Mit dem Spatzen in der Hand das Außergewöhnliche kreieren.

»[…] Für Wilhelm Schmid, Philosoph der Lebenskunst, steht der Spatz steht für das Alltägliche, die Taube für das Spektakuläre. Und wer nur Tauben will, wird unzufrieden.
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Der Spatz steht für das Alltägliche, für das Gewöhnliche. Ich habe ihn in der Hand, das heißt, ich verfüge über ihn. Über die Taube dagegen verfüge ich nicht: Sie ist das Ungewöhnliche, das Spektakuläre. Wenn ich versuchen würde, sie zu fangen, würde sie wegfliegen.
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Heute ist der Spatz allerdings nicht mehr zeitgemäß. Der moderne Mensch will nur das Tollste, Beste, Schönste. Darunter tut er es nicht. Das hat Konsequenzen: Er ist nie zufrieden. Das trifft im Beruf zu, aber besonders in der Liebe.
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Wie lange sollte man seinen Träumen hinterherlaufen – und wann sollte man sich mit dem zufriedengeben, was man hat?
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Der kleine, robuste Spatz steht für den Alltag, und ich rate dazu, sich stärker mit dem Alltag anzufreunden, gerade in der Liebe, in der viele von der Taube oder vom Täuberich träumen. Es ist ein moderner Irrtum, zu glauben, die Liebe könne ausschließlich auf Gefühlen beruhen und auf den Alltag verzichten. Früher war das umgekehrt. Im Leben spielt der Alltag eine sehr große Rolle, und diejenigen, die ständig gegen ihn aufbegehren, reiben sich auf.
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Aber gerade dann, wenn ich auch mal mit dem Gewöhnlichen zufrieden bin, kann ich mich zum Außergewöhnlichen aufschwingen, auch mit ein und demselben anderen. Der Mensch will natürlich immer wieder aufbrechen und nach den Sternen greifen. […]«

Christine Meffert & Wilhem Schmid | DIE ZEIT | 17.11.2011 | „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ | http://www.zeit.de/2011/47/Sprichwort-Spatz-Taube

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