Abort.


Hätte sie sich doch bloß nicht mit diesem Jungen eingelassen!
Nun trug sie diese Bürde mit sich herum.
Mit 15.

 

Alle in ihrem Dorf würden mit Fingern auf sie zeigen und sich hinter ihrem Rücken die Mäuler zerreißen, selbst in diesen modernen Zeiten – hier schien nämlich die Zeit stehengeblieben zu sein.
Sie hatte Angst vor allem, was kam.
Sie meinte jetzt schon, in der zehnten Woche, die Blicke der Anderen auf sich ruhen zu spüren, empfand ihren Bauch speckig.

 

Nachdem sie wochenlang den Besuch bei „donum vitae“ geschoben hatte, fuhr sie heute auf den letzten Drücker zu ihnen nach Montabaur. –

 

Ja, ich bin ein Geschenk, das neues Leben schenken kann.
Sie entschied sich, ihr Kind auszutragen und zur Adoption freizugeben.

 

28 Wochen später gebar sie ein gesundes Mädchen, das nach sieben Tagen von einem ungewollt kinderlosen Paar angenommen wurde.

 

 

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/01/07/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-02-18-wortspende-von-irgendwas-ist-immer/

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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13 Antworten zu Abort.

  1. fundevogelnest schreibt:

    Wie mag es ihr in den 28 Wochen gegangen sein?
    Ein Kind in sich wachsen spüren mit dem Wissen es weg zu geben? All die körperlichen Einschränkungen und Schmerzen der Geburt (und bitte,bitte kein Alkohol)? Alle Fragen von denen aushalten, die den Bauch gesehen haben und nun das Kind sehen wollen. Ich musste es nie entscheiden,aber ich kann die verstehen,die den kürzeren Weg wählen.
    Und dann: Zu Neujahr ein Schreiben der Sozialsenatorin im Briefkasten: Liebe Pflegeeltern, werbt doch in eurem Umfeld um neue Pflegeeltern, das nennt man wohl händeringend.

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    • Wer miterleben durfte, wie sich eine leibliche Mutter und ihr Kind nach fast dreißig Jahren der Trennung erstmals begegneten, sich in die Arme nahmen und beste Freundinnen wurden, der ahnt, dass Abtreibung nie ein Happy-End hat, eine Adoptionsfreigabe aber ein Happy-End haben kann. –

      Ja, das nennt man händeringend.

      Liebe Grüße. Bernd

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  2. Anna-Lena schreibt:

    Klasse – realistisch und wegweisend!
    Herzliche Sonntagsgrüße
    Anna-Lena

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  3. Christiane schreibt:

    Mutige Entscheidung, die (immer noch?) viel zu selten getroffen wird. Ich finde es auch gut, dass du eine mögliche Beratungseinrichtung nennst.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    • In Deutschland werden Kinder entweder abgetrieben oder ausgetragen und nicht zur Adoption freigegeben. Die Kinder bleiben bei der Mutter/Eltern. – Pflegestellen für Pflegekinder werden händeringend überall gesucht.

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      • Christiane schreibt:

        Händeringend, so schlimm? Wusste ich nicht. Danke.

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        • Es können gar nicht so viele Kinder durch die Jugendämter in Obhut genommen werden, wie es für das Kindeswohl nötig wäre.

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          • Christiane schreibt:

            DAS wiederum weiß ich, gerade in den Großstädten muss es ziemlich oft der reine Horror sein, und ich weiß auch, dass andere Einrichtung auch oft genug nicht das Gelbe vom Ei sind.

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            • Und ich könnte kotzen, wenn ich daran danke, was eine Drohne kostet und wieviele ErzieherInnen/LeherInnen/KrankenpflegerInnen/AltenpflegerInnen usw usf davon adäquat bezahlt werden könnten.
              Und wofür ich monatelange Sondierungsgespräche/Koalitionsverhandlungen brauche, wenn die drängenden Probleme allein durch den gesunden Menschenverstand von freien Abgeordneten (wir brauchen keine Parteisoldaten) überparteilich entschieden werden könnten.

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              • Christiane schreibt:

                Jupp. Meine Zahlen sind schon älter, aber ich weiß noch, dass ich genauso gekotzt habe, als ich gelesen habe, wie viele Lehrer von einem Panzer bezahlt werden können … und wie lange.

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