Femizid, weltweit – kein Ende in Sicht

»[…] War Ihnen bekannt, das alle drei Minuten in Deutschland eine Frau vergewaltigt wird? Weltweit erfährt eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens Gewalt. In Deutschland ist es jede vierte.
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Öffentliche Hinrichtungen, Missbrauch, Misshandlungen, Zwangsverheiratungen, Mädchen- und Frauenhandel – Gewalt gegen Frauen lässt sich nicht als kulturelle oder religiöse Folklore entschuldigen. Es handelt sich nicht um Einzelfälle. Jeder einzelne Fall ist Teil eines Ganzen. Teil des Femizids.
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Auch hier in Europa erleben unvorstellbar viele Frauen psychische, physische oder sexuelle Gewalt. Ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit – Frauen sind nirgendwo vor Übergriffen geschützt!
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So weit verbreitet wie die Gewalt an sich ist das vorherrschende Schweigen darüber, denn viele Opfer zögern noch immer, sich jemandem mit ihrer Qual anzuvertrauen.
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Wie konnte es passieren, hätte ich es verhindern können? Weshalb habe ich mich nicht gewehrt? Weshalb war ich wie erstarrt? Weshalb habe ich alles über mich ergehen lassen? Warum bin ich nicht geflüchtet? Warum bin ich noch bei ihm geblieben? Warum habe ich keinem etwas gesagt?
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Gewalt geht fast immer einher mit psychischer Gewalt. Ob also nun sexuelle Gewalt oder psychische Gewalt, beides führt dazu, dass Frauen die Kontrolle über ihr eigenes Leben verlieren und diese Kontrolle muss sie wieder gewinnen. Ein langer Prozess, denn was bleibt, sind die Narben auf der Seele.
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schauen wir uns doch an, was in dieser Welt zählt, das sind die Gewinner, für Verlierer gibt es keinen Platz. Misshandelte Frauen fühlen sich aber wie Verliererinnen. Sie haben versagt, sie fühlen sich gedemütigt und sie wurden „gebrochen“.
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Man verständigte sich darauf, künftig von einem „Femizid“ zu sprechen, wenn Frauen allein wegen ihres Geschlechts ermordet werden.
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Schätzungen zufolge mussten sich mehr als 130 Millionen Frauen Beschneidungen unterziehen – vor allem in Afrika und in einigen Ländern des Nahen Ostens.
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Schätzungen des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) zufolge werden weltweit jährlich mehr als 5.000 Frauen Opfer sogenannter Ehrenmorde.
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500.000 bis zwei Millionen Menschen werden jährlich in die Prostitution, Zwangsarbeit oder die Sklaverei verschleppt – 80% der Opfer sind Frauen und Mädchen.
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Viele Frauen leiden an verschiedenen Formen der Diskriminierung und tragen deshalb ein erhöhtes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden.
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Wie weit verbreitet Gewalt gegen Frauen in Europa ist, zeigt der aktuelle Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA).

Etwa 62 Millionen Frauen in Europa (33%) haben seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.

Über 41 Millionen Frauen in Europa (22%) haben in einer Partnerschaft körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.

Über 9 Millionen Frauen in Europa (5%) sind seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden. An etwa der Hälfte der außerhalb der Partnerschaft erlebten Fälle waren mehrere Täter/Täterinnen beteiligt.

Über 80 Millionen Frauen in Europa (43 %) waren oder sind in einer Partnerschaft psychischer Gewalt ausgesetzt, wurden beispielsweise öffentlich bloßgestellt, eingesperrt, mussten gegen ihren Willen pornografische Filme ansehen und/oder wurden mit Gewalt bedroht.

Etwa 62 Millionen Frauen in Europa (33 %) haben in ihrer Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt durch Erwachsene erlebt. 22,5 Millionen (12 %) waren in der Kindheit von sexueller Gewalt betroffen, die Hälfte davon durch fremde Männer. Hier wurden häufig Genitalien gezeigt oder die Mädchen an Genitalien oder Brüsten berührt.

Ungefähr 33,8 Millionen Frauen in Europa (18 %) waren ab ihrem 15. Lebensjahr von Stalking betroffen, über 9,3 Millionen (5%) innerhalb der letzten 12 Monate vor der Befragung, wobei das Stalking in 21% der Fälle (über 7 Millionen) länger als zwei Jahre anhielt.

Über 20 Millionen Frauen in Europa (11 %) wurden bereits über die neuen sozialen Medien, per Mail oder SMS belästigt. Von den Frauen unter 29 Jahren waren es sogar 20%, die online belästigt wurden.

Über 100 Millionen Frauen in Europa (55 %) wurden bereits sexuell belästigt. Etwa ein Drittel davon berichtet, dass es sich bei dem/den Tätern/Täterinnen um Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden handelte.

67 % aller betroffenen Frauen in Europa meldeten die schwerwiegendsten Gewaltvorfälle innerhalb einer Partnerschaft weder der Polizei noch einer anderen Organisation.
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Menschenrechte sind allumfassende Rechte, die gleichermaßen für Männer, Frauen und Kinder, also für alle Menschen basierend auf ihrem Menschsein gelten.
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Solange Gewalt gegen Frauen grausamer Alltag ist, bleiben die Versprechen der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte unerfüllt.
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Wir müssen mehr Druck auf Regierungen ausüben, damit Frauenrechte geachtet und umgesetzt werden. Es gibt Verträge, an die die Länder sich halten müssen.
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Zumindest auf dem Papier sind die Rechte der Frauen gestärkt worden. Es ist jetzt an uns, dass wir fordern, dass diese Rechte auch umgesetzt werden, weltweit und auch hier in Europa.
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Wir müssen laut sein und bleiben es, […] Frauen brauchen eine Stimme und das sofort.«

Doro Schreier | netzfrauen | 06.01.2016 | Gewalt an Frauen – Alle drei Minuten ereignet sich in Deutschland eine Vergewaltigung | https://netzfrauen.org/2016/01/06/gewalt-frauen-alle-drei-minuten-ereignet-sich-deutschland-eine-vergewaltigung/

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3 Gedanken zu “Femizid, weltweit – kein Ende in Sicht

  1. Als ich vor einigen Jahren über Gewalt gegen Frauen schrieb, sind empörte KritikerInnen über mich „hergefallen.“ Zumindest haben sie es versucht. „Wie kannst du nur, Mayumi!“ Ich konnte und die Gewalt auch belegen. Und warst nicht du es, lieber Bernd, der von Gewalt gegen Männer schrieb? Aber Männer werden seltener schon im Mutterleib abgetrieben oder als Kinder an wen auch immer verkauft.

    Am Beispiel Köln 1 und Merkels verfehlter Politik, kann ich klar für Deutschland sagen, was Gewalt gegen Frauen ist. Ich selbst habe sie erlebt, wir lesen sie täglich in der Presse. Zumindest jene Fälle, die man nicht vertuschen kann. Paradox und das soll kein pauschaler Rundumschlag gegen Männer sein, es sind eben jene Männer, die von Frauen geboren worden sind, die sie später „vergewaltigen.“

    Gegen diese Sorte hilft nur Selbstverteidigung, wie immer die auch aussehen kann. Aber für die Zukunft muss es eine globale Allianz von Frauen und Männern geben, die sich schützend vor das Leben stellen. Ich bin dabei und du bestimmt auch. Danke für deinen wichtigen Beitrag.

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    • Danke. Genau. Dass ich Artikel über Gewalt gegen Männer teilte, tat ich nicht um die Gewalt gegen Frauen zu relativieren, sondern um zu belegen, dass Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Thema ist, dass Frauen, Männer, Kinder und Tiere betrifft und jegliche Gewalt geächtet gehört und dass es dazu eines gewaltfreien Aufstands der „Anständigen“ Bedarf. Und in konkreten Situationen einer Kultur des Hinsehens und Eingreifens.

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