„Als sei auch das Altern bloß eine Frage der eigenen Einstellung.“

»[…] Alles eine Frage der Einstellung? Wie unsere Gedanken unser Leben verändern können.
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Kann man durch Denken abnehmen? Man kann.
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Nach vier Wochen hatten jene Teilnehmerinnen, deren Arbeit zum Sport erklärt worden war, durchschnittlich ein Kilo abgenommen – allein durch eine veränderte Einstellung zur Arbeit. Die Kontrollgruppe machte ihren Job mit derselben Haltung wie zuvor – und blieb gleich schwer.
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Wie beeinflussen uns Informationen, die wir im Hier und Jetzt empfangen und auf bestimmte Weise interpretieren? Langers Ziel ist es, das Bewusstsein der Menschen dafür zu schärfen, dass ihre Handlungen größtenteils auf Annahmen über die Welt beruhen, die ihnen im Laufe der Zeit beigebracht oder eingeredet wurden – und die im Leben nicht unbedingt weiterhelfen.
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Mit Mindfulness meint sie, sensibel zu werden: dafür, ob das, was ich über mich und die Welt denke, auch tatsächlich so ist.
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Als sei auch das Altern bloß eine Frage der eigenen Einstellung.
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„Priming-Effekte“ nennen Psychologen das Phänomen, dass Wörter oder Bilder beim Menschen spezifische Assoziationen an frühere Erfahrungen auslösen und so sein Verhalten beeinflussen. „Priming aktiviert Gedanken, die wir unaufmerksam aufgenommen und verinnerlicht haben“ […] Solche unterschwelligen Gedanken zu entdecken, meint sie mit Achtsamkeit: „Was wir sehen, hängt davon ab, worauf zu achten wir gelernt haben. Mindfulness bedeutet: in dem, was wir bereits zu kennen glauben, etwas Neues entdecken.“
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Ob wir jemanden, der sehr korrekt auftritt, als langweilig (negative Einschätzung) oder zuverlässig (positive Einschätzung) wahrnehmen, hängt von unserer Sichtweise ab – und führt zu sehr unterschiedlichem Verhalten gegenüber dieser Person.
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Ist körperlicher Verfall womöglich – zum Teil – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?
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„Mindless automata“ nennt Langer jene Überzeugungen, die unser Leben steuern, ohne dass wir es bemerken – als seien wir darauf programmiert, fremde Gedanken ungeprüft zu übernehmen.
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Nicht nur was wir über uns selbst, sondern auch das, was wir über andere denken, hat enorme gesellschaftliche Konsequenzen.
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Wer von einer besseren Zukunft träumt, denkt, er sei schon am Ziel. Positive Fantasien entspannen so sehr, dass sie die Energie absorbieren, die man braucht, um die Dinge anzupacken.
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Die Idee des Programms ist es, sich Ziel und Hindernis innerlich so anschaulich vor Augen zu führen, als erlebe man beides tatsächlich – mitsamt den damit verbundenen Gefühlen. „Mentale Kontrastierung“ nennt Oettingen dieses gedankliche Gegenüberstellen von positiver Zukunft und dem Hindernis in der Realität. Der letzte Schritt ihrer Methode sieht dann den konkreten Plan vor, das Hindernis zu überwinden.
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„Muskeln reagieren sehr sensibel auf das, was sich im Kopf abspielt. Hat man Angst, verkrampfen sie.“ […] „Der Mensch ist in der Lage, allein durch Gedankenkraft die Muskeln zu aktivieren. Und zwar so intensiv, als führe er die Tätigkeit tatsächlich aus.“
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Auch Schmerzpatienten lernen heute über sogenanntes Biofeedback, ihre Muskelspannung oder ihren Blutdruck selbst zu verändern und den eingeübten Vorgang an ein bestimmtes, schnell abrufbares Bild zu koppeln – etwa die Vorstellung, sich einen Eiswürfel an die Schläfe zu legen.
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Erstaunlicherweise reagierte die Biochemie des Körpers auf die behauptete und nicht auf die echte Zeit: Der Blutzuckerspiegel fiel, wenn die Uhr den gewohnten Zeitpunkt vorgaukelte, und nicht etwa, wenn der gewohnte Zeitpunkt tatsächlich erreicht war.
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Kann man sich positiv programmieren?
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„Wir Achtsamkeitslehrer legen großen Wert auf die Unterscheidung von Gedanken und Wirklichkeit. Wie ich mit einer Situation umgehe, kann ich mir aussuchen. Das ist die Macht der Gedanken.“
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Ob sie ängstlich oder optimistisch auf den Satz reagieren, ratlos oder tatkräftig, hängt von ihren Prägungen aus Kindheit und Jugend ab […] Und nichts ist wirkmächtiger als das Selbstbild, mit dem jemand durch die Welt läuft. Noch dazu, wenn er es – zweite Fehlannahme – für seine wahre Natur hält.
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Auch im Alltag […] ist die Wirkmächtigkeit des eigenen Selbstbildes für jedes Ich erkennbar: nämlich daran, wie die Umwelt auf mich reagiert. Jeder Gedanke eines Menschen löst eigene Handlungen (und Haltungen) aus, auf die dann andere Menschen reagieren – und uns wiederum in dem bestätigen, was wir zu sein glauben. Ein unsicherer Jugendlicher provoziert Ablehnung bei den Altersgenossen, weil sein Verhalten von der Selbsteinschätzung geprägt ist: „Mich mag eh keiner.“ Und wer sich im Job nichts zutraut und sich wie ein Praktikant aufführt, bekommt automatisch die Hilfsarbeit zugewiesen.
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Gute Lügner machen sich auf pathologische Weise eine Kraft zunutze, die jeder von uns hat. Sie erzählen sich so lange selbst eine Geschichte, bis sie daran glauben – und alle anderen auch.«

Ilka Piepgras | DIE ZEIT | 02.06.2016 | Achtsamkeit – Du bist, was du denkst | http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/22/gedanken-fantasie-denken-einbildung

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Eine Antwort zu „Als sei auch das Altern bloß eine Frage der eigenen Einstellung.“

  1. Christiane schreibt:

    „Lesen Sie diesen Artikel kostenfrei als registrierter Nutzer.“ Nicht, dass ich den Gedanken dahinter nicht verstehe, aber dennoch schade, den hätte ich wirklich gern mal im Ganzen gelesen.
    Liebe Grüße
    Christiane

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