Ferdinand Levy

»Ferdinand Levy wurde am 10.10.1886 in Anhausen (Kreis Neuwied) geboren. Seine Mutter Rosetta, geb. Grünwald, starb bei seiner Geburt; sein Vater Wilhelm heiratete erneut und hatte mit seiner zweiten Frau Johanna vier Kinder: Rosa, Lina, Selma und Henny.

Im Jahr 1920 heiratete Ferdinand Levy vor dem Standesamt in Waldbreitbach (Kreis Neuwied) Rosa Levy, geb. Levy […]. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Liselotte und Margot, und einen Sohn, Leo. Ferdinand Levy arbeitete als Metzgermeister und lebte mit seiner Familie in Neuwied in der Engerser Straße 12 (heute: Engerser Straße 2). Im 1. Weltkrieg erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse […].

Er wurde am Morgen nach der Pogromnacht 1938 schwer misshandelt und zusammengeschlagen. Sein 14 Jahre alter Sohn Leo, der seinen Vater verteidigen wollte, wurde ebenfalls geschlagen. Die Eltern und die drei Kinder wurden im Koblenzer Gefängnis in „Schutzhaft“ genommen; die Kinder und ihre Mutter am nächsten Tag wieder entlassen.

Über das Todesdatum von Ferdinand Levy bestehen widersprüchliche Angaben. Der frühere Vorsitzende des DIF, Robert Collet, ging auf Grund von Angaben von Zeitzeugen von dem Todesdatum 12.11.1939 aus. Dieses Datum findet sich daher auch auf dem Grabstein des Jüdischen Friedhofs in Niederbieber.

Laut einer Akte über die Ereignisse während und nach der Pogromnacht wurde Ferdinand Levy jedoch am 10.11.1938 in Neuwied in „Schutzhaft“ genommen und am 14.11.1938 entlassen.

Die älteste Tochter Liselotte gibt in ihren Erinnerungen an, ihr Vater sei im Neuwieder Gefängnis gewesen, von dort entlassen und ins (Elisabeth-) Krankenhaus Neuwied eingeliefert worden, wo er am 1.12.1938 verstorben sei. Im Sterbebuch des Standesamts Neuwied wird ebenfalls der 1.12.1938 als Todesdatum angegeben […]. Als Todesursache wird im Totenschein, ausgestellt von Dr. Grzembke, „Koma diabeticum“ bescheinigt.[…]

Einige weitere Dokumente aus der NS-Zeit über Ferdinand, Rosa und Leo Levy sind als authentische Zeitzeugnisse erhalten geblieben. […]

Liselotte Levy-Weil, Tochter von Ferdinand und Rosa Levy, erzählt, ihr Vater sei ein sehr unabhängig denkender Mann gewesen. Er habe sich oft mit Kriegsteilnehmern – Juden und Nichtjuden – getroffen. Er habe auch an Treffen von Kommunisten teilgenommen, ohne selbst Kommunist zu sein. Liselotte vermutet, dass dies einer der Gründe für die Misshandlung ihres Vaters am Morgen der Reichspogromnacht war. Schon am 17. Juni 1938 bat Ferdinand Levy einen Cousin in Eunice / USA, für ihn und seine Familie zu bürgen, offensichtlich ohne Erfolg. Anfang des Jahres 1939 nahm diese Familie Liselotte und Leo bei sich auf. Leo Levy-Lamson wurde amerikanischer Soldat. Als Mitglied der 7. US-Armee befreite er Frankfurt und besuchte kurz seine Heimatstadt.

Lieselotte Levy-Weil stand Plater Robinson (USA) zu einem ausführlichen Interview zur Verfügung […].

[…]

Im Leo Baeck Institute Center for Jewish History ist eine Zusammenfassung von Gesprächen mit Liselotte Levy-Weil hinterlegt, die zwischen 1997 und 2001 mit ihr geführt worden sind. Darin gibt sie Zeugnis über die Geschichte ihrer Familie auf dem geschichtlichen Hintergrund der damaligen nationalsozialistischen Terrorherrschaft.

[…]

Leo Lamson, ehemals Levy, (USA) schrieb 1997: „Die Sache ist: Ich wurde geboren, um in Neuwied zu leben, um am Sonntagnachmittag ein Fußballspiel auf dem Jahnplatz zu sehen, Quellkartoffeln und Hering zu essen, mindestens einmal die Woche am Rhein spazieren zu gehen. Stolz ein Neuwieder zu sein. Anders hatte ich mir als kleiner Junge die Welt nie vorgestellt. Das ist mir alles geraubt worden. Plötzlich allein in Amerika: mit schrecklichem Heimweh – und nicht mal richtig willkommen. (…) Nach dem 10. November (1938) war alles in Deutschland feindlich – man war kein Mensch mehr. Das ist zu viel, um es in einer Lebenszeit zu vergessen.“ (Rhein-Zeitung v. 25.4.1997).

Henny, Ferdinands Halbschwester, heiratete 1925 Julius Mattes, einen Schneider aus Neuwied. Sie flohen 1936 mit drei Kindern nach Südafrika und besuchten Neuwied 1980 (Regnery S. 439 f.)

Die Rhein-Zeitung Neuwied berichtete am 25.4.1997 unter der Überschrift „Die Zeit hat längst noch nicht alle Wunden geheilt“ über den nachdrücklichen Einsatz des ehemaligen Vorsitzenden des DIF-Neuwied, Robert Collet, für die Erinnerung an die aus Neuwied stammenden Opfer des Holocaust. In diesem Artikel findet auch das Schicksal von Rosa und Ferdinand Levy Erwähnung. Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung Neuwied können sie den Artikel […] lesen.«

»[…] Schuld die auch wir hätten begehen können […]«

Quelle, Abbildungen, Interview, Memoiren, Artikel der Rhein-Zeitung => http://stolpersteine-neuwied.de/index.php?option=com_content&view=article&id=118:levy-ferdinand&catid=8&Itemid=119 {abgerufen am 2016-05-19-21-11-07}

Vergessen ist der Ausgangspunkt von Wiederholung.

Unless the world learns the lesson these cruel fates teach, night will fall.

Stein118[1]

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