„Wir streicheln und schlagen sie, wir füttern und essen sie, wir betrachten sie als Lebewesen und als Maschinen.“

»[…] ist es moralisch vertretbar, ein Haustier zu halten?
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Ja, meines Erachtens ist es moralisch vertretbar, wenn man mit Haustieren wie Hunden oder Katzen zusammenlebt. Natürlich hängt alles von drei Faktoren ab: Wie lebt man mit Haustieren zusammen? Wie kommt man zu den Haustieren? Wie werden die Haustiere ernährt?
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Wer mit einem Haustier zusammenlebt, aber nicht bereit ist, bei Krankheit, Unfall oder Behinderung Aufwand zu leisten, betrachtet das Haustier nur als «Sonnenscheingefährten», die weg müssen, wenn die Situation schwierig wird. Das geht gar nicht.
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Man sollte sich auf jeden Fall überlegen, ob man nicht ein Tier aus einem Heim übernehmen kann.
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Alle wissen, dass die Tierindustrie höchst problematisch ist. Sie verursacht Leid und Tod bei Tieren, belastet die Umwelt und die Gesundheit von Menschen. Da dies in vielerlei Hinsicht ethisch problematische Wirkungen der Tierindustrie sind, sollte man sich dabei nicht zum Komplizen machen. Alternativ kann man Bioprodukte benutzen, Hunde vegetarisch ernähren – bei Katzen wohl sehr schwierig – oder Hunde vegan – bei Katzen vermutlich nicht möglich.
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Gewisse Tiere sollten Grundrechte erhalten, nämlich ein Recht auf Leben und ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Mit der Würde eines Tieres ist es unvereinbar, dass man es besitzen, kaufen, verkaufen, als Eigentum erwerben kann.
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Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf?
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Im Konsum von Tierprodukten. Fleisch und andere tierliche Produkte werden im grossen Stil industriell hergestellt. Wie bereits gesagt: Alle wissen, dass die Tierindustrie […] ethisch problematisch ist. Die Lösung ist ganz einfach: Verzicht auf Fleisch, Leder, Pelzkragen und weitgehend auf tierliche Produkte.
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Zu diesen Mitteln, mit denen ich nicht übereinstimme, gehört in erster Linie die Sachbeschädigung ohne direkten Nutzen für ein Tier, das sich in Not befindet. Das ist das Beispiel der Zerstörung der Hochsitze. Wie ist es aber mit einer Sachbeschädigung, die direkt einem Tier in Not hilft? Wenn man in einem Hundekurs fragt, ob es richtig sei, das Fenster eines Autos zu zerschlagen, das in praller Sonne steht und einen offensichtlich überhitzten und dehydrierten Hund enthält, dann sagen die meisten Kursbesucher: Aber sicher! Das ist Sachbeschädigung mit rechtfertigendem Notstand.
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In England stören Menschen die Fuchsjagd, in Österreich die Gatterjagd auf Wildschweine. Das sind beides allen Grundsätzen der Waidgerechtigkeit widersprechende und höchst unwürdige Praktiken, sodass es legitim erscheint, sie zu stören. Auch die ökonomische Schädigung jener, die vom Leid der Tiere profitieren, kann ohne Sachbeschädigung erfolgen, indem man die Produkte boykottiert oder zum Boykott aufruft.«

Markus Wild | Luzerner Zeitung | 06.05.2017 | «Wir streicheln und schlagen sie» | http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/schweiz/Wir-streicheln-und-schlagen-sie;art9641,1022671

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3 Gedanken zu “„Wir streicheln und schlagen sie, wir füttern und essen sie, wir betrachten sie als Lebewesen und als Maschinen.“

  1. Ich habe immer nur Katzen von Menschen übernommen, welche ins Ausland emigriert sind und diese nicht mitnehmen konnten. So konnte ich ihnen das Tierheim ersparen.
    Des weiteren esse ich KEIN Fleisch, und auch keine vegetarischen Ersatzprodukte, die so aussehen als ob. Das finde ich pervers, kann aber möglicherweise Umsteigern helfen.

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  2. Der Beitrag trifft in eine Kerbe:
    Wenn ich sehe wie viel ein Tier seinem Halter bedeuten kann, so dass beide etwas voneinander haben, Tier und Mensch, finde ich Haustiere wichtig und gut um soziale Komponenten zu fördern.
    Ich selbst möchte kein Haustier, es sei denn, es käme aus freien Stücken und bäte mich so intensiv um Freundschaft, dass ich nicht mehr rückwärts kann. Weil Tiere sich im besten Fall ihre Menschen suchen.
    Dieses Herumgeschnippele an Tieren lehne ich ab.
    Noch paar Dinge…führte jetzt zu weit hier.
    Es sind Freunde, die ihren Freunden ausgeliefert sind.
    Viele gezwungenerweise, verstümmelt an Ohren und Schwanz oder krank gezüchtet wie die armen Möpse…
    Liebe Grüße✨

    Gefällt 2 Personen

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