Erna Jungbluth


»Erna Jungbluth wurde am 2. Oktober 1895 als Erna Abraham geboren. Die Eltern waren der Metzger Jakob Abraham (*6.7.1867 in Heimbach, gest. 17.4.1937) und Johanna Abraham, geb. Weinstock (*1.1.1871 in Hochhausen, gest. 21.3.1938). Sie sind auf dem jüdischen Friedhof in Neuwied-Niederbieber begraben (Grab D 8a und D 8b).

Die Geschwister waren: Joseph (*30.07.1893 Neuwied), Paula (*05.08.1894 Neuwied) und Helene (*21.11.1898 Neuwied).

Erna heiratete am 18.11.1921 in Neuwied Friedrich Jakob Jungbluth (*1891, gest. 8.6.1966 in Neuwied). Aus der Ehe ging ein Kind hervor. Sie wohnte in Neuwied, Luisenplatz 36 (heute: Langendorfer Straße 125).

Erna Jungbluth wurde am 13. Januar 1945 nach Theresienstadt deportiert und im Mai 1945 befreit. Sie ist am 18.6.1991 in Neuwied verstorben.

Bruder Joseph heiratete am 27.1.1929 in Neuwied Hedwig Scheyer (Scheier). Zum Zeitpunkt der Heirat wohnte Joseph in Elberfeld. Dort wurden Sohn Karlheinz (*23.12.1929) und Tochter Ruth (*30.09.1935) geboren. Die Familie Joseph Abraham wanderte am 15.09.1938 von Neuwied nach USA aus. Joseph (Jupp) verstarb 1978 in New York/USA.

Schwester Helene heiratete Gosta Wahlberg (aus Stockholm/Schweden). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Sie verstarb 1986 in Stockholm.

Über Erna Jungbluth, geb. Abraham, (zitiert nach den Kindheits- und Jugenderinnerungen von Toni Dasbach):

„Beim Rasselstein war ein Oberingenieur Friedrich Jungbluth beschäftigt, der wegen seiner Frau Erna, geb. Abraham, entlassen wurde. Friedrich Jungbluth wurde nach dem Krieg wieder als Werksleiter des Warmwalzwerkes I eingestellt. „Tante Erna“ (oder auch „Judde Erna“, wie sie liebevoll genannt wurde) war über dreißig Jahre lang Kundin im Textilgeschäft meiner Frau. Nie sprach sie nach dem Krieg über die NS-Zeit in Neuwied, auch nicht über ihre Jahre in Theresienstadt.

Erna Jungbluth war eine Tochter der Metzgerfamilie Jakob Abraham, deren Laden auf dem Luisenplatz neben dem Herrenbekleidungsgeschäft Frede (bis vor kurzem: Dienz) lag. In dem Abrahamschen Haus befindet sich heute das Glas- und Porzellangeschäft Jechel. Frau Jechel heiratete einen Herrn Bonn, dessen Vater im Polizeidienst bei der Judenverfolgung eine nicht unwesentliche Rolle spielte. Herr Fritz Stern aus der Familie der Kaufhausbesitzer erzählte mir, dass Erna Jungluth, seine Tante, noch kurz vor Kriegsende von einem „Herrn B.“ denunziert worden sei, obwohl Herr Jungbluth diesem „Herrn B.“ monatelang viel Geld gezahlt habe, damit er sie beschütze. In den letzten Kriegswochen lebte Erna, geb. Abraham, in Heimbach bei Verwandten; am 13.1.1945 wurden sie alle „abgeholt“ und nach Theresienstadt verbracht [1].

Fritz Stern konnte seine Tante als britischer Offizier nach dem Kriegsende im Mai 1945 in Theresienstadt retten; anschließend besuchte er seine Heimatstadt Neuwied. Er äußerte den Vorwurf, die Familie van Werden aus Rengsdorf habe sich das Kaufhaus Stern „in verbrecherischer Weise“ angeeignet, was diese natürlich leugnete, als er sie nach Kriegsende aufsuchte.“

Erinnerungen von Frau Magdalena Malzi:

„Jakob Abraham war der Metzger auf dem Luisenplatz (jetzt Jechel). Ein honoriger Mann, bei dem man beste Ware kaufen konnte. Seine Frau, die „ahl Abrahams“ war klein, dick, freundlich und sehr auf ihren Nutzen bedacht. Sie versprach meinem Bruder Hermann „e gud Frühstück“, wenn er ihr dieses oder jenes handwerklich besorgte. Abrahams Jupp, auch Metzger, war ein freundlicher, schöner junger Mann, den man gern haben konnte. Seine „feine Leberwurst“ (45 Pfennig das Viertel) musste ich oft für meinen Vater beim Jupp holen, wenn Vater seinen „Gähhunger“ bekam. Paula Abraham zog früh von Neuwied fort. Helene, eine bildschöne junge Jüdin, hat sich früh nach Schweden verheiratet. Und Abrahams Erna, verheiratet mit Fritz Jungbluth vom Rasselstein [2], war mit meiner Mutter befreundet. Ich kann mich an einen Besuch bei ihr auf dem Tonnenberg [3] erinnern. Als meine Mutter zu Erna nach dem Tode ihrer Eltern sagte, dass diese gottlob diese bösen Zeiten nicht mehr erlebt hätten, war Erna gekränkt und hat mich und meine Mutter nicht mehr angesehen. – Als ich einmal in Theresienstadt war, konnte ich nicht weiter als bis zum Eingangstor des KZ gehen. Ich musste immerzu an Abrahams Erna denken, die ja auch hier war, aber wieder nach Hause kam [4]. – Schwester Matrona vom Waisenhaus, die ja stets für „ihre Kranken“ Geld erbat, bekam auch von Frau Abraham einen Obolus. Ich habe noch das Bild vor Augen, wenn die Matrona in ihrem schwarzen Nonnenhabit neben der „ahl Abrahams“ durch die Marktstraße kam.

Die verschiedenen jüdischen Metzgergeschäfte im Stadtkern waren nicht sehr anziehend und wohl in der Hauptsache für ihre Glaubensgenossen da. Wir kauften nur bei Abrahams.“

[1] Ein Herr G. Moritz berichtet, Kriminaloberinspektor Heinrich Bonn habe Anfang 1945 den Deportationsbefehl unterschrieben, auf Grund dessen sie nach Theresienstadt deportiert worden sei. Bei Frau Jungbluth sei eine „große Sperre und Erbitterung“ zu spüren gewesen.

[2] dort Ingenieur

[3] im Ortsteil Rodenbach: Werkssiedlung des Rasselsteins

[4] Fritz Stern befreite als englischer Offizier seine Tante nach Kriegsende aus dem KZ. «

»[…] Schuld die auch wir hätten begehen können […]«

Quelle & weiterführende Links => http://stolpersteine-neuwied.de/index.php?option=com_content&view=article&id=88:jungbluth-erna&catid=8&Itemid=119 [abgerufen am 2017_08_30_06_25_40]

Vergessen ist der Ausgangspunkt von Wiederholung.

Unless the world learns the lesson these cruel fates teach, night will fall.

Holocaust | Mehr als ein Trostpflaster | Über die Stolpersteine ging man irgendwann hinweg. Dann kam ein privates Forscherteam mit einem aufrüttelnden Buch.
http://www.zeit.de/2017/05/stolpersteine-forschung-nationalsozialismus-opfer-oswald-pander/komplettansicht

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