„Wir lernen wieder, die Natur nicht nur als Ware zu begreifen, sondern sie als unseren größten Schatz zu verstehen.“

» […] Losgelöst vom bloßen Trend treffen die meisten Veganer jedoch ihre Entscheidung aus ethischen Gründen. Sie empfinden Mitleid mit den Tieren und wollen mit ihrer Ernährungsweise zur Abkehr von der Massentierhaltung beitragen.
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Das Ausmaß, in dem wir tierische Produkte, vor allem Fleisch und Wurst, konsumieren, verlangt, dass die Tiere unter unwürdigsten Bedingungen gehalten werden müssen.
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Hühner werden, um möglichst viel Profit mit ihnen zu erzielen, auf engstem Raum gehalten. Das führt zu Aggressivität unter den Tieren. Die „Lösung“ besteht nicht darin, weniger Tiere auf gleicher Fläche zu halten, sondern man schneidet ihnen die Schnäbel ab. In der Eierproduktion werden männliche Küken systematisch durch die grausame Prozedur des Schredderns aussortiert, da nur weibliche Hühner Eier legen können.
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Milchkühe werden in der Regel ihr ganzes Leben lang im Stall ohne Zugang zu einer Weide gehalten, zum Teil sind sie ohne jeglichen Bewegungsspielraum angebunden. Kälbern werden ohne Betäubung die Hornansätze ausgebrannt. Die einseitige Zucht auf Milchhochleistung ist die Regel. Daher erhalten die Kühe auch nicht tiergerechtes Kraftfutter aus Mais, Soja und Raps.
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Schweine sind hochintelligente und soziale Lebewesen und werden, damit wir im Supermarkt Hackfleisch für einen Spottpreis kaufen können, ebenfalls unter schlechtesten Bedingungen und ebenfalls auf engstem Raum gehalten. Ihre natürlichen Triebe werden unterdrückt und sie leiden unter Krankheiten, die zum frühzeitigen Tod führen können.
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Wer heute also noch glaubt, Tiere hätten kein Schmerzempfinden und verhielten sich unsozial, um damit seinen Konsum zu rechtfertigen, wird in erster Linie uninformiert sein.
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Und es gibt sicher auch Konsumenten, die über die Lage der Tiere in der Massentierhaltung Bescheid wissen, aber aus Ignoranz nichts an ihrem Essverhalten ändern wollen.
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Ein weiterer Aspekt, sich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden, ist die Auseinandersetzung mit den Umweltproblemen unserer Zeit.
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So wurden beispielsweise im Amazonasgebiet bereits 70 Prozent des Regenwaldes für Weideflächen und zum Anbau von Futtermitteln abgeholzt.
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Der „Produktionsprozess“ eines Kilogramms Fleisch benötigt 15.500 Liter Wasser.
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Zusätzlich trägt die Fleischproduktion dazu bei, dass über die Entsorgung der anfallenden Gülle auf den Feldern der Boden und das Grundwasser mit Nitraten und Phosphaten überastet werden.
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Durch Monokulturen für Futtermittel und Überweidung kommt es zur Bodenverdichtung und Erosion. Darunter leidet die Bodenfruchtbarkeit.
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Aus den genannten Gründen der Ethik und des Umweltschutzes erscheint es also nur vernünftig, ganz auf den Verzehr tierischer Produkte zu verzichten.
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Vielmehr stellte ich mir die Frage, was es in der Konsequenz bedeutet, unter den gegebenen kapitalistischen Bedingungen vegan zu leben.
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Auch wenn Soja bislang vor allem in der Futtermittelproduktion benötigt wird, so stammt das Soja, welches sich in veganen Produkten befindet, oft von den selben Plantagen.
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Auch wenn die vegane Ernährung Umweltprobleme löst, die mit der Massentierhaltung verbunden sind, schafft sie spezifische neue.
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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Menschen mit einer veganen Ernährungsweise für die Tierrechte einstehen und einen Beitrag zur Verbesserung der Haltungsbedingungen der Tiere und im besten Fall zur Abschaffung der Massentierhaltung leisten. Umweltprobleme und Armut in der „dritten Welt“ lassen sich, unter den derzeit gegebenen Zuständen, aber auch durch Veganismus nicht lösen.
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Dabei sollte man sich bewusstmachen, dass nicht Massentierhaltung oder Veganismus selbst das Problem sind, sondern die kapitalistische Wirtschaftsweise, unter der die Nahrungsproduktion stattfindet. Es geht also darum, auch bei seiner Ernährung auf Produkte zurückzugreifen, die nicht aus Kreisläufen stammen, die dem unendlichen Wachstumszwang unterliegen. Dabei ist es ökologisch und ökonomisch am wertvollsten, regionale Wirtschaften zu unterstützen und damit zu stärken. Es kommt vor allem darauf an, dass wir den Konsum tierischer Produkte drastisch reduzieren, denn nur dann können Tiere artgerecht gehalten werden.
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Wir lernen wieder, die Natur nicht nur als Ware zu begreifen, sondern sie als unseren größten Schatz zu verstehen.
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Tiere und die Erde erfüllen mehr als nur das Grundbedürfnis nach Nahrung. Sie zeigen uns den Weg zu uns selbst. […] «

Nina Forberger | Rubikon | 22.11.2017 | Kann Veganismus die Welt retten? | https://www.rubikon.news/artikel/kann-veganismus-die-welt-retten

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2 Gedanken zu “„Wir lernen wieder, die Natur nicht nur als Ware zu begreifen, sondern sie als unseren größten Schatz zu verstehen.“

  1. Ein interessantes und wichtiges Thema. Ich kann nicht beurteilen, ob das, was du über die Landwirtschaft sagst, so grossenteils stimmt (oder zu wie grossen Teilen) – ich kenne das persönlich anders, da ich mit Bauern befreundet bin, da auch Einblick habe, meine Eltern in einem Bergbauerndorf leben, wo Tiere anders gehalten werden als hier beschrieben.

    Trotzdem war ich viele Jahre Vegetarier, teilweise fast vegan. Nach einer „Pause“ gehe ich zum Vegetarismus zurück. Vegan werde ich wohl kaum je sein, aber drauf achten, was und welcher Produktion ich es esse – das gilt aber auch für pflanzliche Produkte. Wenn ich den Avocadokonsum ansehe und ein wenig die Hintergründe in dem Bereich kenne, ist das auch ein Bereich, wo noch Verbesserungsbedarf besteht (um nur ein Beispiel zu nennen).

    Bei einem bewussten und achtsamen Umgang mit dem, was um uns ist, sähe ich auch Fleischkonsum weniger problematisch, als er sich heute darstellt. Ich würde trotzdem wieder vegetarisch essen.

    Gefällt 3 Personen

    • D’accord. Die Industrie hat die vegane Lebensweise als gewinnbringend erkannt und wiederholt hier das Gleiche wie in der Milch- und Fleischwirtschaft. Der informierte Verbraucher hat es in der Hand, regionale Produkte einzukaufen, die umweltverträglich produziert und transportiert werden. Er kann dem Lebensmittel den (Stellen-)Wert zurückgeben, der ihm gebührt: ein wertvolles Gut.

      Liebe Grüße.

      Bernd

      Gefällt 2 Personen

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