Herz und Verstand müssen synchron sein.

»[…] Es gibt unterschiedliche Liebestypen: eher treue und beständige Menschen, die auch mal eine Krise durchstehen. Und andere, die sagen: Wenn es nicht klappt, trenne ich mich eben.
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jedes Mal, wenn man sich verliebt, denkt man wieder: Diese Liebe ist unendlich. Die Vorstellung der Unendlichkeit ist ein großer Motor im menschlichen Verhalten und nicht totzukriegen. Obwohl man immer wieder die Erfahrung macht, dass die Liebe enden kann. Darin unterscheiden sich die Menschen recht wenig. Sie denken: So ein tolles Gefühl hatte noch nie jemand. Das ist eine witzige Paradoxie: Die Einzigartigkeit ist in Wahrheit ein kollektives Gefühl.
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Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung hält, ist kleiner als die, dass sie nicht hält.
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Das Verliebtsein und das Vorstellen der Endlichkeit passen emotional überhaupt nicht zusammen. Wenn Sie jemanden lieben, dann sind Sie sich subjektiv sicher, dass es in dem Fall gut gehen wird. Andernfalls lieben Sie Ihren Partner nicht.
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Wenn Sie beispielsweise überlegen, ob Sie mit Ihrem Partner zusammenziehen, dann ist Ihr Gefühl ein innerer Ratgeber, aber ob Sie es tun oder nicht, bleibt Ihre Entscheidung.
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Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich mich trenne, weil die Freunde dazu raten.
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Ihr Herz und Ihr Verstand müssen synchron sein. Wenn Sie eine Entscheidung gegen das Herz treffen, funktioniert das ebenso wenig, wie wenn Sie gegen Ihren klaren Verstand handeln.
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Sicherheit gibt es in einer Liebesbeziehung nicht, nie.
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Sie können weder vorhersagen, wie Sie sich selbst entwickeln, noch, was Ihr Partner morgen fühlt.
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Partnerschaften sind vertragsfähig, Liebe ist es nicht.
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Kann man Vertrauen lernen?
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Ja. Aber wenn Sie nur vertrauen, ohne auch skeptisch zu sein, dann ist das eine Form von Dummheit. Es ist wie beim Ein- und Ausatmen: Sie brauchen zu jedem Impuls einen Gegenimpuls. Sie müssen vertrauen, sonst handeln Sie nie. Aber Sie müssen skeptisch sein, sonst sind Sie blind. Dieses Wechselspiel ist alltagstauglich, und es ist erwachsen.
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Beziehungen können so eine Art Fortbildung sein.
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Wer über den falschen Partner klagt, hat selber falsch gewählt.
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Lernt der Verstand, oder lernt das Herz?
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Wenn nur Ihr Verstand kapiert, wer zu Ihnen passt und wer nicht, dann hilft das nicht. Relevant ist bloß, was man emotional gelernt hat, was einen innerlich bewegt.
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die Erfahrungen, die ich gemacht habe, haben Einfluss darauf, in wen ich mich verliebe.
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Soll ich meinen Partner fragen, wie seine früheren Beziehungen waren?
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Eher ja. So können Sie besser verstehen, was er braucht und was er vielleicht anders machen will als früher. Aber Sie müssen nicht alles wissen. Ob er zum Beispiel zweimal oder 20-mal fremdgegangen ist, das bringt Ihnen nichts. Wenn Sie ihn aushorchen, kommt Misstrauen in die Beziehung, das ist nicht gut.
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Gleichen Sie Ihre Vorstellungen vom Leben ab: Wollen Sie Kinder kriegen oder erst reisen? Wie wichtig ist Ihnen die Karriere? Wenn Sie von den gleichen Lebensentwürfen träumen, haben Sie eine Chance. Das fühlt sich lebendiger an als das Bedürfnis nach planbarer Liebe.«

Leonie Seifert, Ulrich Clement | DIE ZEIT | 09.02.2016 | Beziehung: „Liebe ist nicht sicher. Gott sei Dank!“ – Der Paartherapeut Ulrich Clement erklärt, warum wir trotz Trennungen an die große Liebe glauben und was wir aus gescheiterten Beziehungen lernen können. | http://www.zeit.de/campus/2016/02/beziehung-sicherheit-ulrich-clement-interview/komplettansicht

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