„Ich wünsche mir, dass jeder, der per facebook zur Jagd aufgerufen hat und alle die das geliked haben, die Segnungen des Rechtsstaates zu spüren bekommen.“

»Die Fahndung löst Reaktionen aus, die befürchten ließen, dass der Tatverdächtige einem Lynchmob zum Opfer hätte fallen können. Bei SAT1 NRW wurde die Stimmung unheimlich.
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Auf Grund einer Ausschreibung zur Aufenthaltsermittlung eines Beschuldigten oder Zeugen darf bei einer Straftat von erheblicher Bedeutung auch eine Öffentlichkeitsfahndung angeordnet werden, wenn der Beschuldigte der Begehung der Straftat dringend verdächtig ist und die Aufenthaltsermittlung auf andere Weise erheblich weniger Erfolg versprechend oder wesentlich erschwert wäre.
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Mit der Zulässigkeit solcher Öffentlichkeitsfahndungen gibt es also im vorliegenden Fall überhaupt kein rechtliches Problem.
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Öffentlichkeitsfahndungen der Polizei sind kein Startsignal zur Menschenhatz, sondern ein Mittel der Strafprozessordnung, um einen Tatverdächtigen möglichst schnell zu finden.
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Es ist schon traurig genug, dass die Anhänger der durch das Grundgesetz ausdrücklich verbotenen Todesstrafe nicht nur in den finsteren Ecken des Internets ihre menschenverachtenden, sadistischen Phantasien ausleben können, sondern ihnen auch noch dazu auf der offiziellen Facebookseite eines TV-Senders breiter Raum gewährt wird, ohne das ein Moderator auch nur zur Mäßigung aufruft.
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Unsere Medien vermitteln die elementaren Prinzipien des Rechtsstaats so gut wie gar nicht. Sie lieben aber die Berichterstattung über Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch. Das scheint das Volk zu lieben. Grausame Verbrechen bringt Quote.
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Wenn es Fotos oder Videos aus Überwachungskameras oder aus dem Netz gibt, werden die gerne immer wieder gezeigt und damit die Wut angeheizt.
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Offenbar sind die Begriffe Sicherungsverwahrung und Maßregelvollzug Fremdworte im allgemeinen Bewusstsein.
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Kommen Sie bloß niemandem mit der Unschuldsvermutung, also dem Grundsatz, dass ein Verdächtiger solange als unschuldig zu behandeln ist, bis er rechtskräftig verurteilt wurde. Das hören die Leute gar nicht gerne.
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Rübe ab, heißt die Losung.
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Das Volk – jedenfalls die, die sich als „das Volk“ bezeichnen – will lieber einen echten Volksgerichtshof, bei dem der schäbige Lump am Ende aufgeknüpft wird, nachdem er erst ordentlich zusammen gebrüllt und möglichst noch etwas gequält wurde.
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Das Gewaltmonopol liegt beim Staat, nicht beim Volk oder denen, die sich dafür halten. Wenn dieses Gewaltmonopol nicht akzeptiert wird, drohen katastrophale Zustände.
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Auch ein Mörder wird von Art. 1 Abs.1 GG geschützt, auch er hat eine nicht entziehbare Menschenwürde. Die kann man auch durch die unerträglichste Tat nicht verwirken. Die hat man, weil man Mensch ist. Wer das nicht akzeptieren will, greift seinerseits die Basis unseres Rechtsstaats an. Dass die einzige Partei, die die Todesstrafe wieder einführen will, eine mit verfassungswidrigen Zielen ist, kann kaum verwundern.
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Der Mensch ist immer Subjekt und darf nie zum bloßen Objekt anderer gemacht werden. Die Todesstrafe ist unter keinem Gesichtspunkt zu rechtfertigen. Sie ist nicht umsonst in unserer Verfassung ausgeschlossen.
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Die Verfassungsmütter und – väter kannten ihr Volk und seine schwelenden Mordgelüste, seine archaischen Rachebedürfnisse und seine ständige Gefährdung, die Würde des Menschen gering zu schätzen. Und weil sie sie kannten, haben sie dem deutschen Volk eine demokratische Notbremse verpasst, einen unüberwindlichen Wall gegen die Unmenschlichkeit.
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die Todesstrafe bekommt ihr trotzdem nicht! Wegen der Verfassungsväter und -mütter. Wer seine Brut kennt, der setzt ihr früh genug Schranken und da haben die ganze Arbeit geleistet.
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Sie dachten für die Ewigkeit.
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Das Grundgesetz hat eine Ewigkeitsgarantie. […] nicht das ganze Grundgesetz, aber die Art. 1 Abs. 1 bis 3 GG und Art. 20 Abs. 1 bis 3 GG gelten bis zum Ende aller Zeiten.
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Weil aber das Verbot der Todesstrafe sich aus dem Prinzip der Menschenwürde ergibt, ist es nichts mit ändern, denn die Menschenwürde wird durch Art. 1 GG geschützt.“
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Wer die Todesstrafe will, will die Verfassung nicht. Der will auch meistens keine Religionsfreiheit, keine Pressefreiheit und keine Gleichberechtigung. Der will zurück in die finsteren Zeiten der Deutschen Geschichte.
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Dass sie sich anmaßen, darüber zu bestimmen, wer leben darf und wer nicht? Spüren sie nicht, dass es genau dieser blinde Hass ist, der sie bei ihren Kommentaren und Postings leitet, der am Ende des Tages zu Gewalttaten führt?
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Ich wünsche mir, dass jeder, der per facebook zur Jagd aufgerufen hat und alle die das geliked haben, die Segnungen des Rechtsstaates zu spüren bekommen.
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Straftäter müssen verfolgt werden […] Der Aufruf zu einem Lynchmob kann ohne weiteres als Anstiftung zum Mord gewertet werden. Und selbst wenn der Mord dann nicht passiert, kann man bis zu 5 Jahre für eine solche Aufforderung kassieren.
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Wer Selbstjustiz übt oder dazu aufruft, muss bestraft werden.
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Ich meine, dass der Moderator einer Plattform sich ebenfalls strafbar machen kann, wenn er derartigen Dreck auf ihrer Seite trotz Hinweises nicht entfernt. […]«

Heinrich Schmitz | Die Kolumnisten | 11.03.2017 | Menschenhatz | https://diekolumnisten.de/2017/03/11/menschenhatz/

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