»Ich bin trotz allem lieber ein Gefühlsmensch als ein Arschloch mit einem Herzen aus Eis.«

»Wer erkennt, was andere fühlen, hat es manchmal schwer. Und wer sogar fühlt, was andere fühlen, ist in der Hölle. Ein Statement gegen zu viel Empathie.
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Der Haken an der Sache ist, dass ich die Emotionen anderer nicht nur nachvollziehe und mitfühle, sondern hart mitleide.
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Es fällt mir schwer, mich emotional abzugrenzen und ich schleppe fremde Gefühle wie eine Fußkette mit. Ich bin dann schlecht gelaunt, mir ist übel, manchmal werde ich sogar krank. Mein Kopf macht den Frust der anderen zu meinem eigenen und vergisst dabei, dass ich eigentlich gar nichts anderes tun kann, als jemandem mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dass mein Kopf das nicht versteht, ist nicht die Schuld der anderen – sondern meine eigene.
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Die Gefühlszustände anderer sind für mich wie ansteckende Krankheiten. Ohne ausreichendes Abwehrsystem fange ich sie mir ein, muss im Anschluss selbst damit klarkommen und gleichzeitig auch noch aufpassen, niemanden anderen damit anzustecken.
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Manchmal springen mir die Gefühle meiner Mitmenschen ins Gesicht, ohne dass sie das wollen. In manchen Situationen möchte mein Gegenüber gar nicht, dass ich es bemerke, er oder sie gibt aber trotzdem entsprechende Schwingungen ab.
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Sich zu stark auf andere einzupendeln, macht fremdabhängig.
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Das kann im Extremfall so weit gehen, dass ich mich sogar ausgenutzt und manipuliert fühle.
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Wenn ich im Empathie-Modus bin, schwirren mir fast willkürlich Eindrücke und Informationen entgegen, die ich willenlos verschlucke und auf mich selbst münze.
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auch mal nein zu sagen. Hilfe anbieten und warten, ob sie angenommen wird. Emotional abgrenzen, ohne die Rücksicht zu verlieren. Ein Gespür für die Sorgen meiner Mitmenschen hat sich immer noch als nützlich erwiesen. Ich muss nur lernen, mich ein bisschen mehr der Situation anzupassen und meinem Umfeld adäquat zu begegnen, übertriebene Anteilnahme durch angemessene zu ersetzen und hilfsbereit zu bleiben.
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Befinde ich mich gerade in der Gefühlsspirale, hilft mir auch die Flucht in die Welt der Musik. Die Formel ist simpel: Guter Beat besiegt schlechte Laune. Trotzdem heißt es aufpassen, denn traurige Musik kann das Elend genauso gut potenzieren.
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Ob Fluch oder nicht, auf jeden Fall besser als das andere Extrem. Ich bin trotz allem lieber ein Gefühlsmensch als ein Arschloch mit einem Herzen aus Eis.«

Philipp Kienzl | ze.tt | 03.06.2016 | Zu viel Empathie macht das Leben zur Hölle | http://ze.tt/empathie-kann-eine-richtige-bitch-sein/

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6 Antworten zu »Ich bin trotz allem lieber ein Gefühlsmensch als ein Arschloch mit einem Herzen aus Eis.«

  1. Marita Herz schreibt:

    Ich kenne das….Und lernte mich abzugrenzen….Das fühlt sich für mich besser an…

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  2. Dao Humanyu schreibt:

    Darum hat auch unser Körper eine Haut, sonst würde das Innere davonfliessen.
    Doch hat die Haut auch Poren und andere Öffnungen, damit das Innere nicht vertrocknet.

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  3. karfunkelfee schreibt:

    Kluge Gedanken zum Thema Empathie. Ich halte sie nach wie vor für eine Segensgabe und nehme den hohen Preis des Fluchs der Überforderung gern in Kauf. Musik ist und war für mich schon immer ein Stimmungskatalysator, auch Sport ist sehr empfehlenswert. Manches Fremdgefühl kann schrecklich sein, ein anderes glücklich machen. Dem einen sind klare Grenzen entgegenzusetzen, Schutzschilde hochzufahren, dem anderen offene Schleusen und Pforten. Was dann einströmen kann, entschädigt für das andere…

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