„Die offengelegten Zahlen zeigen, dass Bio nicht zu teuer, sondern konventionell zu billig ist!“

»Spätere Generationen werden uns verspotten: Ihr wart so dumm, mit Sonderangeboten den Konsum und die Verschwendung anzuheizen, statt auf euer Wohlergehen und den Erhalt der Lebensgrundlagen zu achten. Eine andere, neue Bilanzierung zeigt den wahren Wert von Firmen und Produkten und beweist damit: Geiz ist nicht geil.
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warum sind unsere Nahrungsmittel billig wie nie? Die Antwort ist einfach: Weil die ökologischen und sozialen Kosten, die ihre Herstellung verursacht, nicht im Preis, den wir an der Kasse zahlen, enthalten sind.
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„True Cost Accounting“ will die Verbraucher nun über die wahren Kosten von Lebensmitteln aufklären und Schäden aufdecken und bilanzieren, die bislang nirgendwo auftauchen: Verdichtung und Übernutzung der Böden, Erosion, hoher Wasserverbrauch und Verschmutzung der Gewässer, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, Klimaveränderungen und soziale Ausbeutung (forum berichtete bereits über die Kampagne „Save our soils“ und trägt gemeinsam mit dem Global Nature Fund die „Business & Biodiversity Kampagne“).
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Stattdessen werden die ökologischen, sozialen und Gesundheitskosten externalisiert. „Den wahren Preis zahlt der Verbraucher indirekt“, erklärt Volkert Engelsman, Geschäftsführer von Eosta, einem internationalen Distributor für Bio-Obst und -Gemüse, „zum Beispiel, wenn er für die Folgen der Umweltzerstörung aufkommen muss, die die industrielle Landwirtschaft verursacht hat. Man denke an verarmte Böden, die durch intensiven Düngereinsatz so ausgelaugt sind, dass dort nichts mehr wächst. Oder an pestizidverseuchtes Grundwasser, das in Kläranlagen kostenintensiv gereinigt werden muss – zu Lasten des Steuerzahlers.“
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Treibhausgas-Emissionen, Wasserverbrauch, Wasserverunreinigung, Bodenerosion: Kosten wie diese zahlen wir nicht an der Kasse beim Lebensmittelhändler – sondern über Umwege als Steuerzahler oder über die Gebührenbescheide der Wasserversorger. Oder sie entstehen am anderen Ende der Welt, wo sie soziale Unruhen um fruchtbares Land oder Flüchtlingsströme verursachen und erst mit etwas Zeitverzögerung – aber umso höher – bei uns zu Buche schlagen. Oder sie werden aufgeschoben – auf kommende Generationen, auf unsere Kinder und Enkelkinder…
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Die offengelegten Zahlen zeigen, dass Bio nicht zu teuer, sondern konventionell zu billig ist!
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Die Konsumenten, die nachhaltig erzeugte Lebensmittel zu einem höheren Preis kaufen und der Gemeinschaft somit Geld einsparen, werden als Steuerzahler noch einmal zur Kasse gebeten, zahlen also doppelt. Um diese unfaire Situation auszugleichen, könnte der Gesetzgeber beispielsweise dauerhaft unterschiedliche Mehrwertsteuersätze für nachhaltig erzeugte und nichtnachhaltig erzeugte Lebensmittel anwenden.
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Dann müssen Firmen die versteckten Kosten ihrer Produkte ausweisen und ihre Gewinne und Zukunftsprognosen stehen in einem anderen Licht.
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Das Thema der Preistransparenz wird nach Ansicht von Unternehmensberatern in Zukunft an Bedeutung gewinnen, nicht zuletzt, weil die Folgen für die Umwelt auf Dauer nicht mehr von der Hand zu weisen sind.
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Es ist also keine Phantasterei, dass zukünftig der Wertverlust von Produktionsmitteln – Arbeitskraft, Wasser, Klima, Boden – im Preis von Produkten berücksichtigt werden muss.
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Unsere Abnehmer kalkulieren ihren Preis als Aufschlag auf das, was sie für konventionelle Rohstoffe zahlen müssen. Ein Bio-Mehrpreis, der weit über 20 Prozent hinausgeht, ist aus ihrer Sicht nicht kommunizierbar. Das führt dazu, dass der Mehraufwand für eine ökologische Produktion und der geringere Naturalertrag nicht vollständig abgedeckt werden. Ohne die Ökoprämien, die vom Staat gezahlt werden, könnten Bio-Bauern deshalb wirtschaftlich nicht mithalten.
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Ein immer wichtigerer Grund für Migration sind die Folgen des Klimawandels. Und zu diesem tragen in erheblichem Umfang auch eine Landwirtschaft und eine Ernährungsweise bei, die zu viel Energie verbrauchen, durch Stickstoffdünger und zu viele Nutztiere stark wirkende Treibhausgase produzieren und durch Humusabbau Kohlenstoff aus den Böden in die Atmosphäre transferieren.
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Der Markt sorgt nicht dafür, dass der Verbrauch von Allgemeingütern in die betriebswirtschaftliche Rechnung einfließt. In der Folge haben immer diejenigen die besten Chancen im Wettbewerb, denen es gelingt, den größten Teil ihrer Kosten auf die Allgemeinheit und künftige Generationen umzuwälzen.
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Die Politik […] kann durch Ordnungspolitik Praktiken der Produktion verbieten, die Allgemeingüter beschädigen.
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Zweitens kann sie Produktionsmittel, die externe Kosten verursachen, durch Abgaben teurer und damit ihren Einsatz unrentabler machen.
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Deshalb braucht es als drittes Instrument die Förderung. Die wirkt aber nur, wenn Fördermittel gezielt dafür eingesetzt werden, Bäuerinnen und Bauern für Leistungen zu bezahlen, die die Gesellschaft von ihnen braucht, die der Markt ihnen aber nicht bezahlt.«

Felix Prinz zu Löwenstein, Fritz Lietsch, Forum nachhaltig wirtschaften | forum Nachhaltig Wirtschaften | 01.11.2016 | Spottbillig – Ist billig wirklich billig? | http://www.forum-csr.net/News/10369/Spottbillig.html?_newsletter=126&_abo=547

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2 Antworten zu „Die offengelegten Zahlen zeigen, dass Bio nicht zu teuer, sondern konventionell zu billig ist!“

  1. Aurélie Sterntau schreibt:

    Da gibt es so viele Menschen, die gar nicht schlecht verdienen und dann bei Discountern einkaufen. Das verstehe ich überhaupt nicht. Lebensmittel sind das, was uns antreibt. Für das Auto wird das beste Motorenöl gekauft, in den eigenen Körper stopft man sich lauter ungesunde Dinge. Habe ich noch nie verstanden.

    Gefällt 4 Personen

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