Sommerregen.

Plus – Sophies Clearblue zeigte ein Pluszeichen.

Damit hatte sie nicht gerechnet, mit 19, kurz vor dem Abitur, schwanger zu sein.

Abtreibung kam für sie nicht infrage und den Rückhalt ihrer Familie konnte sie gewiss sein, seit ihre Eltern sie aufgeklärt hatten.

Ihre größte Sorge war ihre Teilnahme an ‚Jugend musiziert‘; als begabte Klavierspielerin war dies ihre letzte Chance am Wettbewerb teilzunehmen, da die Kategorie ‚Klavier‘ nur alle paar Jahre ausgeschrieben wurde und sie das nächste Mal zu alt sein würde.

Zwei Jahre hatte sie nun auf die Wettbewerbe trainiert.

Sollte sie bis ins Finale kommen, wäre sie dann hochschwanger und stünde kurz vor der Niederkunft. –

Sophie war eine strahlende, kugelrunde Siegerin!

Als sie vor ihrem ersten Finalauftritt ihre Notenmappe öffnete, lag dort überraschenderweise ein handgeschriebenes Notenblatt obenauf, signiert von Vincent, ihrem Freund und Vater ihres ankommenden Kindes.

Die Noten waren überschrieben mit ‚Sommerregen‘ – sie durfte das kleine Stück als Zugabe spielen.

Sommerregen … – während ihre feingliedrigen Finger leicht über die Tasten glitten und die Töne wie Regentropfen perlten, erinnerte Sophie sich an den Spaziergang mit Vincent die Weiden entlang, den plötzlich aufkommenden Sturm mit dem warmen Sommerregen, die Flucht in den Heuschober und ihr inniges, nachhaltiges Zusammensein im pieksigen Heu.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/04/15/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-16-18-wortspende-von-irgendwas-ist-immer/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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13 Antworten zu Sommerregen.

  1. Anna-Lena schreibt:

    Da brat mir doch einer nen Storch … :lol: !

    Gefällt 2 Personen

  2. gkazakou schreibt:

    Ich bin perplex, wie schnell, elegant und diesmal auch liebevoll du jedes Mal die Wörter in komplette Geschichten verwandelst. Gefällt mir sehr! ich ziehe den Hut.

    Gefällt 3 Personen

  3. Myriade schreibt:

    Eine schöne Vereinbarkeitsgeschichte

    Gefällt 1 Person

  4. diespringerin schreibt:

    Schön, dass die Geschichte von Zuversicht, Halt und Freude spricht. :o) Da fehlt jeglicher Zynismus (der ja immer ein Zeichen gewisser Resignation ist, glaube ich) , ich kann jedenfalls nix davon in diesen Zeilen finden …. :o) :o) :o)

    Gefällt 3 Personen

  5. Christiane schreibt:

    Ach Mensch, wie schön ist das. Und ja, wie Christa schreibt, es ist gut, dass sich manches geändert hat, dass es auch positiv ist, macht man sich oft nicht so klar.
    Manche Zeiten braucht man wirklich nicht mehr.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

  6. christahartwig schreibt:

    Eine schöne Geschichte, die u.a. dokumentiert, wie weit wir es doch gebracht haben. Als ich aufs Gymnasium ging, bedeutete Schwangerschaft noch das Ende des Traums vom Abitur. Junge Frauen mussten die Schule verlassen, sobald die Schwangerschaft sich nicht mehr verheimlichen ließ.

    Gefällt 3 Personen

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