Herzschmerz.


Er war des Lebens und der Liebe überdrüssig, aber nicht mutig und entschlossen genug, seinem Dasein eigenhändig ein Ende zu bereiten.
Geld, ja Geld, besaß er dagegen wie Heu. –

 

1991 sah er einen Film von Aki Kaurismäki im Kino. Der hatte ihn beeindruckt; an ihn erinnerte er sich jetzt. –

 

Das örtliche Rotlicht-Vietel durchschreitend und jede fragwürdige Gestalt ansprechend, landete er schließlich in einer dunklen Kaschemme.
Nachdem ein fünfhundert-Euro-Schein den Besitzer wechselte, hatte er eine Anleitung und einen Schlüssel.
Im Schließfach deponierte er fünfzigtausend Euro, ein Bild von sich und den Auftrag.
Der Countdown eines Monats begann. –

 

Wie jeden Sonntag kauft er sich seine Brötchen und die FASZ beim Bäcker um die Ecke.
Während er langsam und die erste Seite der Sonntagszeitung lesend über den Bahnhofsvorplatz geht, rempelt ihn ein Mann an – er taumelt, knickt ein, spürt noch kurz die Wärme auf der Haut unterhalb seines Herzens und nicht mehr den Aufschlag.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/10/08/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-41-17-wortspende-von-red-skies-over-paradise/

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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9 Antworten zu Herzschmerz.

  1. trixisonnenschein schreibt:

    woah
    drei alltägliche Worte

    und sooooo eine Geschichte!!!

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  2. Christiane schreibt:

    Ein Auftragsselbstmord. Ich hoffe, er ist glücklich mit seiner Entscheidung.
    (Hatte deine Etüde schon vermisst und wollte schon fragen. Nicht dass du denkst, dass du nicht darfst, weil es deine Wörter sind.)
    Liebe Grüße, schönes, sonniges Wochenende
    Christiane

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    • Es war eine wohlüberlegte und lange vorbereitete Entscheidung.

      Weil es meine Wortspende ist, wollte ich nicht vorpreschen.

      Danke, dir auch liebe Grüße und ein schönes Wochenende. Und wenn die Sonne nicht vom Himmel scheint, so haben wir sie im Herzen.

      Bernd

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  3. diespringerin schreibt:

    Unglaublich, wie gut du ein ganzes Leben in einen kurzen Text packen kannst. Und wieviel da drinsteckt, ohne ihn zu überladen. Sehr präzise. Und ebenso scharf wie ein Skalpell. Wirft alles durcheinander, woran man glaubt. Das ist gut, denn nichts im Leben ist sicher. Und Geld schafft weder echte Sicherheit noch ist es ein Garant für Glück …

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  4. Karin schreibt:

    Trauriger Herbstblues. Kann ich ihn verstehen? Nein, obwohl ich ein Befürworter für selbstbestimmtes Sterben bin.
    Ich wünsche ein sonniges Wochenende mit viel Lebensfreude!

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