Cei aleși. – Die Auserwählten.


Auf der improvisierten Bühne standen vierundzwanzig als Engel verkleidete Mädchen im Alter zwischen acht und achtzehn Jahren.

Jeden Abend; Punkt zwanzig Uhr; vom dreißigsten November bis dreiundzwanzigsten Dezember; Brauchtum in diesen Kreisen: Loteria cadou oder calendar viu advent wie sie es nannten – Geschenklotterie oder lebender Adventskalender.

Jedes Mädchen trug ein Schild mit einer Nummer zwischen eins und vierundzwanzig.

Sie blickten in einen abgedunkelten und verrauchten Saal.

Viele Mädchen hatten rote Flecken auf ihren nackten Armen: der Stress setzte ihnen zu – und die Angst.

Darauf hatte Răducu lange gewartet: dieses Jahr gehörte er zu den auserwählten Vierundzwanzig.

Zamfir, ein kleiner Junge, zog nacheinander die vierundzwanzig Kugeln aus einer Lostrommel.

Heute gewann Răducu das Los mit der Nummer sieben, ein elfjähriges Mädchen mit schwarzen Haaren, braunen Augen, schmalen Lippen, kreidebleich; Grațiana stand auf der Rückseite ihres Schildes, ihr Künstlername.

Răducu nahm Grațiana vorsichtig an die Hand und zog sie sanft mit sich in eines der über fünfzig Zimmer dieses Etablissements … – – – – –

Ohne einen weltweiten Aufstand der Anständigen werden wir die Hoffnung auf Rettung, die diese und die vielen anderen Opfer jeglicher Gewalt überleben lässt, Tag für Tag enttäuschen.

http://www.strassenkinderreport.de/index.php?goto=451

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/12/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-49-50-51-17-adventsetueden/

 

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter RSOPfiction abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Cei aleși. – Die Auserwählten.

  1. Anna-Lena schreibt:

    Auch auf diese Weise kann man aufrütteln und bewusst machen.
    Danke dafür und einen schönen 2. Advent für dich,
    Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

  2. gkazakou schreibt:

    ich muss wohl „like“ anklicken, denn die Geschichte ist verdammt gut erzählt. Was in der dankenswerterweise angehängten Dokumentation fehlt, ist ein Hinweis auf die anderen europäischen Länder, die Rumänien mit ihrem Roma-Problem allein lassen. Denn dass die Integration dieser Menschen in ein modernes westliches Land leicht sei, will wohl niemand behaupten. So wird vieles aus westlichen Mündern zur Rumänien-Schelte, anstatt dass man mal hinschaute, wie zB in Deutschland gegen „illegale Zuwanderung“ der Roma-Bevölkerung vorgegangen und was in diesem „Wohlfahrtsstaat“ zu ihrer Integration unternommen wird.
    Seit der Zerstörung von Jugoslawien ist auch die relativ hohe Integration der dortigen Roma-Bevölkerung zerstört worden – besonders wurde sie von den siegreichen Albanern aus dem Kosovo vertrieben, wo sie feste Siedlungen hatte. Die in Deutschland auftauchten, galten als „Serben“ und wurden in „ihre Heimat“, nämlich ins kriegszerstörte Rest-Serbien und nicht in den Kosovo, wo sie gefährdet waren, abgeschoben.
    Kennst du den Film von Emir Kosturica „Zeit der Zigeuner“? Kosturica ist wohl selbst halber Zigeuner und kennt sich aus.
    https://www.google.gr/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=8&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjg3Offhv_XAhUEOJoKHZubBMUQFgg8MAc&url=http%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2F1991%2F36%2Fein-film-wie-perhan&usg=AOvVaw3ZDN72OwZQICeS_JycazHx

    Gefällt 1 Person

  3. Christiane schreibt:

    Wenn man deine Geschichte doch bloß als Fiktion abtun könnte. Ich glaube, das ist am schlimmsten daran.
    Dir dennoch einen heiteren zweiten Advent!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

Kommentare sind geschlossen.