Lasst uns bis zur Fröhlichkeit gelassen werden.

»… Als Vorteilsmaximierer hätte der Mensch schon die Härten der Natur nie überlebt. Nur als kooperative Spezies schaffte er es, seine natürlichen Ausstattungsmängel zu kompensieren. Es macht dem Menschen (normalerweise) mehr Spaß zu helfen als zu schaden. Glück jedenfalls ist kein Kind des Egoismus. Egoismus erzeugt eher Traurigkeit bis zur Depression als Gelassenheit bis zur Fröhlichkeit.
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Beim Geldabholen stehen sie in Brüssel Schlange, beim Helfen sind sie nicht zu sehen.
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Wer unfähig ist, 160000 Flüchtlinge solidarisch zu verteilen, während Deutschland über eine Million aufnimmt, muss politische Insolvenz anmelden.
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Während Tausende von Flüchtlingen in Gefahr sind, im Mittelmeer zu ersaufen, verhandeln 28 Regierungschefs zwei Tage und Nächte, ob den Flüchtlingen, die es bis Großbritannien geschafft haben, die Sozialleistungen vier oder elf Monate lang gekürzt werden können.
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Je mehr Vergemeinschaftung, umso weniger nationale Souveränität.
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Sozialisten und Konservative unterscheiden sich nicht durch nationale Herkunft, sondern durch politische Ziele.
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Solange die nationale Herkunft auch in den Fraktionen des Europaparlaments eine größere Rolle spielt als europäische Fragestellungen, ist dieses Parlament mehr eine Clearingstelle von nationalen Interessen als ein demokratisches Entscheidungsorgan Europas.
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Unter dem Vorzeichen der gemeinsamen europäischen Zukunft ist den Deutschen nicht egal, was in Polen passiert, und umgekehrt den Polen nicht, was in Deutschland passiert. Deshalb mischen sich auch die Polen zu Recht ein in deutsche Vertriebenenpolitik und Deutsche in die polnische Diskussion um Pressefreiheit.
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Vielleicht muss sich Europa von jenen Mitgliedern trennen, die es nur als Anlaufstelle für ihre nationalen Geschäfte nutzen wollen.
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Dieses Mal ist Verweigerung der Solidarität in der Flüchtlingsfrage die Absturzgefahr für die Einigung Europas. Damals wie heute geht es nicht um eine Detailfrage, sondern um die Herzensfrage Europas.
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eine Schicksalsgemeinschaft, die auch im Notfall zusammensteht, oder eine Versicherungsgesellschaft zum wechselseitigen Nutzen ihrer Mitglieder?
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Anders als die europäische Verteidigungsfrage entscheidet die Antwort auf die Flüchtlingsfrage, ob es weitergeht mit Europa oder dieses historische Projekt schon nach siebzig Jahren beendet wird.
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Europa hat nur die Alternative: Einigung oder Auflösung.
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Das Imperium Romanum war am Ende, als die Römer nicht mehr die res publica als eine öffentliche Verpflichtung ansahen, sondern es sich in ihrem privaten Luxus bequem machten. Europa ist am Ende, wenn es nicht seine öffentlichen Angelegenheiten als Gemeinpflicht anerkennt. Eine politische Gemeinschaft, deren Mitglieder nicht mehr über den Tellerrand ihrer Vorteilsmaximierung hinausdenken, ist dem Untergang geweiht.

Wenn die europäischen Staaten sich von der Bindung an die europäische Integration losreißen, werden sie zurückfallen in alte nationalstaatliche Bedrängnisse, wo jeder Staat jeden belauert und jeder jeden übertreffen will. Die Grenzen werden wieder kontrolliert werden, und an ihnen wird die Freizügigkeit enden. Der Euro wird verschwinden. …«

Norbert Blüm | Telepolis, Buch: „Aufschrei. Wider die erbarmungslose Geldgesellschaft“ | 17.03.2016 | Wider die erbarmungslose Geldgesellschaft | http://www.heise.de/tp/artikel/47/47705/1.html

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