Postdemokratie.

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“, so lautet der deutsche Amtseid, den Bundespräsident, Bundeskanzler und die Bundesminister bei ihrem Amtsantritt leisten.

Nach Herzenslust frönten sie stattdessen der Ausbeutung dieses Staates.

Während Hartz-IV-Empfänger am Rande des deutschen Existenzminimums darben und von gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe faktisch ausgeschlossen sind, werden die 9.524 EUR monatliche Diäten eines Bundestagsabgeordneten jährlich an die Entwicklung der Nominallöhne angepasst; Hart-IV-Empfänger erhielten 2018 zwischen 5 und 7 EUR monatlich mehr.

Ungeniert beruft der neue Bundesfinanzminister einen Co-Chef von Goldman-Sachs, einer weltweit führenden Investment-Bank, zum Staatssekretär.

In den Bundesministerien sitzen „Leihbeamte“ der Wirtschaft und schreiben an Gesetzesvorlagen im Sinne ihrer Arbeitgeber mit.

Ein Bundeskanzler a. D., der als Regierungschef einen Pipeline-Deal mit einem ausländischen Energieversorgungsunternehmen einfädelt und dann, nach seiner Kanzlerschaft, dort eine hochbezahlte Spitzenposition übernimmt.

Es ist Abgeordneten/Ministern verboten, Nepotismus zu betreiben, d. h. Ehepartner und Kinder auf Steuerzahlerkosten zu beschäftigen; die unbefristete Übergansgsregelung für Altfälle wurde schamlos ausgenutzt.

Die an der kurzen Leine von übermächtigen, gewinn- und machtgeilen globalen Wirtschaftsführern gehaltenen Politiker und Politikerinnen machen das Gegenteil dessen, was der ehemalige Bundespräsident Rau ihnen ins Gewissen schrieb: versöhnen statt spalten.

Am Ende der Spaltung des Volkes von Politik, wird vom Volk keinerlei Macht mehr ausgehen und Macht wird Freiheit und Recht unterdrücken.

Dies alles und noch viel mehr ist möglich, solange Wähler und Wählerinnen brav ihr Kreuzchen bei den Parteien und Abgeordneten machen, die ihre Politik als alternativlos postulieren.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/03/25/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-13-18-wortspende-von-gerda-kazakou/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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13 Antworten zu Postdemokratie.

  1. rina.p schreibt:

    …“Schaden von ihm wenden…“
    wirklich? Sehr treffend von dir geschrieben. Das sollten wir mal einschicken.
    Schöne Ostern

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  2. Werner Kastens schreibt:

    In meinem beruflichen Leben bin ich viel in sog. Bananenrepubliken unterwegs gewesen: Mittelamerika, Südamerika, Naher Osten, Philippinen, Nigeria etc. Alle haben mich belächelt, aber keiner hat mir geglaubt, dass es bei uns nicht auch schon so war mit Bestechung (sog. nützliche Abgaben), sog. Rationalisierungskartellen etc. etc. Nur hat man es bei uns viel geschickter kaschiert. Und heute: da macht man es halt einfach, und alle schauen zu. Denn es gibt ja die Totschlagargumente: Sicherung von Arbeitsplätzen, Sicherung von Wohlstand.
    Verkehrte Welt!

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  3. Elke H. Speidel schreibt:

    Nun ja. Schlimmer geht übrigens immer!

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  4. Karin schreibt:

    Wie schön wäre es, wenn das nur eine Schreibetüde wäre und nicht unbarmherzig Realität.
    Zorn aber auch Ohnmacht wallt auf. Lieber Gruss vom Dach Karin

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  5. Ulli schreibt:

    Eine Etüde mit politischem Realitätsbezug, mag ich sehr und danke dafür!
    herzlichst, Ulli

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  6. Christiane schreibt:

    So wahr uns Gott helfe.

    Gefällt 2 Personen

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