„Sie stehen viel aufrechter da, sie reden selbstbewusst von sich selbst, sie haben einen viel umsichtigeren Blick für sich, aber auch für die Mitmenschen.“

»[…] „Seitdem ich mein eigenes Grundeinkommen habe, bin ich als Persönlichkeit total aufgeblüht. Ich habe mich teilweise selbst nicht wieder erkannt – durch eigentlich weniger Geld als vorher, aber es war eben bedingungslos. Ich bin kreativer geworden und lustiger und führe bessere Freundschaften und Beziehungen, bin ein besserer Vater, lebe gesünder und habe den Kopf voller neuer Ideen. Und ja, ich habe eigentlich eine neue Art von Dasein und Leben erkannt.“
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„Alle Leute berichten, so unterschiedlich sie sind, dass dieses Grundeinkommen sie besser schlafen lässt und dass sie im Kern das Gleiche machen wie bisher. Dass es also mitnichten so ist, dass die Leute ihre Jobs verlassen. Die Leute machen aber in dem, was sie bisher gemacht haben, jetzt Fortschritte. Sie entwickeln sich weiter, sie bilden sich fort, sie schaffen mehr und sind dabei weniger gestresst, einfach weil durch dieses zusätzliche Geld auf einmal ein bisschen mehr Freiraum entsteht, und der entsteht gar nicht unbedingt real, sondern vor allem im Kopf.“
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„Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann eine Grundlage sein, um ein menschenwürdiges Leben zu führen.“
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„Wir müssen unsere Gesellschaft absichern, deswegen die Idee des Grundeinkommens.“
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„Die digitale Revolution wird dazu führen, dass es weniger Arbeit gibt. Und wenn es für alle weniger Arbeit gibt, dann will ich, dass die Franzosen selbst darüber bestimmen können, wie sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Wer kürzer arbeitet, braucht dennoch genügend Geld, um davon leben zu können. Ein allgemeines Grundeinkommen erlaubt, dass jeder selbst wählt, um wie viel er seine Arbeitszeit reduziert, weil man weiß, dass man keine Kaufkraft verliert.“
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„Das Grundeinkommen enthebt uns doch bloß der Notwendigkeit, die Arbeit anständig zu bezahlen. Einige Unternehmer würden begeistert sein, wenn sie keine richtigen Löhne mehr bezahlen müssten.“
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„Wohlstand und sozialer Frieden hängen zusammen, und das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Darum ist auch ein zu großes Ungleichgewicht bei der Verteilung von Wohlstand hochproblematisch. Was wir bedenken müssen, ist, dass Wirtschaft auch Nachfrage braucht. Und je breiter der Wohlstand verteilt ist, desto höher ist auch die Nachfrage.“
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Dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht und dass das es nicht gut ist für die Gesellschaft, das sehen auch die Gewerkschaften so. Doch anders als Höttges und Kaeser wollen sie das Problem mit besseren Tarifverträgen angehen und nicht mit Überlegungen zu einem bedingungslosen Grundeinkommen. Es fehlt an Gerechtigkeit, meint Anke Hassel, nicht an Arbeit.
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In der Tat bleiben die Befürworter des Grundeinkommens bei der Frage nach der Finanzierung meist sehr vage.
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„Das Grundeinkommen in niedriger Höhe ist finanzierbar. Sobald man damit tatsächlich ein menschenwürdiges Leben sichern will, also ab einer Größenordnung von 1.000 Euro für jeden und jede, wird das Grundeinkommen so teuer, dass das auf Kosten sozialer Investitionen in Bildung, Gesundheit und so weiter geht. Wenn man vor die Wahl gestellt ist, ein starkes Bildungs- und Gesundheitswesen, Möglichkeiten für Menschen, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, dann sollte man sich für diese Option entscheiden, statt eine gleiche Alimentierung aller anzustreben.“
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Linke und Humanisten träumen von einem finanziell abgesicherten Leben, in dem sich jeder individuell entfalten und entwickeln kann. Ein solches Grundeinkommen müsste dementsprechend großzügig ausgestaltet sein und die bestehenden sozialen Sicherungssysteme wie Rente, Krankenkasse, Mutterschutz und Arbeitsgesetzgebung weitgehend unangetastet lassen.
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Bei konservativen und liberalen Vordenkern dagegen wird ein ganz anderes Modell gehandelt. Das bedingungslose Grundeinkommen soll vor allem die bestehenden Sicherungssysteme ersetzen.
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„Das bedingungslose Grundeinkommen ist ja so formuliert, dass der Staat in seiner Organisation kleiner wird. Und das wäre ja etwas, was man ja auch will: Entbürokratisierung. Dieser Effekt würde tatsächlich eintreten, übrigens mit hoher Arbeitslosigkeit im öffentlichen Raum. Das muss man erst einmal mitdenken. Aber wenn man das Grundeinkommen will, dann denkt man ja, die Arbeitslosigkeit wird ja durch das Grundeinkommen kompensiert, dadurch, dass die Leute Geld kriegen, aber keine Arbeit mehr. Ob wir das aushalten? Gerade in Deutschland, einem Workaholic-Land? Wir sind ja sozial auf Arbeit trainiert. Der Sinn des Lebens besteht ja wesentlich für breite Schichten darin, zu arbeiten.“
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„Der Gedanke des Kreativwerdens und des sich selber Entfaltens ist ein Gedanke der Romantik des 19. Jahrhunderts, des großen Bildungsdenkens des 19. Jahrhunderts. Bildung aber ist eine Arbeit; man muss sich ein Bild von sich selber machen, auf das hin man selbst sich entwickeln will. Dazu muss man aber vorbereitet sein. Das heißt, man muss sozusagen höherwertige Schulbildung haben.“
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Weiterbildung ist anstrengend. Vielen Menschen zu anstrengend. Vor allem im Niedriglohnsektor, also dort, wo das bedingungslose Grundeinkommen die größten Auswirkungen hätte, dort könnte es junge Menschen sogar von Weiterbildung abhalten.
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„Das ist das süße Gift, also die Wahl, vor die sie gestellt werden: Die unmittelbare Gratifikation jetzt über ein bedingungsloses Grundeinkommen, oder eine langfristige Investition in Bildung. Und da befürchte ich einfach, dass es einen erheblichen Teil von jungen Menschen gibt, die dann sagen, na ja, der eine Weg ist doch einfacher als der andere.“
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Doch die Jobs für diese Menschen sind selten attraktiv, umso wichtiger sei es, dass sie Geld für Arbeit bekommen, nicht fürs Nichtstun.
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„Für viele ist es jetzt auch schon, gerade mit der Grundversorgung über Hartz IV oder Kindergeld, ja, ist die Motivation sehr gering zu arbeiten. Ich glaube, wenn da noch ein Grundeinkommen dazukommt, ich glaube, dann würde das eher hinderlich sein als förderlich.“
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„Es gibt eine Gerechtigkeitsvorstellung der Solidarität, also dass die Stärkeren den Schwächeren helfen sollen. Aber auch Solidarität ist nicht bedingungslos, sondern Solidarität knüpft immer auch daran an, dass man erwartet, dass auch die Schwächeren dazu beitragen, sich aus ihrer Situation zu befreien und sich selbst auch zu helfen.
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„Wenn ich mich mit Leuten treffe, die Grundeinkommen gewonnen haben, dann sind die am Jahresende im Vergleich zum Jahresanfang komplett unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie stehen viel aufrechter da, sie reden selbstbewusst von sich selbst, sie haben einen viel umsichtigeren Blick für sich, aber auch für die Mitmenschen. Zum Beispiel engagieren sich fast alle Leute, die gewonnen haben, auf einmal ehrenamtlich. Weil sie selber eben in dieser Gesellschaft abgesichert sind und ein Gefühl der Fülle erlebt haben, können sie das an andere weitergeben. Und ich glaube, das ist der Effekt, der uns mit Grundeinkommen, ja, Schönes bescheren könnte.“ […]«

Alois Berger | Deutschlandfunk | 17.04.2017 | Balsam für den sozialen Frieden – Bedingungsloses Grundeinkommen | http://www.deutschlandfunk.de/bedingungsloses-grundeinkommen-balsam-fuer-den-sozialen.724.de.html?dram:article_id=383978

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Über Red Skies Over Paradise

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