„Nur wenn das Gefühl, es geht bei uns gerecht zu, sich wieder einstellt, nur dann werden „wir es schaffen“, die Integration zu leisten und die Willkommenskultur zu erhalten.“

»[…] 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, […] vor allem aber fliehen sie vor den Folgen westlicher Politik.
… | …
Denn es waren die als humanitäre Intervention maskierten Ölkriege der Vereinigten Staaten und ihrer europäischen Verbündeten, die im Irak und in Afghanistan verbrannte Erde hinterlassen und die Mördermilizen des IS stark gemacht, die die staatliche Ordnung in Libyen zerstört und den Bürgerkrieg in Syrien angeheizt haben. Und es sind nicht zuletzt deutsche Waffen, die in all diesen Ländern Tod und Schrecken verbreiten.
… | …
deshalb lösen wir das Flüchtlingsproblem nicht durch weitere Asylrechtseinschränkungen, auch nicht durch Gefeilsche um europäische Quoten, und schon gar nicht durch neue Mauern, sondern nur, wenn Europa endlich aufhört, die USA dabei zu unterstützen, immer größere Teile des Nahen und mittleren Ostens und Nordafrikas in einen Brandherd zu verwandeln.
*
Frau Bundeskanzlerin, verweigern Sie sich endlich dieser Kriegspolitik, stoppen Sie sofort alle Waffenlieferungen in Spannungsgebiete und erteilen Sie all denen eine Absage, die schon wieder dafür trommeln, dass wir in Syrien nun auch mitbomben sollen. Unter Bombenteppichen wächst kein Frieden. Sie bewirken nur, dass noch mehr verzweifelte Menschen zur Flucht gezwungen sind.
… | …
Flüchtlinge hungern und ihre Kinder erhalten keine Bildung, weil die reichen Länder zwar Milliarden für Kriege, aber nur lächerliche Summen für humanitäre Hilfe übrig haben, ich finde, das ist eine Schande und es zeigt auch, wie es um die Werte der gelobten westlichen Wertegemeinschaft tatsächlich bestellt ist.
*
Ja, viele derer, die auf der Flucht sind, fliehen auch vor wirtschaftlichem Elend und blanker Not. Aber auch dafür sind die Industriestaaten mitverantwortlich. Nehmen sie endlich die UN-Ziele zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit ernst und beteiligen Sie sich nicht länger daran, ärmeren Ländern Freihandelsabkommen zu diktieren, die ihre Industrie und Landwirtschaft vernichten, ihre Bevölkerung arm und ihre Märkte zur Beute internationaler Konzerne machen.
… | …
Dass die, die bis nach Deutschland kommen, hier eine freundliche Aufnahme finden, dafür hat in den letzten Wochen vor allem das großartige Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung gesorgt.
… | …
Sie wissen doch, wie die Situation in vielen Städten und Gemeinden ist, wie viele Krankenhäuser privatisiert und marode Straßen nicht repariert wurden, weil die Kassen leer sind. Sie wissen, dass die meisten Bundesländer im Korsett der Schuldenbremse Probleme haben, ihre normalen Aufgaben zu erfüllen.
… | …
Ist der Bundesregierung nicht klar, dass sie so die hiesige Bevölkerung, der es oft genug auch nicht gut geht, weil sie von niedrigen Renten, schlechten Löhnen oder Hartz IV leben muss, auf unverantwortliche Weise gegen die Flüchtlinge ausspielt?
… | …
Seit Jahren werden in diesem Land kaum noch Sozialwohnungen gebaut. Viele Gemeinden haben ihren Wohnungsbestand privaten Renditejägern überlassen. Öffentliche Investitionen in guten und erschwinglichen Wohnraum sind seit Jahren überfällig. Mit jedem ankommenden Flüchtling wird das dringlicher.
… | …
Erhöhung des Mindestlohns und Abschaffung der Ausnahmen, durch Verbot von sachgrundloser Befristung, Leiharbeit und dem Missbrauch von Werkverträgen.
… | …
Es ist die Verantwortung der Politik, dafür Sorge zu tragen, dass die Integration nicht zu einer neuen Welle von Lohndumping und Sozialabbau führt.
… | …
Ist ihnen Ihre schwarze Null wirklich so heilig, dass sie dafür in Kauf nehmen, braune Nullen beim Stimmenfang zu unterstützen?
… | …
Ohne ihre absurde Steuerpolitik, ohne all die Steuergeschenke für die oberen Zehntausend, ohne Ihre Untätigkeit bei der Verhinderung von Steuerflucht hätten Bund, Länder und Kommunen heute ganz andere Spielräume.
*
Die wirklich teuren Flüchtlinge, das sind nicht die, die vor Krieg und Terror fliehen. Die wirklich teuren, das sind die Steuerflüchtlinge, das sind die Konzerne und reichsten Familien, die mit tausend Tricks die öffentliche Hand in Deutschland jedes Jahr um bis zu 100 Milliarden Euro prellen.
*
Sorgen Sie für eine ordentliche Besteuerung der großen Vermögen und machen Sie die Grenzen dicht für Steuerflüchtlinge, statt die Kosten für die Integration ausgerechnet auf den Teil der Bevölkerung abzuwälzen, der durch ihre Politik schon in den letzten Jahren ständig an Wohlstand verloren hat. […]«

Sahra Wagenknecht | sahra-wagenknecht.de | 24.09.2015 | „Die wirklich teuren Flüchtlinge sind die Steuerflüchtlinge“ | http://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/2192.die-wirklich-teuren-fl%C3%BCchtlinge-sind-die-steuerfl%C3%BCchtlinge.html?sstr=Steuerfl%C3%BCchtlinge

Sollte sich der Urheber des hier verlinkten und zitierten Artikels durch das Posten dieser Verlinkung oder dem ganz oder teilweisen Zitieren aus dem verlinkten Artikel in seinem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte ich um einen kurzen Kommentar und einen Beleg der Urheberschaft. Das Beanstandete wird dann unverzüglich entfernt. | Eventuelle Werbung in optischer Nähe zu diesem Artikel stammt nicht von mir, sondern vom Social-Media-Hoster. Ich sehe diese Werbung nicht und bin nicht am Verdienst oder Gewinn beteiligt.

Advertisements

Ein Gedanke zu “„Nur wenn das Gefühl, es geht bei uns gerecht zu, sich wieder einstellt, nur dann werden „wir es schaffen“, die Integration zu leisten und die Willkommenskultur zu erhalten.“

  1. Ich kenne die Rede, die meisten Deutschen offenbar nicht. Frau Wagenknecht beweist wenigstens etwas Mut, wenn sie die Dinge beim Namen nennt und vor allem die USA massiv kritisiert. Schreibt aber ein Wissenschaftler nüchterne Fakten über die amerikanische Expansionspolitik, wird er sofort als „Verschwörungstheoretiker“ diskreditiert. Auch das ist ein Stück „Dunkeldeutschland“ und zeigt, auf welchem Niveau sich dieses Land mittlerweile befindet.

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.