„Saubere Information ist konstitutiv für unsere demokratische Verfassung“

»… Zwei ehemalige NDR-Mitarbeiter zu ihren Programmbeschwerden bei den Öffentlich-Rechtlichen, die Partei ergreifen und Objektivität hintanstellen
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Als die Tagesschau erstmals über den Maidan berichtete, war ich schockiert über die einseitigen Darstellungen.
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Ein Verzicht auf die verfälschende und betont russophobe Tendenz blieb aus.
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Vollkommen unkritisch übernahm die Tagesschau die Sprachregelung aus Berlin
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Ich habe gegen eine über viele Tage hinweg fortgesetzte Falschberichterstattung protestiert
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Gniffke leugnete einfach, dass die Tagesschau entgegen ihres Programmauftrags berichtet hatte.
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Seit Mitte der 1980er lieferten Nachrichtensendungen zusehends mehr Infotainment
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wurde Edmund Gruber Chefredakteur, ein CSU-Parteimann. Von da an folgte eine innerredaktionelle Schräglage der anderen
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Der Kommerzfunk wurde zugelassen. Von da an ging es nicht mehr um höchste Qualität nach fachlichen Maßstäben, sondern um Marktanteile, um Quoten.
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Und die Nachrichtensendungen lieferten zusehends mehr Infotainment – also eher Show als Information.
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Wer die Erwartungen der Auftraggeber kritiklos und ohne Murren erfüllt, hat die besseren Chancen auf Vertragsfortsetzung.
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Was und wie andere berichten, ist auch für uns das Maß der Dinge
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Informationen werden kaum geprüft und oft nur durchgereicht, das PR-Interesse der Informanten schlicht ignoriert
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Gegenüber der Politik ist man in aller Regel handzahm und unkritisch, die außenpolitische Berichterstattung orientiert sich ausschließlich an den Bekundungen und Bedürfnissen der „westlichen Wertegemeinschaft“. Events und Unglücksmeldungen bekommen unangemessen hohe Programmbedeutung, die gesellschaftliche Relevanz bleibt unbeachtet.
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Eurozentristisch mit einem starken Hang zu US-liebedienerischer Darstellung, regierungsfromm mit Blick auf Berlin, antirussisch und antichinesisch, ignorant gegenüber geopolitischen Entwicklungen, unvollständig und tendenziös in ihren Bildern aus Lateinamerika, noch defizitärer hinsichtlich aller Afrika betreffenden Nachrichten, agitatorisch, propagandistisch und desinformativ.
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Aber dem Publikum wird der Eindruck vermittelt, fast alle Völker der Welt seien gemeint.
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Die barbarische Rolle des Internationalen Währungsfonds wird in der asiatischen Welt nicht gewollt, die noch alles beherrschende Funktion des Petrodollars von den BRICS-Staaten angegriffen, der vorgebliche Kampf um Menschenrechte und Demokratie wird in der arabischen Welt, der afrikanischen, der lateinamerikanischen Welt als gewaltsamer Eingriff ins Selbstbestimmungsrecht und als Raubzug um Ressourcen erkannt.
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Denken Sie doch nur an das jahrelange Putin-Bashing, das war eine gemeinsame Veranstaltung aller deutschen Mainstream-Medien, ohne Sinn, Verstand und Niveau.
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Oder der German-Wings-Selbstmord: Jede Einzelheit wurde in grässlichem Boulevard-Stil serviert, aber die wesentliche Frage, warum die ärztlichen Vorsorgemaßnahmen versagten, bleibt weitgehend ausgeblendet.
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„Diese unterschiedliche Sprachregelung (im Vergleich zum ‚Handelsblatt‘) legt die Vermutung nahe, dass der ‚öffentlich-rechtliche Rundfunk‘ vertuschen möchte, dass der West-Vorzeige -Demokrat Poroschenko mit schweigender Billigung durch die Bundesregierung Nazi-Truppen an der ‚Befreiung der Ostukraine‘ teilnehmen lässt… Ist das vereinbar mit den offiziellen deutschen Bekundungen (…), man stünde entschlossen gegen alles Rechtsradikale?“
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Vergleicht man die breite öffentliche Aufregung um die rechtsorientierte AfD mit der geradezu pfleglichen Einschätzung der ukrainischen Faschisten, ist man nur noch angewidert über die Heuchelei von Politikern und Medien.
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Wenn ich aus der Tagesschau in einer Syrien-Nachricht „gemäßigte Rebellen“ hörte, hätte ich jedes Mal am liebsten nach Hamburg gebrüllt, die Redaktion solle doch mal ein Interview mit einer vergewaltigten, verstümmelten Frau und mit gefolterten Kindern machen oder gleich ein paar abgeschnittene Köpfe fragen, ob ihnen der moderate Rebellenstil nicht auch aufgefallen sei. Was für einen schändlichen Kurs hier das „Flaggschiff der ARD“ fährt, die Redaktion von Tagesschau, Tagesthemen &Co!
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dass ARD-aktuell seine Informationen hauptsächlich aus drei Quellen bezieht: den Nachrichtenagenturen dpa/AP, Reuters und AFP: Eine deutsche, eine US-amerikanische, eine britische und eine französische. Sie konkurrieren miteinander um Geschwindigkeit bei der Nachrichtenübermittlung, aber nicht unbedingt um höhere Qualität, häufig bilden sie Pools oder schreiben voneinander ab.
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Wer möglichst schnell „auf dem Markt“ sein will, kann keinen Zeitaufwand für geschliffene saubere Sprache treiben.
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Ruhe, sich gründlich Gedanken über das Nachrichtenangebot zu machen, ins Archiv zu steigen, in die Bibliothek, nachzulesen, Telefonanrufe zu machen und Fachleute zu befragen, ordentlich zu recherchieren, die hat der Redakteur nicht.
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Die Tagesschau war mal eine Konditorei. Jetzt ist sie eine Semmelfabrik.
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Man kann keinesfalls einfach behaupten, Russland habe die Krim annektiert. Die Tagesschau hat nicht unter Berücksichtigung all dieser Aspekte neutral berichtet. Sie hat die Berliner Diktion übernommen und Putin zum Dämon stilisiert.
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Damit Konsequenzen daraus gezogen werden, dass saubere Information konstitutiv ist für unsere demokratische Verfassung. Niemand kann eine vernünftige Meinung, ein stimmiges Weltbild, ein brauchbares Urteil entwickeln, wenn er nicht über seriöse und zutreffende Informationen verfügt. Viele aktuelle Fehlentwicklungen in unserer Politik und Gesellschaft sind auf unzulängliche und falsche Information zurückzuführen. Unser Informationswesen müsste von allen Einflüssen befreit werden, die sich negativ auf die Qualität der Nachrichten auswirken.
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Es wäre darüber zu nachzudenken, welchen politischen Folgen es hat und welche Weltbilder sich das deutsche Publikum macht, wenn Multimilliardäre wie Friede Springer oder Liz Mohn TV-Nachrichtenkanäle in ihrem Privatbesitz halten. Medienmogule, die mit ihrer „Freundin“, der Bundeskanzlerin, in engem Kontakt stehen.«

Marcus Klöckner, Friedhelm Klinkhammer, Volker Bräutigam | Telepolis | 03.04.2016 | „Bleiben Sie ARD-aktuell gewogen“ | http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/47/47821/1.html

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Über Red Skies Over Paradise

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