konnte er noch Teile seiner Habseligkeiten gegen Essen tauschen. Es waren scheinbar alle unterwegs.

Unterwegs irgendwohin.

Er sprach, entgegen seiner Gewohnheit, all die vielen – für ihn – Fremden an. Diese Menschen waren unglücklich und niedergeschlagen. Ihnen ging es psychisch und vermehrt auch physisch schlecht und sie waren negativ eingestellt: ihrer Zukunft und ihrer Lebenserwartung gegenüber. Kaum einer hatte ein bestimmtes Ziel.

Nicht so, wie er. Er hatte seines immer vor Augen; seinem geistigen Auge. Auch wenn die Idee von Inari nur noch schwach leuchtete. Er musste sich jetzt zunächst aufs Überleben konzentrieren.

Die Supermärkte am Wegesrand waren bereits bis aufs Letzte geplündert; das ging flott. Zur Nahrungs- und Schlafplatzsuche drang er in fremde Häuser und Lauben ein. Bislang gelang es ihm, immer genügend Wegzehrung zu klauben und eine ruhig gelegene Schlummerstätte zu finden.

Allmählich musste er sich aber mit dem Gedanken anfreunden, seine Nahrung im Wald zu suchen. In einem bisher unentdeckt gebliebenen kleinen Sportgeschäft hatte er sich vor Tagen ein kleines Ein-Mann-Zelt „besorgt“.

Nur die Jahreszeit bereitete ihm ernsthaft Sorgen: wird er genügend Nahrung finden und einigermaßen warm schlafen können?

In der nächsten Stadt musste er unbedingt ein Optiker-Geschäft finden und sich mit weiteren Lesebrillen seiner ungefähren Sehschärfe ausstatten. Seine Lesebrille war mittlerweile stark undurchsichtig vom vielen Darüberreiben; es hatte oft geregnet. Ohne Lesebrille wäre er aufgeschmissen und würde vieles nicht mehr sehen oder lesen können.

Er dachte an Weihnachten. In vier Tagen vor ca. 2025 Jahren waren auch alle unterwegs und Zeitzeugen einer wundersamen Geburt.

Wer wird an diesem 24.12.2025 das Licht der Welt erblicken? Und welches Schicksal wird ihm oder ihr zugedacht sein? | >

12.04.2016 | von Red Skies Over Paradise

Inspiration: http://neonwilderness.net/2016/04/06/das-vierte-wort-2016-txt/

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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2 Antworten zu Trüb, ja trüb war die Stimmung, auch die Imagination und trüb war sie, die Sicht.

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