Für die Bequemlichkeit und dem Gefühl der Teilhabe am technischen Fortschritt verschenken wir unsere Seele.

»[…] Wer sich ins Internet begibt oder ein Handy benutzt, gibt viel von sich preis. Viele Unternehmen überwachen sogar die Netz-Nutzer. Dazu kommt eine geräteübergreifende Spionagetechnik zum Einsatz.
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Über eindeutige Identitätsnummern, Signaturen und Schlüssel werden nicht nur Rechner und Smartphones wiedererkannt, sondern auch deren Besitzer.
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Um von diesen Daten auf die persönliche Identität eines Internet-Surfers zu schließen, brauchen die Datenhändler entweder die E-Mail-Adresse oder die Telefonnummer des Surfers. Die E-Mail-Adresse ermitteln sie, wenn der Surfer einen seiner Social-Media-Accounts oder das elektronische Postfach im Browser nutzt. Beim Aufruf des Web-Kontos des Autors haben die Experten 121 sogenannter Get-Befehle seines Browsers protokolliert. Drei weitere Befehle haben die Daten der Adresszeile des Browsers ausgewertet, aus der die genaue Mail-Adresse ermittelt werden konnte.
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Die Telefonnummer wird in der Regel über die Nutzung eines Messenger-Dienstes ermittelt. Daneben werden aber auch Einträge auf Social-Media-Plattformen ausgewertet, bei denen die Telefonnummer des Kontoinhabers hinterlegt ist. Sobald der eindeutige Schlüssel mit den realen Identitätsdaten eines Menschen aus Fleisch und Blut verknüpft ist, zeichnet die Erfassungs-Software auf, was der Nutzer im Web treibt, für welche Seiten und Inhalte er sich interessiert und welche Themen ihn gerade beschäftigen. Die Analyse-Software erstellt ein genaues Personenprofil. Damit berechnet wiederum die prädiktive Software die Wahrscheinlichkeit, für welche Produkte er sich interessiert und welche er kaufen wird.
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Schon beim Aufruf einer Nachrichtenseite konnten so zwischen 120 und 260 Datenabfragen von Internet-Servern dokumentiert werden.
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Beim Aufruf von Online-Shops und den Angeboten von Versandhändlern waren es teils über 100 Zugriffe von anderen Internet-Servern auf den Browser des Nutzers.
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Facebook-Mitglieder, die während ihrer Web-Surftour nicht bei diesem sozialen Netzwerk angemeldet sind, geben spätestens beim Klick auf einen Like-Button neben ihrer IP-Adresse und der Web-Adresse auch Datum, Zeit, Browser-Typ und die eindeutige Cookie-Kennung preis. In der Regel reicht aber bereits der Aufruf der Seite.
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Es kommt auf jeden Fall zur Datenübertragung
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Auch Surfer, die nicht Mitglied bei Facebook sind, werden ausgespäht.
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„Wenn ein Nicht-Facebook-Nutzer eine Seite mit einem Like-Button aufruft, erhalten wir bestimmte Daten über den Besuch inklusive Datum, Zeit, URL und den Browser-Typ.“ Dazu muss nicht einmal der Like-Button angeklickt werden. Diese persönlichen Daten landen auf Facebook-Servern und werden dort weiterverarbeitet.
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Ein Großteil der Internet-Nutzer in Deutschland hat diesen Datenerhebungen nämlich durch Klick oder Wisch zugestimmt – allerdings ohne zu wissen, welche Daten im Detail verarbeitet werden und wie eng die Kooperation der Datenhändler ist.«

Peter Welchering | Frankfurter Allgemeine | 01.11.2016 | Geräteübergreifende Technik – Der Spion, der mich liebt | http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/computer-internet/datenschutz-im-internet-wie-der-browser-daten-weiter-gibt-14494869.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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