„Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

»[…] In einer gegen sozial Schwache, Randgruppen, Migranten und „Ausländer“ gerichteten Neidkampagne werden künstliche Gegensätze halluziniert: Zumeist wird die Emanzipation und Gleichberechtigung von Minderheiten angeklagt, da sie dem sozialen Wohlergehen der „normalen“, deutschen Bevölkerungsmehrheit im Wege stehe.
… | …
Entweder Schwulenemanzipation oder gute deutsche Renten, entweder Asylrecht oder anständige Löhne für hart arbeitende Deutsche. Solchen willkürlichen Gegenüberstellungen werden zumeist mit einer Anklage gegen die Linke verbunden, die sich zu wenig um die kleinen Leute (deutscher Abstammung) kümmere.
… | …
während es bei der Sozialpolitik beständig Rückschläge gegeben hat – gerade aufgrund der rechten Politik des Sozialabbaus.
… | …
Es kostet nicht viel, Schwulen, Behinderten, beruflich benachteiligten Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund die gleichen Rechte zuzugestehen. Deswegen sind ja die ganzen Argumentationsfiguren der rechten Neidkampagne so absurd.
… | …
Der landesweit krisenbedingt zunehmende Ausländerhass mit all seinen falschen Frontstellungen zwischen den „Einheimischen“ und „dem Fremden“ lässt sich aber sehr gut machtpolitisch instrumentalisieren.
*
Und dies ist die eigentliche Praxis der rechten Sozialdemagogie: Sie verleitet große Bevölkerungsteile dazu, entgegen ihren eigenen sozialen und wirtschaftlichen Interessen zu handeln, indem Minderheiten oder Fremde als Sündenböcke aufgebaut werden.
… | …
Von den Plänen zur Teilprivatisierung des Autobahnnetzes soll vor allem die angeschlagene deutsche Finanzbranche profitieren.
*
Über eine Infrastrukturgesellschaft sollen bis zu 49,9 Prozent des deutschen Autobahnennetzes an private „Investoren“ veräußert werden, wie Spiegel Online ausführte:
*
Das käme der Banken- und Versicherungsbranche entgegen, die einen besseren Zugang zu Infrastrukturprojekten fordert. Wegen der niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen suchen die Finanzinstitute wie Allianz, Axa und andere händeringend alternative, langfristige Anlageformen. Sie versprechen Milliardeninvestitionen in das Autobahnnetz und erwarten im Gegenzug stabile Renditen.
… | …
Im Endeffekt sollen die deutschen Autofahrer die krisenbedingt wegbrechenden Profite der deutschen Finanzbranche garantieren – indem man sie zur Kasse bittet. Innerhalb der Bundesregierung werde diskutiert, letztendlich all dies durch eine Pkw-Maut zu finanzieren.
… | …
Letztendlich geht es bei dem Vorhaben schließlich um milliardenschwere Subventionen für die deutsche Finanzbranche, die über den Umweg der Pkw-Maut von der autofahrenden „Allgemeinheit“ aufgepäppelt werden soll.
… | …
Die Ausländer, die sich erdreisten, auf deutschen Autobahnen zu fahren, sollten deren Modernisierung bezahlen – so lautete die durchgeknallte rechte Stammtischparole, mit der die Etablierung einer entsprechenden Erfassungs- und Überwachungsinfrastruktur auch für PKWs befürwortet wurde. (Angesichts der Exportweltmeisterschaften Deutschlands, die nur durch exzessive Nutzung der „ausländischen“ Infrastruktur in aller Welt möglich sind, wirkt diese rechte Argumentationsfigur übrigens arg ignorant.)
… | …
Deutschlands und Bayerns Stammtischbrüder werden nach der Bundestagswahl genau das bekommen, was sie wollen
… | …
Soziale und ökonomische Schweinereien lassen sich in Deutschland am besten vermittels der Hetze gegen Minderheiten – vorzugsweise Ausländer – durchsetzen. Dies war schon bei der Agenda 2010 und Hartz IV der Fall, als die Hetze gegen „Sozialschmarotzer“ (Florida-Rolf) die notwendigen Ressentiments der Bevölkerungsmehrheit mobilisierte, um die drakonischen Arbeitsgesetze durchzubringen, die letztendlich zu einer massiven Verschärfung des Arbeitsregimes in der Bundesrepublik führte.
*
Die derzeitige rechte, „nationalsozialistische“ Sozialdemagogie ist somit nur eine Fortsetzung der üblichen neoliberalen Demagogie der Agendapolitik, mit der Sozialkahlschlag, Entrechtung und Privatisierung legitimiert wurden. Das rechte Stimmvieh, die sprichwörtlichen dummen Kälber, die ihren eigenen Schlachter wählen, werden wohl bald eine neofeudal anmutende „Infrastruktur-Abgabe“ an Deutschlands Banken und Versicherungen entrichten – während sie sich zugleich über Ausländer empören, die „ihre“ Autobahnen nutzen. […]«

Tomasz Konicz | Telepolis | 17.11.2016 | Autobahn und Ausländerhass – Wie Ressentiments zur Durchsetzung von Sozialabbau und Privatisierungswahn instrumentalisiert werden | https://www.heise.de/tp/features/Autobahn-und-Auslaenderhass-3484941.html

Sollte sich der Urheber des hier verlinkten und zitierten Artikels durch das Posten dieser Verlinkung oder dem ganz oder teilweisen Zitieren aus dem verlinkten Artikel in seinem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte ich um einen kurzen Kommentar und einen Beleg der Urheberschaft. Das Beanstandete wird dann unverzüglich entfernt. | Eventuelle Werbung in optischer Nähe zu diesem Artikel stammt nicht von mir, sondern vom Social-Media-Hoster. Ich sehe diese Werbung nicht und bin nicht am Verdienst oder Gewinn beteiligt.

Advertisements

2 Gedanken zu “„Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s