„Wenn mehr fremdartiges Leben direkt an unseren Balkonen erhalten bleibt, hinterlassen wir den folgenden Generationen einen Schatz, der uns offenbar zu selbstverständlich geworden ist.“

» […] Einerseits plädieren wir für Vielfalt und predigen Tierliebe, andererseits vernichten wir voller Tatendrang, alles was da kreucht und fleucht. Wenn wir das nicht ändern, stehen wir bald ziemlich einsam da – nur noch mit Hunden und Katzen.
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Als ich noch ein Kind war, sah unser Auto nach einer Landstraßenfahrt aus, als hätte es ein riesiger Frosch ausgekotzt. Eine Kruste toter Insekten bedeckte den Lack und die Scheiben so dick, dass wir beim Tanken immer etwas davon entfernen mussten, um noch etwas zu sehen. Autofahrer wissen, dass selbst die modernste Scheibenwaschanlage arge Probleme hat, geplättete, getrocknete Insekten zu entfernen. Wenn ich heute 2000 Kilometer mit der steilen Frontscheibe eines Transporters durch die Republik fahre, finde ich dennoch nur einen Bruchteil der Insekten.
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Im Vergleich zu den Achtzigerjahren zählen sie insgesamt bis über 70 Prozent weniger Insekten in ihren Mengenfängen, finden aber ebenso Zonen, in denen es noch viele Tiere gibt.
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Es gibt jedenfalls nach bestem Wissen und Gewissen in Deutschland deutlich weniger Insekten als früher. Das war kein Vulkan oder Gottes Zorn, sondern der Mensch drängt sie aus dem Leben, weil sie ihn stören.
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Wer etwas über den Charakter eines Menschen erfahren will, betrachtet am besten, wie er Schwächere behandelt.
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Bei den Nutztieren hört die Liebe schon auf.
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Das heutige Leistungsrind, die Legehenne, das Mastschwein, das sind derart überzüchtete Empfindlichkeitsbrocken, dass ihren nur noch das Leben als genau definiertes Teilchen der hoch automatisierten Landwirtschaftsmaschine bleibt. Sie können gern versuchen, dieser Tage Hochleistungslegehennen einfach im Garten zu halten. Ich gebe ihnen zwei Wochen bis Lungenentzündung. Diese Tiere sind außerhalb klimatisierter Ställe kaum noch lebensfähig und darin führen sie eine Existenz, die kein Mensch „Leben“ nennen würde, beträfe ihn das persönlich.
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Beim Rest, der weder nutz- noch kuschelbar ist, rotten wir aus, was im Weg der Bequemlichkeit steht.
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Die Wespe ist ein Nützling, sie frisst zum Beispiel den Parasiten namens Stechmücke.
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Der Wolf kommt langsam zurück in den Osten und wir wollen ihn gleich ein zweites Mal ausrotten. Nur seine optische Ähnlichkeit zum Haushund hilft ihm noch. Spinnen sind ekelig, weil sie „komisch laufen“. Sofort töten. Fliegen, igitt, die haben auf Kackhaufen gesessen. Todesstrafe. Maulwürfe verschandeln mir den Rasen. Sie sollen nach drüben gehen oder sterben. Vögel zerfleddern meine Weintrauben. Man reiche mir die Schrotpistole. Die Ameise frisst mir 18 µg Marmelade weg. Ich vergifte ihre Kinder. Aber hey, ich bin Tierfreund, man betrachte nur meine drei fotogenen Katzen.
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Welche Vielfalt bleibt uns, wenn alles außer dem Menschen und seinen biologischen Bauteilzüchtungen ausgestorben ist?
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Die Menschheit fühlt sich häufig allein im Universum. Sie erfindet Götter und Geschichten und horcht in die unvorstellbaren Weiten des Alls hinein, ob es da nicht doch noch Andere gibt. Meine größte Freude war dabei immer, dass wir schon hier auf der Erde nicht alleine sind. Wenn mehr fremdartiges Leben direkt an unseren Balkonen erhalten bleibt, hinterlassen wir den folgenden Generationen einen Schatz, der uns offenbar zu selbstverständlich geworden ist. «

Clemens Gleich | heise online | 27.08.2017 | „Missing Link“: „Kill it with fire!“ – Vielfalt und Rücksicht, aber nicht für Wespen | https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Kill-it-with-fire-Vielfalt-und-Ruecksicht-aber-nicht-fuer-Wespen-3812853.html?artikelseite=all

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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