Sie kamen eines Tages im Juli …

… 1943. Sie stürmten unsere Häuser, plünderten unsere Vorräte und Wertsachen. Danach legten sie Feuer. Haus für Haus – Straße für Straße. So brandschatzten sie unser ganzes Dorf, zwangen die Bewohner in eine Scheune und zündeten auch diese an. Mein Bruder und ich, wir konnten uns im Keller verstecken und blieben unentdeckt. Als nach unzähligen, qualvollen, von Erstickungsanfällen erfüllten Stunden wieder alles ruhig war, die Kellertür sich aber durch die Hitze des Brandes und den Teileinsturz unseres Elternhauses nicht mehr öffnen ließ, erinnerten wir uns daran, dass Papa, als die Deutschen anfingen, unser Land zu überfallen, einen Kellerdurchbruch hinter dem Vorratsschrank gemacht hatte. Wir kippten den Schrank um, zogen die Kartoffelsäcke, die den Durchbruch notdürftig verschlossen hatten, zur Seite und traten auf die Wiese zwischen unserem Haus und dem kleinen Bächlein, das die Grunstücksgrenze markierte, ins Freie. Plötzlich stand ein ausgemergelter Fremder vor uns, der uns aus dunklen Augenhöhlen anstarrte und uns, mit – für uns – hermetischen Worten, ansprach, dabei aufgeregt gestikulierte und in Richtung Wald zeigte. Wir liefen so schnell wir konnten in diese Richtung, den Partisanen in die Arme, die uns bis Kriegsende in ihre Obhut nahmen.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/06/04/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-23-17-wortspende-von-redskiesoverparadise/

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6 Gedanken zu “Sie kamen eines Tages im Juli …

  1. Der Terror ging von den Deutschen aus, das sollten sich Viele in Erinnerung rufen, die heute so laut auf die anderen schimpfen. Vermutlich haben alle Völker auf unserer Erde schon einmal Terror ausgeübt, die Begründung ist fast immer fadenscheinig bei der jeweiligen Rechtfertigung.
    Du und Dein Bruder, ihr habt sehr viel Glück gehabt. Was tun wir Menschen uns nur an und es hört ja nie auf.

    Gefällt 1 Person

  2. Deine Wörter generieren nicht unbedingt fröhliche Geschichten, lieber Bernd, auch deine ist es nicht. Aber sie fühlt sich wahr an, es könnte so gewesen sein, und ich finde, das ist eine hohe Qualität.
    Danke für deine Wortspende, danke, dass du mitschreibst, schön, dass es dich und deinen Blog gibt.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

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