„Zwischen der Hypermoral von links und der blanken Gewalt von rechts muss es wieder eine Mitte affektbeherrschter Zivilisiertheit geben.“

»[…] Zu den festen Ritualen der alten Bundesrepublik gehörte es, ständig vor einem Rechtsruck zu warnen, der indes nie eintrat.
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Wo die Linke die fremde Identität, das Andere, die Abweichung vergötzt, berauscht sich die Rechte an der Norm des Eigenen.
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Zwischen diesen beiden Polen, der linken Hyperkritik und dem rechten Ressentiment, hat sich jene bürgerliche Mitte schweigsam verkrümelt, die es nicht für die Aufgabe des Staates hält, die Auflösung überkommener Normativitäten gesetzgeberisch zu begleiten, sondern einen liberalen Ordnungsrahmen garantieren möchte, in dem plurale Lebensformen ohne normativen Druck in Zivilisiertheit miteinander auskommen können.
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Auf gespenstische Art verwandelt sich Deutschland so von einem Land der Mitte in eine polarisierte Gesellschaft.
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begleitet wurde die neue Flüchtlingspolitik von einer Rhetorik der Alternativlosigkeit: dass sich Grenzen ohnehin nicht sichern ließen, dass sie moralisch fragwürdig seien. Im Gegenzug wurde ethnisch-kulturelle Diversität zur neuen Norm erhoben, die per se wünschenswert sei und keiner demokratischen Billigung bedürfe. Wer weiterhin der Meinung war, dass Staaten ihre Außengrenzen sichern können sollten und ein Gemeinwesen souverän darüber bestimmen können muss, in welchem Maße sich seine Demografie verändert, der war politisch heimatlos, wenn er nicht in den Reihen von Pegida mitmarschieren wollte. Schon wenn man über eine Einwanderungspolitik mit Quoten reden wollte, war man nicht mehr auf dem Boden der Willkommenskultur.
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Eine Mitte, die gleich weit entfernt ist von Diversity-Rhetorik wie von xenophobem Hass, muss sich erst wieder neu konstituieren.
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Und die Reaktion der Medien, die anfangs versuchten, die Täter nicht ethnisch-kulturell zu identifizieren, kam dem Zerrbild der „Lügenpresse“ schon verdammt nahe.
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Die kulturalistische Linke, die bisher Zuwanderung zum Menschenrecht erklärt hatte, versuchte nun, statt dem Selbstzweifel auch nur ein Minimum an Raum einzuräumen, die Ereignisse von Köln zu einem Fall Brüderle zu machen
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Spätestens da wurde es zunehmend schwer, dem Verdacht entgegenzutreten, politische Korrektheit sei nur um den Preis des Wirklichkeitsverlusts zu haben. Wer über die kulturell-religiöse Herkunft der Täter spreche, so war vielerorts zu lesen, instrumentalisiere das Leid der Opfer, der Frauen – und verhalte sich mithin typisch patriarchal.
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Zwischen der Hypermoral von links und der blanken Gewalt von rechts, die wie zu Weimarer Zeiten Bürgerwehren mobilisiert, muss es wieder eine Mitte affektbeherrschter Zivilisiertheit geben.
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„Was sich in den letzten Tagen in der Politik als Mainstream herauszukristallisieren begonnen hat, wäre vor vier Monaten noch als rechtsradikal und islamophob gebrandmarkt worden.“ […]«

Ijoma Mangold | DIE ZEIT | 04.02.2016 | Der Verlust der Mitte | http://www.zeit.de/2016/04/deutschland-wirtschaft-linke-diskurs-mitte-rechte/komplettansicht

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2 Gedanken zu “„Zwischen der Hypermoral von links und der blanken Gewalt von rechts muss es wieder eine Mitte affektbeherrschter Zivilisiertheit geben.“

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