„Sie haben keine Privatheit, finden Sie sich damit ab.“

»„Wir versuchen grundsätzlich alles zu sammeln, was wir sammeln können und es für immer zu behalten. Wir stehen sehr kurz davor, sämtliche von Menschen generierten Informationen verarbeiten zu können“
… | …
„Datenschutz ist einfach eine alte Idee. Die meisten Menschen verstehen noch nicht einmal, was das ist.“
… | …
„Big Data läutet einen neuen Bund ein: Es ist der Bund zwischen Kapitalismus und Diktatur mit der Verheißung neuer, profitabler Gesellschaftsmodelle der totalen Überwachung.“
… | …
neigen Menschen doch dazu, sinnlich nicht wahrnehmbare Gefahren einfach zu ignorieren
… | …
„Die Menschen haben sich wirklich daran gewöhnt, nicht nur mehr Informationen unterschiedlicher Art zu teilen, sondern auch offener und mit mehr Menschen.“
… | …
„Wenn es eine Idee gibt, die neu ist, dann die Idee, dass der Einzelne das Recht hat, sein privates Leben so zu gestalten, wie es ihm gefällt“
… | …
„Wenn Sie etwas tun, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, dann sollten Sie es vielleicht gar nicht erst tun“
… | …
„Wir könnten nicht mehr sein, wer wir sind, wenn alle wüssten, was wir waren.“
… | …
Denn „Geheimnisse sind die Währung der Freundschaft“, schreibt Finkenauer. „Menschen steuern so den Verlauf der Grenzen, die sie um sich herum ziehen, und wen sie hineinlassen.“
… | …
Es geht bei der Kritik an Big Data nicht darum, ob jemand gesetzeskonform lebt, sondern darum, dem Menschen seine Geheimnisse zu lassen.
… | …
„Damit der Mensch den Verlust der Freiheit widerspruchslos akzeptiert, muss man diesen Verlust anfangs wie ein Schnäppchen wirken lassen.“ Und wer wollte leugnen, dass gerade soziale Netzwerke einfach auch viel Spaß machen?
… | …
dass „mit jeder Information, die irgendwie verwertet werden kann, gehandelt wird. Egal ob das jeweilige Geschäft nun gesetzlich erlaubt ist oder nicht.“
… | …
So konnten sie die Patienten allein durch deren medizinischen Hintergrund und die öffentlich verfügbaren Informationen eindeutig identifizieren.
… | …
Denn Computer können anhand einer Reihe von Parametern, wie zum Beispiel benutztem Betriebssystem und Browser, installierten Schriftarten und Grafikkarte, eindeutig wiedererkannt werden.
… | …
Lediglich vier einzelne sogenannte Zeit-/Ort-Datenpunkte, also vier Angaben, an welchem Ort sich jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgehalten hat, reichten aus, um 95 Prozent der Menschen zu identifizieren.
… | …
dass Google anhand von Bewegungen und Nachrichten selbstverständlich algorithmisch berechnen könne, wohin die Menschen sich zukünftig bewegen und was sie tun werden.
… | …
Die konkrete Möglichkeit zum Verkauf an Dritte bildet die Grundlage des Big Business rund um Big Data.
… | …
Denn Theorien seien überflüssig, da man dank des Reichtums an Daten menschliches Verhalten „mit einer nie gekannten Genauigkeit nachverfolgen und messen“ könne.
… | …
„Die Lagerhallen von Big Data werden zum ersten Mal soziologische Gesetze des menschlichen Verhaltens offenbaren – sie werden es ihnen ermöglichen, politische Krisen, Revolutionen und andere Erscheinungsweisen politischer und ökonomischer Instabilität vorherzusagen.“
… | …
Nach einer Studie des Instituts für Grundlagen- und Programmforschung ist fast die Hälfte aller Daten, die bei der Schufa gespeichert sind, falsch oder veraltet.
*
Eine zentrale Aufgabe der Big-Data-Analyse besteht in der Identifizierung der Risikogruppen und der Unterteilung der Menschen in wertvolle und wertlose Konsumenten.
… | …
Der Lebenslauf eines Bewerbers wird in vielen Unternehmen durch einen zweiten Lebenslauf ergänzt und mit diesem abgeglichen. Er setzt sich aus einzelnen Daten zusammen, die der Bewerber vermutlich nie selbst zu Gesicht bekommen wird.
… | …
dass bei 85 Prozent die Entscheidung über einen Kandidaten durch dessen Online-Reputation mitbestimmt wird
… | …
„Wir sehen Payback schon seit Jahren nicht mehr als Rabattkarte an. Was wir dem Handel bieten, ist ein Instrument, um seine Kunden besser kennenzulernen.“
… | …
So entdeckte beispielsweise ein US-Discounteinzelhandel einen Algorithmus, der anhand der Einkaufsdaten ableiten kann, welche Kundin gerade von ihrer Schwangerschaft erfahren hat.
… | …
Durch die Einkaufsdaten kann aber vor allem festgestellt werden, welche Kunden kaufkräftig sind und an welchen Produkten sie interessiert sind, um daran die Preispolitik eines Geschäftes auszurichten.
… | …
„In das untere Drittel der Konsumenten sollte wenig oder gar nichts investiert werden, manchen Kunden müsste man möglicherweise sogar die Kundenkarte entziehen.“
… | …
„Im Zeitalter von Big Data macht ein Unternehmen vor allem dann Gewinn, wenn es nur diejenigen versichert, die laut Algorithmenberechnungen die Versicherung am wenigsten in Anspruch nehmen würden.“ Die Trennung in wertvolle und wertlose – beziehungsweise in gesunde und ungesunde Menschen – droht die Idee der Solidargemeinschaft endgültig zu zersetzen.
… | …
ist der Umgang mit Patientendaten in hohem Maße bedenklich
… | …
Viele Krankheiten begleiten den Menschen aber ein Leben lang, sodass er für immer ein gläserner Patient sein wird.
… | …
Wissenschaftler der Universität Cambridge haben anhand von 58 000 Probanden analysiert, was sich allein durch die Likes herausfinden lässt. Mithilfe eines Algorithmus konnten die ethnische Zugehörigkeit, das Geschlecht und die Religion fast zu 100 Prozent korrekt zugeordnet werden. Die politische Neigung und die sexuelle Orientierung konnten mit einer Genauigkeit von 75 bis 88 Prozent bestimmt werden (je nach Geschlecht). Sogar die Frage nach Drogenkonsum des Probanden und Scheidung der Eltern konnte mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 73 Prozent richtig beantwortet werden.
… | …
Der einzige dauerhafte Schutz vor unliebsamen Enthüllungen scheint der Rückzug in den Konformismus zu sein – und das in einer vorgeblich hoch individualisierten Gesellschaft.
*
Der Datenanalytiker und Autor des Buches „Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! Die wahre Macht der Datensammler“ Markus Morgenroth kritisiert die Analysen von Big Data: „Es ist eine in mathematischen Wahrscheinlichkeitsrechnungen übersetzte Annäherung und damit eine dramatische Vereinfachung.“
… | …
„Für persönliche Daten, die über uns gesammelt werden, sollte es ein Recht auf Kopie geben. Es sollte gesetzlich geregelt sein, dass diese Kopie in einem standardisierten Format automatisch an eine persönliche Datenmailbox gesandt wird, über die jeder Einzelne die Verwendung der Daten steuern kann.“
… | …
Durch diese Entscheidungen […] erhält der Mensch wieder einige Rechte über seine persönlichen Daten und damit zumindest ein Minimum an Kontrollmöglichkeiten zurück. …«

ANDREAS VON WESTPHALEN | Hintergrund | 21.05.2016 | Willkommen in der Kontrollgesellschaft – Daten sind das Öl der Internetära. Die Privatsphäre bleibt auf der Strecke. | http://www.hintergrund.de/201605213954/wirtschaft/wirtschaft-welt/willkommen-in-der-kontrollgesellschaft.html

Sollte sich der Urheber des hier verlinkten und zitierten Artikels durch das Posten dieser Verlinkung oder dem ganz oder teilweisen Zitieren aus dem verlinkten Artikel in seinem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte ich um einen kurzen Kommentar und einen Beleg der Urheberschaft. Das Beanstandete wird dann unverzüglich entfernt. | Eventuelle Werbung in optischer Nähe zu diesem Artikel stammt nicht von mir, sondern vom Social-Media-Hoster. Ich sehe diese Werbung nicht und bin nicht am Verdienst oder Gewinn beteiligt.

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter RSOPlink abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu „Sie haben keine Privatheit, finden Sie sich damit ab.“

  1. teekay1st schreibt:

    Bedrückende aber ausführliche Zusammenfassung, was mit unseren Daten alles passiert. Danke

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.