„Ich möchte aufhören zu atmen, ich ertrage den Schmerz nicht, ich will das nicht mehr.“

»Gestern habe ich mit einem Freund meiner Mutter telefoniert und er erzählte mir, dass sein Darm gerissen ist und er notoperiert werden musste. Er ist 86 Jahre alt hat aber noch eine kleine 12-jährige Tochter. Er hatte zweimal Krebs. Nach dem er den Krebs besiegt hat, hat man festgestellt, dass er einen Herzfehler hat. Er wurde 18-mal operiert. Die Hälfte seines Lebens verbringt er in Krankenhäusern, er kann nur mit Sauersteoffmaske atmen, er kann kaum laufen und sitzt im Rollstuhl. Am Tag schluckt er 23 Tabletten. Und trotzdem beschwert er sich nie, dieser Mann der so viel durchgemacht hat, sitzt da albert rum, um jeden zum Lachen zu bringen, obwohl jeder Atemzug weh tut. Er leidet. Und ich habe ihn gefragt warum er das tut, warum er sich so oft operieren lässt und der ganzen Qual nicht ein Ende bereitet.

Er sagt: wenn ein kranker Mensch stribt, dann stirbt er nur einmal; aber die gesunden Menschen, die dich geliebt haben werden 1.000-mal sterben. Ich will meiner Tochter zeigen, dass ihr Vater kein Feigling ist. Ich habe ihr versprochen, dass ich immer ihre kleine Hand halten werde und wenn das Schicksal versucht uns zu trennen, dann werde ich alles dafür tun, um ihre Hand solange wie möglich zu halten. Sie kann am Ende sagen, mein Vater war ein Kämpfer, der nur für mich gelebt hat, der trotz Schmerzen lachte, nur damit ich lache. Er hätte alles dafür getan, meine Hand für immer halten zu können. Und dann wäre der Schmerz in ihrer Brust weniger schlimm.

Wir glauben zu oft, dass wir spurlos aus der Welt gehen können, sich dabei nichts ändert und nun alles besser wird. Doch Spuren, die man im Herzen Anderer hinterlässt verblassen nicht. Und wir übertragen unser Leid einfach an die weiter, die uns lieben. Und sie werden nicht, sowie wie wir, 1-mal sterben, – nein, sie werden 1.000-mal sterben.«

Anonyme* Verfasser*

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Ein Gedanke zu “„Ich möchte aufhören zu atmen, ich ertrage den Schmerz nicht, ich will das nicht mehr.“

  1. Ich habe zuviele Menschen erlebt, die irgendwann gesagt haben, wenn es soweit ist oder dies passiert, dann ist es kein lebenswertes leben mehr. Und als es dann soweit war, haben sie ihre Meinung geändert. Ich habe mich gefragt, ob es auch für mich einen Zustand gegben könnte, der mir nicht mehr lebenswert erschiene. Es kann sein, dass es den gibt, aber ich kenne ihn – noch – nicht. Und wenn ich ihn irgendwann erreichen sollte, hoffe ich, dass ich mich mitteilen und ihn ggf. selbst beenden kann. Darauf verlassen kann ich mich nicht, aber vorausbestimmen kann ich ihn auch nicht. Für bestimmte Dinge gibt es meine Patientenverfügung, die aber nur greift, wenn das Ende sowieso unabwendbar nahe ist. Alles andere muss so kommen, wie es eben kommt.

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