gha.


Sein Haus war ein ökologisches Vorzeigeprojekt.

Es war ausschließlich aus Naturbaustoffen erbaut und gedämmt durch nachwachsende Rohstoffe.

Die Farben waren natürlich auf Pflanzenbasis ohne Lösungsmittel und enthielten kaum flüchtige organische Verbindungen.

Die mehrfach isolierten großen Fenster waren aus lokalen Hölzern gezimmert und sorgten vom Sonnenauf- bis -untergang für helles Tageslicht.

Sein Warmwasser bezog er von den Sollenkollektoren auf dem Dach, ergänzt durch eine Pelletheizung.

Die Waschmaschine hatte einen Warmwasseranschluss, das zusätzlich gebrauchte Kaltwasser bezog er nach einer Grobfilterung aus Regenwasser.

Das oft merkwürdig rötlich gefärbte Abwasser aus Badewanne, Dusche und Waschmaschine nutzte er für die Toilettenspülung.

Kurzum sein ökologischer Fußabdruck lag vorbildlich und von allen bewundert unter einem Globalen Hektar!

Das Sondereinsatzkommando stürmte das Haus an diesem herrlich schönen Sonntagmittag im Juli von allen Seiten und fand ihn bräsig auf der Terrasse sitzend, vor sich sein Mittagessen genießend, einen mit Sonnenenergie aus Solarzellen pürierten und überbackenen Auflauf; es roch nach Innereien.

Auf der anschließenden Pressekonferenz verkündete die Polizeiführung stolz, endlich den langgesuchten, Europas kannibalistischsten Serienmörder aller Zeiten dingfest gemacht zu haben.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/02/25/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-09-18-wortspende-von-bodenlosz/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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22 Antworten zu gha.

  1. nandalya schreibt:

    Mit Grüßen von Hannibal? Gut!

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  2. Anna-Lena schreibt:

    Na, ob ich meinen eben gekochten Rosenkohleintopf mit Fleischeinlage gleich noch mag, ohne an deine Geschichte zu denken???
    Genial geschrieben, eben Bernd-like :mrgreen: !

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  3. Nina Bodenlosz schreibt:

    Schön böse!

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  4. diespringerin schreibt:

    Mittlerweile weiß ich, dass es bei deinen Texten immer diese eine besondere Wende in ein sehr spezielles Extrem gibt … :o) …. Da ist wieder soviel auf den Punkt gebracht …

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  5. christahartwig schreibt:

    Das nenne ich mal Umweltschutz bis zur letzten Konsequenz, würde es aber trotzdem nicht nur Nachahmung empfehlen, denn solchen „Überzeugungstätern“ droht auch nach Verbüßen der Höchststrafe noch die Sicherungsverwahrung.
    Gute Story, gut geschrieben!
    Liebe Grüße
    Christa

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  6. moserschreibt schreibt:

    Hoffentlich waren die Innereien auch rein biologisch… von einem Menschen aus Freilandhaltung! 😁

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  7. C. M. Spinner schreibt:

    Holla – das ist mal eine überraschende Wendung.
    Schön, auch wenn man die von dir angesprochene Ambivalenz des Menschen nicht so gerne wahrhaben will. 😊

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  8. Christiane schreibt:

    Ha! Grüße von Hannibal the cannibal! Sehr schöner Schockmoment!
    Auch nett, dass du dieses Mal keinen aktuellen Anlass verbraten hast, oder habe ich da was verpasst?
    Schönen Sonntag dir & liebe Grüße
    Christiane

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  9. Myriade schreibt:

    OH *würg*. Sehr guter Text: Verdienste in einem Lebensbereich sind nicht unbedingt auf alle zu übertragen ….

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