Es ist eine Strategie der Herrschenden: voranschreitender Hunger. Weil man Frierende besser regieren kann. Auch hier; bei uns: immer mehr Menschen verfügen über immer weniger Geld/Vermögen.

»[…] Der Hunger bedeutet heute für fast eine Milliarde Menschen eine gleichbleibend ereignislose Lebenslage.
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der heutige Hunger von etwa einer Milliarde Menschen, über den ich schreibe, ist in aller Welt geräuschlos und stetig anwesend, er hat keine Tagesaktualität. Er ist so alltäglich, dass viele gar nicht wissen, dass sie hungern, weil es nichts anderes Denkbares gibt.
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Neu ist, dass die Satten heute zwischen 30 und 50 Prozent der Lebensmittel wegwerfen. Für die westliche Einbildungskraft liegt die entscheidende Neuerung in dem historischen Wandel, dass die Menschheit heute erstmals in der Geschichte mehr Nahrung herstellt, als sie braucht. In den letzten 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt, aber die Nahrungsmittelproduktion mehr als verdreifacht. Heute wäre erstmals genug Essen für alle da. Niemand kann mehr die ungleiche Verteilung der Nahrungsmittel dadurch rechtfertigen, dass es eben nicht für alle reiche.
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In jedem Fall ist das Elend menschengemacht. Es ist nicht notwendig.
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Wer hungert, kann nicht über Prioritäten entscheiden, sondern muss sich ganz darauf konzentrieren, Essen zu finden. Hunger bedeutet, über nichts jenseits der Beschaffung von Essen nachdenken zu können.
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Hungernde sind selten Atheisten. Der Gott der Religiösen verkörpert die Ordnung, in der sie unausweichlich hungern müssen.
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Tatsächlich war es erschütternd festzustellen, dass so viele Hungernde, mit denen ich sprach, kaum Wünsche oder Vorstellungen vom Glück haben.
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Der medizinische Fortschritt bedeutet aber langfristig, dass eine Frau nur noch wenige Kinder bekommen muss, weil sie weiß, dass diese wenigen es schaffen werden.
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Bedingungen zu schaffen, in denen sich Menschen selbst ernähren können, um der Abhängigkeit zu entkommen. Sie sehen den Hunger als ein Teilproblem einer ungerechten kapitalistischen Weltordnung.
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wir verfügen über alle Mittel, den Hunger heute aus der Welt zu schaffen. Die Enttäuschung liegt darin, dass wir es nicht tun. Wir haben Angst vor dem Ungewissen. Wir müssten uns nicht am Marktkapitalismus als einzig möglicher Wirtschaftsform festklammern.
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Auf dem Teller eines westlichen Konsumenten zeigt sich konzentriert, wie wir in unserer Weltwirtschaftsordnung leben.
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Ich bin widersprüchlich wie alle anderen Menschen auch.«

Elisabeth von Thadden, Martín Caparrós | DIE ZEIT | 12.12.2015 | „Der Hunger“- Vom Recht auf Essen | http://www.zeit.de/2015/48/hunger-martin-caparros-argentinien/komplettansicht

Martín Caparrós: Der Hunger Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg und Hanna Grzimek; Suhrkamp Verlag, Berlin 2015; 845 S.
https://www.thalia.de/shop/home/suchartikel/ID42457740.html?sq=Mart%EDn%20Caparr%F3s:%20Der%20Hunger

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2 Gedanken zu “Es ist eine Strategie der Herrschenden: voranschreitender Hunger. Weil man Frierende besser regieren kann. Auch hier; bei uns: immer mehr Menschen verfügen über immer weniger Geld/Vermögen.

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