Frühling im Herbst.


Hand in Hand schlenderten Julia und Wolfgang durch den Park.
Jeder Schritt fiel ihm gerade schwer.
Sie kamen von ihr, wo er sie zum ersten Mal besuchte.
Richtig kannten sich noch nicht sehr lange.
Er war bis zum Platzen gesättigt mit dem was Julia extra für ihn heute gebacken hatte.

Er hatte sie in seinem Lieblingscafé kennengelernt, in dem sie bediente und ihn immer dann traurig anschaute, wenn das Café mal wieder keinen veganen Kuchen kredenzte – seinerseits war es Liebe auf den ersten Blick.
Erst nach vielen Monaten traute er sich, sie anzusprechen – der Altersunterschied war offensichtlich zu groß.

Er rannte offene Türen ein.

Vegane gefüllte Pfauenaugen hatte sie ihm heute gebacken, was für einen veganen Newbie wie sie schwer war, galt es doch Eier und Butter in der richtigen Proportion zu ersetzen.

An einer besonders schönen Stelle des Parkes zog er sie zu sich heran, legte seine Hände um ihre Hüften, sie ließ es zu, wollte gerade ansetzen zu sagen, wie sehr er in sie verliebt war, doch sie versiegelte seine Lippen mit ihrem rechten Zeigefinger, stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen langen warmen Kuss auf seinen Mund …

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/03/11/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-11-18-wortspende-von-fundevogelnest/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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6 Antworten zu Frühling im Herbst.

  1. christahartwig schreibt:

    Sag mal, kann es sein, dass die Latte immer höher liegt? Beim Kennenlernen und Zueinanderfinden, meine ich. Als ich jung war, fand man sich attraktiv, konnte sich leiden (riechen) oder eben nicht. Abgesehen von einigen gesellschaftlichen Schranken, die es immer gab, kam es u.a. darauf an, wie mutig jemand war, sich auch mal über Schranken hinwegzusetzen, gegen den Willen der Eltern und die Meinung der Freunde. Etwas militanten ging es dann zu, als das Rauchen immer verpönter wurde. Ein Raucher/eine Raucherin das ging für viele Nichtraucher/Nichtraucherinnen schon mal gar nicht. Und nun nimmt die Zahl der Veganer zu, die sich schütteln würden, wenn das ansonsten angebetete Wesen in ihrer Gegenwart ein Wurstbrot isst oder auch nur erwähnt, ein Wurstbrot gegessen zu haben. Ich will das nicht kritisieren, aber eben gerade frage ich mich, was diese künstliche Verknappung bei der Partnerwahl gesellschaftlich bedeutet. – Darüber muss ich echt noch nachdenken.
    Zur Geschichte: Wieder mal gut erdacht und geschrieben. :-)

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    • Ich bin davon überzeugt, dass die Möglichkeiten, sich kennenzulernen so vielfältig sind wie es vielfältige Menschen gibt. Da der „Markt“ heute größer ist als früher und die Menschen, was das anbelangt, unabhängiger sind, ist die Partnerwahl wohl komplizierter. Das bewerte ich aber nicht. Ansonsten muss jede* seine/ihre roten Linien definieren und sich die Frage stellen, ob es manchmal nicht besser wäre, sich mit dem Spatzen in der Hand zufrieden zu geben, als nach der Taube auf dem Dach Ausschau zu halten. Für mich persönlich sind Lebensumstände wie die Ernährungsweise oder das Suchtverhalten toleriebar, wenn es gelingt, sich auf gemeinsame Spielregeln zu einigen und diese auch zu beherzigen. Fanatismus lehne ich ab (sowohl militante Fleischesser als auch militante Veganer, militante Raucher als auch militante Nichtraucher, militante Alkoholiker als auch militante Abstinenzler). In die Schnittmenge einer Beziehung gehört qualitativ noch so viel mehr hinein, dass das Vorgenannte nur Randbedeutung haben sollte.
      Ansonsten: vielen Dank!
      Liebe Grüße, Bernd

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      • christahartwig schreibt:

        Ja, so tolerant hatte ich Dich auch eingeschätzt. Es war nur, das mir beim Lesen Deiner Geschichte plötzlich die Frage kam, ob es bei all den heute errichteten Barrikaden nicht mehr um die Abgrenzung als um die Sache selbst geht.
        Liebe Grüße auch an Dich
        Christa

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  2. Christiane schreibt:

    Liebe ist schön (oder sollte es sein) zu jeder Jahres- und Lebenszeit. Vielen Dank dafür!
    Schönen Sonntag dir!
    Christiane

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  3. Myriade schreibt:

    Liebe über mehrere Grenzen hinweg. Hoffentlich wird was draus :)

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