Mit meinem irren Lieben sich selbst und andre elend macht.

»O du, vor dem die Stürme schweigen,
vor dem das Meer versinkt in Ruh’,
dies wilde Herz nimm hin zu eigen
und führ’ es deinem Frieden zu.
Dies Herz, das, ewig umgetrieben,
entlodert, allzu rasch entfacht
und, ach, mit seinem irren Lieben
sich selbst und andre elend macht.

Entreiß es, Herr, dem Sturm der Sinne,
der Wünsche treulos schwankem Spiel;
dem dunkeln Drange seiner Minne,
gib ihm ein unvergänglich Ziel!
Auf dass es, los vom Augenblicke,
von Zweifel, Angst und Reue frei,
sich einmal voll und ganz erquicke
und endlich, endlich stille sei.«

Emanuel von Geibel (1815 – 1884) , “O du, vor dem die Stürme schweigen”, aus Neue Gedichte, in 1. Vermischte Gedichte. Erstes Buch. Lübeck und Carolath

Advertisements