„Es sind diese unglaubliche Privilegien, die mich verpflichten zu kämpfen.“

»… Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, 57 000 Menschen jeden Tag, eine Milliarde sind schwerst unterernährt, und das auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt und eigentlich zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte.
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Heute ist das Problem nicht mehr die Produktion, sondern der Zugang der Menschen zu Mais, Gemüse, Reis … Viele haben das Geld nicht.
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„Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Wer sind die Mörder?
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Wir alle, wenn wir schweigen. Zu den Tätern zählen auf jeden Fall die Banditen in den Banken und Hedgefonds, die an den Rohstoffbörsen mit Agrarrohstoffen spekulieren und die Preise hochtreiben. Deshalb können sich 1,25 Milliarden Menschen in den Slums, die mit weniger als 1,50 Dollar am Tag auskommen müssen, nicht mehr genug Nahrung kaufen. Diese Spekulanten sind Massenmörder.
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Die Amerikaner verbrennen 40 Prozent ihrer jährlichen Maisernte in Automotoren. Und auch in Europa werden zig Millionen Tonnen Getreide zu Biodiesel, Bioethanol und Biogas verarbeitet. Das bringt für den Klimaschutz gar nichts, ist jedoch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, solange so viele Menschen hungern. Nur die Agrar- und Energiekonzerne verdienen daran.
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Nahrung bekommt nur, wer sie bezahlen kann. Und diese Konzerne kontrollieren 85 Prozent des Handels mit Grundnahrungsmitteln und beherrschen so die Preisbildung.
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Natürlich ist der demografische Druck nicht zu bestreiten. Und doch gibt es einen Überfluss an Nahrung. Es sind die Strukturen, die strukturelle Gewalt, die den Armen den Zugang verwehren. Und die Institutionen der reichen Länder machen es fortwährend schlimmer.
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besonders schlimm ist das „land grabbing“, also der Verkauf von zig Millionen Hektar Bauernland an ausländische Investoren.
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Das Ziel muss die Selbstversorgung in den armen Ländern sein.
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diese Kleptokraten sind an der Macht, weil internationale Konzerne sie da gut brauchen können, es sind reine Marionetten.
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Jeder dieser mörderischen Mechanismen ist menschengemacht und kann von Menschen gebrochen werden.
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„Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.“
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Es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie. Das Grundgesetz gibt uns alle Waffen in die Hand. Nahrungsspekulation kann morgen per Gesetz gestoppt werden. Bioethanol kann morgen verbannt werden. Der Bundesfinanzminister kann verpflichtet werden, auf eine andere Politik beim IWF zu drängen.
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Che Guevara hat gesagt, auch die stärksten Mauern fallen, wenn sie Risse bekommen.
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Die Zivilgesellschaft wird immer stärker.
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„Gott hat keine anderen Hände als die unseren.“
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Ich argumentiere vielleicht etwas radikaler, weil ich die Opfer kenne.«

Jean Ziegler, Harald Schumann, Norbert Thomma | Der Tagesspiegel | 07.01.2013 | „Ich bin so radikal, weil ich die Opfer kenne“ | http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/sonntags-interview/aktivist-jean-ziegler-ich-bin-so-radikal-weil-ich-die-opfer-kenne/7589416-all.html

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Eine Antwort zu „Es sind diese unglaubliche Privilegien, die mich verpflichten zu kämpfen.“

  1. teekay1st schreibt:

    Erschreckend, aber leider wahr, was Du da an Infos zusammengetragen hast. Vielleicht öffnet das manchen ja die Augen…

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