Refugees welcome!


Vor dreizehn Wochen war der erste Tag ihrer langwierigen Reise: sie standen in Lindau am Ufer des Bodensees – des Bodensees, von dem nur noch der Boden übriggeblieben und der See verschwunden, dessen Wasser, nachdem die Quellen versiegten, restlos verdunstet war.

Ein Jahr nachdem die letzte Flussquelle versiegte, machten Max und die schwangere Anna einen Schritt nach vorn in den ausgetrockneten See – sie wollten zu Fuß durch das Flussbett des Rheins gen Norden, nach Nijmegen an den neuen Nordsee-Hafen um eines der Schiffe in eine vielleicht bessere, bestimmt aber ungewisse Zukunft zu ergattern.

Obwohl die Flüsse kein Wasser mehr führten, waren doch die Flusssenken die kühlsten Punkte in einem Europa, in dem die Luft seit Jahren vor Hitze flimmerte.

Sie waren nicht allein: aus dem Wasserstrom des Rheins wurde ein unendlich scheinender Menschenstrom.

Allen Unkenrufen zum Trotz verhielten sich die Klima-Flüchtlinge nicht egoistisch, sonder solidarisch: Einer half dem Anderen, jeder diente dem Anderen mit seinen Gaben.

Glücksgefühle trotz aller Not!

Nach vier Wochen erreichten sie Köln, eine der Städte, in denen alle Botschaften der Welt Dependancen eröffnet haben, um den Flüchtenden Visa für die Überfahrt in alle Herren Länder auszustellen.

Anna und Max bekamen Visa für Peru zugewiesen und in der peruanischen Botschaft lernten sie den Kölner Lukas kennen; es war Freundschaft auf den ersten Blick bzw. auf den ersten Trommelschlag und Lukas schloss sich ihnen mit seinem Trömmelchen an.

Lukas war seit seiner Kindheit Trommler bei den Ara Macao, DER Samba-Batucada-Gruppe aus Köln; bei ihm klang die Caixa so, als ob er klöppele und in dem er ihren Fußmarsch von Köln nach Nijmegen rhythmisch untermalte, erreichten sie ihr Ziel in relativer Leichtfüßigkeit nach weiteren sieben Tagen.

In Nijmegen warteten sie noch einmal acht Wochen in einem Auffanglager bis ein Schiff, auf dem die kleine Magdalena das Licht der Welt erblickte, sie Vier sicher nach Peru in ein neues Leben übersetzte.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/11/26/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-48-17-wortspende-von-myriade/

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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6 Antworten zu Refugees welcome!

  1. gingerpoetry schreibt:

    Uhhh, Gänsehaut! Super Geschichte! Liebe Grüße Carmen

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  2. Christiane schreibt:

    Wieder eine deiner Utopien, bei denen es mir den Rücken runterläuft, weil sie so realistisch scheinen …
    Liebe Grüße zum Sonntag
    Christiane

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  3. Myriade schreibt:

    Weltuntergang mit happy end, eigentlich sehr positiv alles …….

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